Zehn-Punkte-Plan für Frauen, die Karriere machen wollen. Wie es Karrierefrauen im Ausland schneller nach oben geschafft haben

 

Der Zehn-Punkte-Plan für Frauen, die Karriere machen wollen 

 

Bettina Al-Sadik-Lowinski, Führungskräfte Coach und Wissenschaftlerin in Paris, hat 110 Topmanagerinnen aus fünf Ländern in insgesamt 500 Unternehmen weltweit in Tiefeninterviews zu ihren Karrierebeschleunigern befragt, Typologien identifiziert und analysiert. Nur 25 von ihnen sind aus Deutschland. An diesen zehn Erkenntnisse daraus sollten sich Frauen orientieren, wenn sie sich im Business durchsetzen wollen:

 

1. Unbeirrt sein, frei von gesellschaftlichen Zwängen und unabhängig von den Werturteilen anderer

Eine Top Management Karriere ist auch da möglich, wo der Aufstieg für Frauen sonst schwierig ist. Vorausgesetzt, sie sind innerlich unabhängig von Stereotypen und typischen Anforderungen der Gesellschaft an das gängige Frauenbild. Dazu gehört die Befreiung von negativen Werturteilen in Verbindung mit starken Frauen, Rollenerwartungen an Mütter und Stereotype zur Befähigung von Frauen im Management.

Sie sind sich der herrschenden Meinungen über erfolgreiche Frauen bewusst. Jedoch: „Negative Werturteile habe ich immer mit viel Humor zur Kenntnis genommen, mich aber nie von ihnen beirren lassen“, berichtet Vorständin Britta Bomhard. Sie begann ihre Karriere in Deutschland, absolvierte Auslandsstationen in Großbritannien, Spanien und Frankreich und gestaltet heute die Geschicke des Konsumgüterherstellers Church & Dwight in den USA mit.

Eine große Rolle spielt die Sozialisierung: Erziehung durch starke Mütter, Orientierung an berufstätigen Großmüttern oder aber – wie in Deutschland – an starken Vätern, hat bei vielen Topmanagerinnen bewirkt, dass sie für sich keine Grenzen sehen.

 

2. Am Anfang steht der eiserne Wille: Hohe Karriereorientierung gepaart mit starken Willen zu Karriere und Aufstieg.

Etwas anderes, als berufstätig zu sein, kam für die 110 Erfolgs-Frauen nicht infrage. Im Job wollen sie die Beste sein. Spitzenfrauen sind bereit, das Notwendige zu tun, um ins Top-Management aufzusteigen. Sie konzentrieren sich darauf, im Rahmen ihrer Unternehmenswelten mit ihren Regeln und Machtsystemen, ihren Karriereweg strategisch aufzubauen. Mari Nogami, Präsidentin der Consumer-Healthcare-Sparte von Takeda in Japan, sagt: Mein starker Wille, Karriere im Management machen zu wollen, war für mich der wichtigste Baustein der Karriereformel. Und weiter: „Als ich mein Kind bekam, beschloss ich meine Laufbahn mit aller Konsequenz weiter zu verfolgen.“ Alle anderen Entscheidungen waren für sie rückblickend zwar auch wichtig, aber zweitrangig.

 

3. Karrierefaktor richtiger Lebenspartner: Nur mit der Unterstützung von Lebenspartnern ohne eigene Karriereambitionen klappt der Aufstieg, wenn man Kinder hat.

Top-Managerinnen suchen – mal bewusst, mal unbewusst – den richtigen Partner für ihre Karrierepläne. Fast alle 110 Frauen beschreiben ihre Ehepartner als sehr unterstützend. Sie schätzen diese Unterstützung und drücken ihre Wertschätzung auch aus. Christine Rittner, Top-Managerin und Vorständin urteilt: „Frauen müssen für sich selber neu definieren, wie sie ihre Mutterrolle leben wollen und sich von Anfang an viel Unterstützung sichern.“ Die Managerinnen setzen auf Entlastung bei der Kinderbetreuung und bei Haushaltspflichten, gerne bis hin zur kompletten Befreiung. Konflikte entstehen, wenn Frauen versuchen, beiden Rollen gleichermaßen gerecht zu werden. Wer versucht, eine Top-Führungsposition und Kinderbetreuung überwiegend alleine zu jonglieren, gerät schnell an Grenzen von Gesundheit und Machbarkeit.

 

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4. Hoch motiviert, mit dem Willen zum Rollenvorbild und solidarisch 

Allen 110 Managerinnen ist gemein: Ihre Leistungs-, Führungs- und Gestaltungsmotivation ist hoch. Spitzenmanagerinnen ziehen tiefe Befriedigung aus ihrer Verantwortung, setzen sich für ihre Teams ein und fördern ihre Mitarbeiter. Idealtypische Managerinnen sind sehr solidarisch mit anderen Frauen und haben selbst von der Solidarität anderer Frauen profitiert. Dort, wo bereits viele Frauen im gehobenen Management tätig sind, sind die Beschreibungen weiblicher Vorgesetzten, Förderinnen und Mentorinnen vielfältig. Auf den Karrierewegen von vielen der Managerinnen spielen andere Frauen, die sie förderten, eine besondere Rolle. Ex-Personalvorständin von Esprit, Marion Welp, mit der Zulassung als Anwältin in den USA, sagt: „ Frauen machen dann Karriere, wenn sie sich überdurchschnittlich in einer Männerwelt behaupten. Neben Durchsetzungskraft braucht es Sichtbarkeit, den Willen, im Wettbewerb zu gewinnen und die Bereitschaft, sich Konflikten zu stellen.“

 

 

5. Selbstbewusste Karriereplanung, Veränderungsfreude und Chancen suchend 

Zur Karriereplanung gehört das Bewusstwerden über das eigene Karriereziel. Das Ziel der meisten Befragten ist „Chefin werden“. So weit oben in der Unternehmenshierarchie wie möglich, um Gestaltungsspielräume zu bekommen und für Mitarbeiter Dinge positiv zu bewegen. Sie beobachten Vorgesetzte, messen sich an ihnen und sind überzeugt, dass sie dasselbe Maß an Verantwortung übernehmen können – wenn nicht mehr. Die meisten Managerinnen haben ein gutes Selbstbewusstsein und wo auf ihrem Weg Unsicherheiten auftauchten, suchen sie gezielt Unterstützung.

Sie sind flexibel bei der Wahl von Unternehmen, Arbeitsinhalten und Orten. Dahin zu gehen, wo Chancen sind, ist eine der Erfolgsstrategien. Dazu gehört auch der Wechsel, wenn die Glasdecke, die in den meisten Ländern existiert, nicht zu durchbrechen ist. Die Frauen haben die Fähigkeit, ein Risiko, das mit einem Unternehmenswechsel oder einer Auslandsstation verbunden ist, einzugehen. Die Topmanagerinnen finden es riskanter, in Unternehmen zu bleiben, in denen für sie nichts mehr geht, als weg zu wechseln.

 


6. Strategisch geplante Karrierewege in verschiedenen Unternehmen und über Auslandsstationen. Diskriminierende Unternehmen meiden oder zügig verlassen

Die interviewten Frauen haben die Fähigkeit, sich mit Machtstrukturen im Unternehmen auseinanderzusetzen, entscheiden aber letztlich sehr realistisch, ob weitere Aufstiegsmöglichkeiten gegeben sind oder ob sie eine Veränderung weiterbringt. Die meisten Topmanagerinnen wechseln Unternehmen mehrfach.

 


7. Strategien, um in Machtzirkel vorzudringen und mit männlichen Entscheidern Selbstähnlichkeit aufzubauen

Vorständin Bomhard hat sich eigene Strategien erarbeitet, um in Machtzirkel vorzudringen und mit männlichen Entscheidern Selbstähnlichkeit aufzubauen. Die Spitzenmanagerinnen überlegen sich dazu Themen, mit denen sie sich als Frau mit männlichen Entscheidern vernetzen. Bomhard, „Die Fähigkeit, sich bei den Entscheidern geschickt zu positionieren, ist einer der Schlüssel für den Aufstieg. Da Frauen nicht in Boys Clubs unter Gleichen spielen können, müssen andere Strategien her. Da hilft kein Jammern, sondern ein Perspektivwechsel.“

 


8. Top-Ausbildung und Management-Kompetenzen, lebenslanges Lernen als Grundeinstellung. Gezieltes Nutzen von Mentoren, Netzwerken und Exekutive Coachings und frühe Übernahme von Führungsverantwortung.

Die meisten der 110 Top-Managerinnen haben zwei oder mehr Abschlüsse namhafter Universitäten, sprechen mehrere Fremdsprachen sehr gut und machen früh Auslandserfahrungen. Eine Finanzvorständin eines deutschen Konzerns in China hat  drei verschiedenen Master-Abschlüssen, davon einer in Physik, von Unis wie Insead, HEC, Harvard und Stanford. Nur wenige Frauen kommen ohne Prestige-Universität an die Spitze. „Mein Weg wäre heute so nicht mehr möglich“, resümiert Manuela Rousseau. Sie ist Aufsichtsrätin bei Beiersdorf – ohne Universitätsabschluss. Was ihr half: ihre Spezialgebiete Fundraising, Stiftungen und PR sowie eine Professur an der Hamburger Hochschule für Musik und Theater – und Mut. Die eigene Weiterentwicklung ist für Top-Managerinnen nicht Pflicht, sondern beständige Kür, die nie endet. Mit Neugierde und Offenheit eigenen sie sich aktuelle Themen, Methoden und Managementwissen an.

 


9. Sportliche, positive Einstellung zum Wettbewerb und keine Scheu vor Konflikten

Fairer Wettbewerb spornt Erfolgsfrauen zu Höchstleistungen an. Die hohe Leistungsmotivation wird bei vielen von dem Wunsch getragen, gut zu sein und sehr gute Ergebnisse zu erzielen. Ist jemand anderes besser, dient derjenige als Vorbild, um von ihm zu lernen.

 


10: Nach Niederlagen: Aufstehen, weitermachen, durchhalten

„Aufstehen, Krönchen richten und weiter“, das ist die Devisen nach Schlappen. Denn sie sind Chancen, an sich selbst zu wachsen. Es ist nicht schlimm, mal zu scheitern. Wichtig ist nur, nicht aufzugeben. Aufgeben ist für Spitzenmanagerinnen keine Alternative.

 

 

Lesetipp:

Interview mit Bettina Al-Sadik-Lowinski: Deutsche Frauen sollten sich an der Zielstrebigkeit chinesischer Managerinnen ein Vorbild nehmen

 

 

 

 

 

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