Wenn chinesische Investoren deutsche Hidden Champions kaufen, sinkt deren Rentabilität und Leistungsfähigkeit, belegt eine wissenschaftliche Analyse

Unternehmen, die von ihren Eigentümern an chinesische Investoren verkauft werden, stehen danach schlechter da als vorher. Das hat eine Studie der Otto Beisheim School of Management analysiert: Viele Unternehmen sind nach ihrer Übernahme deutlich weniger leistungsfähig und rentabel.

 

Dafür haben die Studienautoren Christina Brunner und Serden Özcan insgesamt 63 chinesische Übernahmen in Deutschland zwischen 2008 und 2016 ausgewertet und die Entwicklung der Rentabilität der deutschen Zielunternehmen bis 2021 analysiert. Das Ergebnis: Chinesische Investoren sind am liebsten Alleineigentümer und übernehmen bei der Mehrheit der M&A sämtliche Anteile der Firmen.

 

Des weiteren: „Firmen aus Schwellenländern nutzen internationale Fusionen oder Übernahmen in Industrieländern dazu, um an strategische Vermögenswerte und überlegene Technologien zu gelangen und so ihren Wettbewerbsnachteil zu verringern“, heißt es in  Christina Brunners Analyse vom Lehrstuhl für Innovation und Corporate Transformation an der WHU. Deutschland sei besonders deutlich im Fokus der Investoren aus China und besonders die mittelständischen Unternehmen und Hidden Champions.

 

Beispiele seien die Unternehmensübernahmen der Robotik-Firma Kuka und der Elektronik-Firma Medion, die laut Studie deutlich zeigen, was sich deutsche Firmen bei Deals mit chinesischen Investoren erhoffen: direkten und weitreichenden Zugang zum riesigen chinesischen und damit asiatischen Markt sowie Zugriff auf die scheinbar unendlichen Ressourcen der Investoren.

 

Besonders im Visier der chinesischen Investoren laut Studie: Bestimmte Schlüsselbereiche wie Robotik, Informationstechnologie oder Medizintechnik stehen in ihrem Übernahme-Fokus, um auf internationale Spitzenpositionen zu erlangen. Brunners Fazit: In fast allen Fällen sank die Leistungsfähigkeit in den folgenden Jahren nach ihrer Übernahme.

 

An der Übernahme selbst läge es nicht, so Brunner. Denn Unternehmen einer Vergleichsgruppe mit ähnlichem Geschäftsmodell entwickelten sich auch bei mehrjähriger Betrachtung deutlich besser. Und: Deutsche Unternehmen mit ähnlicher Struktur entwickelten sich als Vergleichsgruppe, die von österreichischen Unternehmen übernommen wurden, wesentlich besser. Die sinkende Rentabilität sei damit nachweislich auf die Herkunft der Investoren zurück zu führen.

 

Hongkong (Foto: J.Kindermann)

 

Warum chinesische Übernahmen und Fusionen in Deutschland oft negative Folgen für die betroffenen Unternehmen haben, hat mehrere Gründe laut Brunner: Einerseits werden überlegene Technologien oder Know-how absorbiert, ohne eigenes Wissen in die Firma zu transferieren, was die die Leistungs- und Wachstumschancen verringert.

Des weiteren verlagern die chinesischen Investoren die Standorte teils ins Ausland. Oft haben die Investoren auch keine Erfahrung im Geschäftsfeld des übernommenen Unternehmens.

Hinzukommt: Die völlig anderen Geschäftspraktiken und institutionellen Rahmenbedingungen in Deutschland sind chinesischen Investoren fremd. Der deutsche Managementstil erweckt ihr Misstrauen, weil die Deutschen die chinesische Unternehmensstruktur oft nicht durchdringen. Denn Verantwortlichkeiten seien oft nicht eindeutig verteilt und die Entscheidungswege unklar.

 

Hongkong (Foto: J.Kindermann)

 

Brunners weiteres Ergebnis:  Sollten chinesische Investoren tatsächlich schlecht laufende deutsche Unternehmen kaufen, sind sie oft nicht in der Lage, diese zu sanieren –  und die Abnahme der Rentabilität setzt sich fort.

Zwei Ratschläge für die Unternehmensverkäufer an chinesische Firmen stehen in der Studie von Brunner und Ötzcan:

  • Erstens: Unternehmen sollten den CEO-Posten nach der Übernahme des deutschen Unternehmens nicht mit einer chinesischen Führungskraft besetzen. Dies führt zur signifikanten Abnahme der Rentabilität des Unternehmens. Ergänzen Sie stattdessen das deutsche Managementteam um eine chinesische Führungskraft – das ist die sinnvollere Lösung.
  • Zweitens: Schaffen Sie klare Verantwortlichkeiten und Kommunikationswege zwischen der deutschen Firma und dem chinesischen Investor. Feststehen muss, wer die Entscheidungen trifft.

 

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