Karriere-Ausblick 2021: Welche Branche gut zahlt, welche eher nicht und welche ein Sprungbrett ist, analysieren die Profis der Unternehmensberatung Advyce

  1. Wie die Branchenexperten und Partner der Unternehmensberatung Advyce die Jobaussichten in zehn verschiedenen Branchen für 2021 einschätzen – von der Automobilindustrie bis zu Versicherungen. Wo Einsteigern und Mitarbeitern nach den ersten Karriereschritten am besten verdienen und welche Karriereperspektiven sich ihnen bieten.

 

Automobilindustrie: Stefan Hecht

Stefan Hecht (Foto: PR/Advyce)

Gehaltsspanne

Einsteiger, Akademiker: 40.000 – 70.000 Euro

Management,  etwa 45 Jahre alt: 90.000 – 150.000 Euro

 

Lage der Branche

Der deutliche Abschwung aus dem Jahr 2019 wurde durch die Covid-19-Pandemie immens verschärft. Dies trifft insbesondere Europa und das Autoweltmeister-Land Deutschland schwer. Ich rechne bei Herstellern wie Zulieferern mit Umsatzrückgängen von mindestens 20 Prozent. Bei fast allen Unternehmen sind Kurzarbeit, Restrukturierungen und auch Standortschließungen längst Gang und Gebe. Die Krise trifft aber nicht nur die normalen Arbeitskräfte. Auch außertarifliche Spezialisten und Führungskräfte müssen sich in den meisten Unternehmen solidarisch zeigen und temporäre Gehaltsverzichte von fünf bis 15 Prozent hinnehmen.

 

Chancen und Risiken

Die Einstiegschancen sind mau. Neueinstellungen sind auf ein Minimalniveau zurückgefahren. Eingestellt wird in nennenswertem Ausmaß nur in Zukunftsbereichen wie E-Mobility oder für Digital-Services – das Auto als Smart Device gewinnt an Bedeutung. Je nachdem wie schnell man zu gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Normalität zurückkehren kann, rechne ich mit einem kleinen Boom ab Mitte des Jahres. Auch in Sachen E-Mobility wird sich mittelfristig auszahlen, dass die Unternehmen ihre Anstrengungen hier deutlich verstärkt haben.

 

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Banken: Burkhard Wagner

Burkhard Wagner (Foto: PR/Advyce)

Gehaltsspanne

Deutschlands Banken planen sehr zurückhaltend für die Zukunft und waren in 2020 daher auch sehr vorsichtig bei Neueinstellungen. Banken gehören dennoch zu den großzügigsten Arbeitgebern in Deutschland. So liegt das Durchschnittsgehalt bei Banken bei 69.703 Euro jährlich und nimmt damit unangefochten den Spitzenplatz ein.

Die Einstiegsgehälter variieren dabei je nach Aufgabengebiet stark.

Einsteiger (Investmentbanking): rund 55.000 Euro;

Einstieg (Privatkundengeschäft): rund 36.000 Euro

Management etwa 45 Jahre alt: zwischen 100.000 und 200.000 Euro.

 

Lage der Branche

Die Corona-Pandemie brachte für Banken eine ganze Reihe von positiven Aspekten und quasi eine Sonderkonjunktur. Die Ausgabe von Soforthilfe-Programmen zur Milderung des Konjunktureinbruchs durch den Lock down hat das Kreditgeschäft zunächst beflügelt und auch mögliche Kreditausfälle in den Büchern der Banken zunächst etwas verzögert.

In den vergangenen Wochen wurde aber deutlich, dass vermutlich nun doch eine Welle von Pleiten auf die Kreditinstitute zurollt und schwer in Mitleidenschaft zieht. Die unzureichende Profitabilität der Commerzbank mit mühsamer Suche nach Aufsichtsratschef und Vorstandsvorsitzendem, sowie fortwährende Restrukturierungswellen bei den großen Banken wie der Deutschen Bank sind ein Zeugnis für die schlechte Verfassung der Branche. Die Stimmung in den Banken ist schlecht. Neben vereinzelten Einstellungen gehe ich davon aus, dass auch in 2021 mehrere tausend Mitarbeiter in der Bankenbrache ihre Jobs verlieren. Insgesamt sind Banken daher vermutlich auch noch über 2021 hinaus für Mitarbeiter kein sicherer Arbeitgeber.

 

Chancen und Risiken

Traditionelle Banken und Versicherungen sind nicht erst seit 2020 massiv durch sogenannte Neobanking-Geschäftsmodelle gefährdet. Es ist insgesamt noch nicht ausgemacht, welches Szenario am wahrscheinlichsten ist, aber sollten sich etablierte Banken nicht konsequenter modernisieren und digitalisieren, wird ihr Überleben durch neue, technologiegetrieben Institute gefährdet. Eine ganze Reihe von mächtiger werdenden Technologieunternehmen (FinTechs) ist in den vergangenen zwei bis drei Jahren erfolgreich in den Markt gekommen und konnte gerade im wichtigen Segment der jüngeren, digital-affinen Kundengruppen Marktanteile erobern.

Ein wahrscheinliches Szenario ist hierbei eine Modularisierung von Finanzdienstleistungen. Etablierten Banken kann es dabei gelingen, in Nischen zu überleben und über standardisierte Schnittstellen kleine und große Technologieunternehmen an ihre Kundenplattform anzubinden. Perspektivisch wird der Markt der Banken nicht vollständig verschwinden, die Art der Finanzdienstleistung wird sich aber wandeln und dies bietet insbesondere für digital-affine Mitarbeiter Chancen.

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Energie: Olaf Geyer

Olaf Geyer (Foto: PR/Advyce)

Gehaltsspanne

Einsteiger: 45.000 bis 65.000 Euro.

Management etwa 45 Jahre alt: 90.000  bis 200.000 Euro.

Die Branche ist fragmentiert durch die großen Versorger gegenüber der Vielzahl kleinerer Stadtwerke. In den Fürhungspositionen sind zunehmend junge Personen ab circa 35 Jahren.

 

Lage der Branche

Die Energiewirtschaft ist glimpflich durch die Covid-19-Pandemie gekommen, steht jedoch mit Ihrem hohen Anteil an Commodities-Geschäft vor erheblichen Herausforderungen. Sinkende Margen im Vertriebsgeschäft durch starken Wettbewerb durch Player wie Tibber, oder Octopus Energy sowie Quereinsteiger aus angrenzenden Branchen wie Wohnungsunternehmen oder Energiedienstleistern. Im Netzgeschäft nimmt der regulatorische Druck auf die Gewinne weiter zu und neue Geschäftsmodelle werden getestet, zeigen aber noch keine nachhaltigen Renditen. Wachstum erreichen nur wenige Bereiche wie zum Beispiel zentrale und dezentrale Wärmeversorgung, erneuerbare Energien und E-Mobilität.

 

Chancen und Risiken

Trotz der Herausforderungen bietet die Energiewirtschat gute Chancen für Neueinsteiger. Durch die zunehmende Digitalisierung und neue Geschäftsfelder entstehen neue Jobprofile und -anforderungen. Gebraucht werden insbesondere Vertriebsexperten für Lösungen wie zum Beispiel E-Mobilty, Photovoltaik, Projektentwickler für Energielösungen und Data Scientists. In Zeiten von Covid-19 ist die Energiewirtschaft wegen der vergleichsweise sicheren und gut bezahlten Arbeitsplätze für Branchenfremde attraktiv geworden

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Büros in der Düsseldorfer City (Foto: C.Tödtmann)

 

Immobilienwirtschaft: Burkhard Wagner

Gehaltsspanne: Die Gehaltsentwicklung in der Immobilienwirtschaft ist im Vergleich zum Vorjahres leicht rückläufig.

Einstiegsgehalt, Akademiker: circa 40.000 Euro, bei Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern rund zehn Prozent mehr.

Management etwa 45 Jahre alt und Spezialisten – wie Investmentmanager: zwischen 100.000 und 160.000 Euro.

 

Lage der Branche

Der Boom der Immobilienwirtschaft wird sich 2021 fortsetzen. Ursachen sind dauerhaft niedrige Zinsen und eine anhaltende hohe Nachfrage nach – bezahlbarem – Wohnraum. Im Gewerbeimmobilienbereich zeichnet sich allerdings durch Corona-bedingt veränderte Büronutzungskonzepte und überwiegend erfolgreich umgesetzte Home-office-Konzepte eine Trendwende ab. Traten Mietkosten zunehmend zugunsten einer Standortstrategie und dem Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeiter in den Hintergrund, so reduzieren nun viele Unternehmen ihre Büroflächen, um Kosten zu sparen mit neuen Arbeitsmodellen mit einem hohen Home-office-Anteil. Bis ein Corona-Impfstoff Wirkung zeigt und ein vergleichsweise risikofreies Reisen wieder möglich ist, gilt auch der Hotel-Immobilienbereich als äußerst angespannt.

Der direktive Eingriff der Politik in die Mietpreisgestaltung – Mietpreisbremse – wird nationale wie internationale Investoren dauerhaft abschrecken.

Die Digitalisierung wird die Branche dabei verändern. Digitale Mietverträge, virtuelle Besichtigungen und eine zunehmende Vernetzung innerhalb der Wohnung  – Stichwort: Smart-Home-Konzepte, die Sicherheit, Komfort und Unterhaltung gleichermaßen berücksichtigen müssen – erfordern neue Kompetenzen und macht die Industrie für digital affine Quereinsteiger, die in Plattform-Ökosystemen denken und technische Fähigkeiten mit neuen Geschäftsmodellen verbinden können weiterhin attraktiv.

 

Chancen und Risiken

Steigende Kosten für Instandhaltung und Bewirtschaftung einerseits und der auch ordnungspolitische Wunsch nach bezahlbarem Wohnraum andererseits erhöhen den Druck auf bestehende Geschäftsmodelle. Wesentliche Innovationstreiber sind hierbei nach wie vor die zahlreichen PropTechs und großen, meist Private-Equity-finanzierten Makler-Plattformen wie ImmoScout24, die sich immer stärker in die Schnittstelle zwischen Mieter und Vermieter schieben und sie dauerhaft besetzen. Weitere Herausforderungen etwa durch autonomes Fahren – und damit dem Wegfall infrastruktureller Vorteile des städtischen Wohnens – sind hierbei noch nicht im Ansatz berücksichtigt.

Energetischer, ökologischer Wohnraum, Smart home und smart Living Konzepte, die Anwendung neuer Technologien wie zum Beispiel Blockchain und 3D-Druck schaffen nicht nur neue Wohnkonzepte, sondern auch die Möglichkeiten, die Wertschöpfungskette nach vorne und hinten zu erweitern.

Für Menschen, die eine eher tradierte und langweilige Branche aufmischen und mit neuen Ideen Zielgruppen ansprechen wollen, ist jetzt ein guter Zeitpunkt, einzusteigen. Die großen Arbeitgeber in der Immobilienwirtschaft bieten attraktive Einstiegs- und Aufstiegschancen. Das Top-Management ist international ausgebildet, kapitalmarkt-affin und baut in den Stäben Nachwuchskräfte auf, die sich rasch entwickeln können und sich entlang der mannigfaltigen Aufgabenstellungen austoben können.  Hierbei sind Quereinsteiger ausdrücklich gewünscht. Die Arbeitszeiten sind vergleichsweise moderat, die Sozialleistungen sind überwiegend als gut zu bezeichnen und die skizierten Herausforderungen sind Garant für ein abwechslungsreiches und spannendes Arbeitsumfeld.

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IT und Telekommunikation: Stefan Pelhak

Stephan Pelhak (Foto: PR/Advyce)

Gehaltsspanne

Einsteiger (Akademiker): 38.000 – 46.000 Euro. Das Gehalt ist bei Telekommunikationsunternehmen etwas höher.

Management etwa 45 Jahre alt: 72.000 – 117.000 Euro, das ist die Spanne vom Infrastruktur-Leiter bis zum Leiter IT.

Lage der Branche

IT und Telekommunikation sind in wichtigen Teilbereichen Profiteure der Krise. Kollaborationstools, Kommunikationsplattformen, der dringende Bedarf nach raschen Plattformlösungen im Handel, gestiegene Anforderungen an die IT-Sicherheit im Home Office sowie remote-Erreichbarkeit haben für einen extremen Nachfrageboom gesorgt. IT-Dienstleister hingegen haben nach wie vor mit Outsourcing-Wettbewerbern zu kämpfen und sind tendenziell zu teuer, auch und gerade in Branchen, die selbst von der Krise gebeutelt wurden und werden.

 

Chancen und Risiken

Der Trend beziehungsweise die Notwendigkeit zum Remote-Arbeiten und digitalen Vertrieb wird auch im kommenden Jahr die Branche weiter beflügeln. Im B-to-B-Sektor wird es aber auch darauf ankommen, wie die jeweilige Zielbranche durch die Krise kommt. Handlungsbedarf und entsprechende Nachfrage wird aber weiterbestehen und eher wachsen mit Blick auf cloud-basierte Lösungen oder die Telekommunikationsinfrastruktur bei Hard- und Software. Insgesamt werden alternative, digitale Geschäftsmodelle in allen Branchen weiter an Bedeutung gewinnen und so die Nachfrage entsprechender Lösungen und Dienstleistungen steigern.

Für Einsteiger und Jobwechsler sind die Aussichten sowohl in der Telekommunikationsbranche als auch bei IT-Dienstleistern oder in IT-Abteilungen exzellent.

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(Foto: C.Tödtmann)

 

Konsumgüter und Handel: Roland Mönikes

Gehaltsspanne

Roland Mönikes (Foto: PR/Advyce)

Einsteiger: 30.000 – 35.000 Euro

Management etwa 45 Jahre alt: 90.000 – 180.000 Euro

 

Lage der Branche

Keine Branche wurde von den Folgen der Covid-19-Pandemie so unterschiedlich betroffen wie Handel und Konsumgüter. Da sind auf der einen Seite die großen Verlierer, deren Geschäft fast ausschließlich stationär lief und somit mit den Lockdowns von einem auf den anderen Tag zum Stillstand kam. Viele Einzelhändler leiden trotz Mehrwertsteuersenkung unter einer eingebrochen Nachfrage der Konsumenten. Auf der anderen Seite gibt es die digitalen Champions, die in Zeiten von Home Office und Home Schooling boomen sowie die Anbieter von Freizeit- und Sportgeräten, wie Fahrradhersteller, die mit ihren Lieferungen kaum hinterherkommen.

 

Chancen und Risiken

Mit dem immens gestiegenen Digitalisierungsdruck, entstehen auch im Handel neue Jobbilder und -chancen. Der stationäre Handel muss neben der Sicherheit für Kunden und Mitarbeiter neue Einkaufserlebnisse schaffen und digitale Kanäle als zweites  Vertriebsstandbein ausbauen.  Einzelhändler, besonders im Lebensmittelbereich, werden für die Zukunft ihre Lieferketten insbesondere mit Blick auf regionale Nähe hin umgestalten. Das gleiche gilt – Stichwort Fleischunternehmer Tönnies – für die Sicherheit in der Produktion.

Die Angebote insgesamt werden in Zukunft nachhaltiger gestaltet sein, Verbraucher haben in dieser Zeit auch ethisch ihre Präferenzen, neben dem Sicherheitsaspekt, überdacht. Der Online-Handel wird weiter boomen, insbesondere in der Plattformökonomie, mit gänzlich neuen Kooperationen und Partnerschaften.

Die Di­gi­ta­li­sie­rung im Han­del verändert auch die in­ter­ne und ex­ter­ne Kom­mu­ni­ka­ti­on, Or­ga­ni­sa­ti­ons­struk­tur und Pro­zess­steue­rung des Sek­tors. Jeder Be­reich der Han­dels­or­ga­ni­sa­ti­onen wird in seiner Funk­ti­ons­fä­hig­keit ent­schei­dend vom Tech­no­lo­gie­ein­satz be­ein­flusst. War die IT frü­her eine in sich ge­schlos­se­ne Ab­tei­lung mit Dienst­leis­tungs­funk­ti­on für das üb­ri­ge Un­ter­neh­men, so ist heu­te eine enge Ver­zah­nung mit al­len Fach­be­rei­chen, ins­be­son­de­re Mar­ke­ting, La­den­bau, Ex­pan­si­on, Lo­gis­tik und E-Com­mer­ce, nötig. In­no­va­ti­on ist da­bei ein wich­ti­ger Wachs­tums­trei­ber und der Ein­satz neu­er Tech­no­lo­gi­en kann ent­schei­dend zum Er­folg ei­nes Han­dels­un­ter­neh­mens bei­tra­gen. An­ge­sichts der fort­schrei­ten­den Di­gi­ta­li­sie­rung sind die The­men Ana­ly­tics und Big Data in fast allen Be­rei­chen der Han­dels­land­schaft von zen­tra­ler Be­deu­tung. Der Han­del ver­fügt hin­sicht­lich der Ana­ly­se von In­for­ma­tio­nen und dem Um­gang mit gro­ßen Da­ten­men­gen über um­fas­sen­de Er­fah­rung, etwa im Rah­men von POS-Da­ten (Point of Sale). Doch auch hier tre­ten Her­aus­for­de­run­gen auf mit großen Karrierechancen für Datanalysts oder digitale Marketing-Profis.

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Maschinen- und Anlagenbau: Frank Hegenbart

Frank Hegenbart (Foto: PR/Advyce)

Gehaltsspanne

Einsteiger: 45.000 Euro (Master), 55.000 Euro (Promotion)

Management etwa 45 Jahre alt: 80.000 bis 90.000 Euro für Teamleiter,

110.000 – 120.000 Euro für Abteilungsleiter

 

Krisenbedingt war die Karriere- und Einkommensentwicklung der Maschinenbaubranchen im Jahr 2020 sehr verhalten. Die Einstiegsgehälter von Ingenieuren blieben stabil, aber die Schere zwischen Konzernen und mittelständischen Unternehmen öffnet sich weiter: Jungingenieure bekommen bei den großen Konzernen  im Schnitt 14 Prozent mehr Einkommen als der Durchschnitt. Der Mittelstand, insbesondere die kleineren Unternehmen liegen im Schnitt acht Prozent unter dem Durchschnitt.

 

Lage der Branche

Wegen Corona zeigt nur China ein moderates Wachstum in den ersten drei Quartalen von vier Prozent laut der amtlichen Statistik. Sowohl die 27 EU-Staaten als auch die USA und Japan lagen im Bereich der Maschinenproduktion sogar knapp unter dem Niveau von 2015. Der Einbruch in Europa fiel dabei mit einem Minus von 14 Prozent dramatischer aus als in den USA mit minus elf Prozent.

Der Covid-19 Schock des Jahres 2020 hat ähnlich wie zu Beginn der Finanzkrise 2008/2009 zu einer Verschiebung notwendiger Investitionen in allen Wirtschaftsbereichen geführt. Zudem verstärkten auch geopolitische Unsicherheiten, wie Brexit und die US-Präsidentschaftswahl die Zurückhaltung. Joe Biden hat als President-elect bereits angekündigt, ein massives Investitionsprogramm für die in Teilen recht marode Infrastruktur der USA aufzulegen. Auch in Deutschland werden 2021 weitere Konjunkturprogramme greifen müssen, um die wirtschaftliche Erholung zu stimulieren. Eine für den Anlagenbau essenzielle Initiative ist die Nationale Wasserstoffstrategie des Bundeswirtschaftsministeriums für die im Rahmen des Konjunkturpakets der Bundesregierung in Summe neun Milliarden Euro bereitgestellt werden. Eine Konjunkturbelebung wird somit mit beschleunigter Umsetzung der Klimaziele verknüpft.

Die Trends und Entwicklungen, die bereits vor dem Krisenjahr 2020 die Branche vor enorme Herausforderungen gestellt haben, bleiben erhalten. Besonders in den Bereichen Digitalisierung und Nachhaltigkeit drängen neue Technologien in die Märkte. Durchgängige Automatisierung, Predictive Maintenance und Vernetzung ganzer Produktionssysteme werden auch künftig die Marktentwicklungen wesentlich beeinflussen. Hier gehen immer mehr Start-up’s an den Start und werden unterstützt von einer sich etablierenden Plattform-Ökonomie im Internet-der-Dinge-Umfeld. Für die etablierten Unternehmen der Branche bedeutet das eine schnell zunehmende Komplexität und damit verbunden die Entwicklung ganz neuer Kompetenzen im Zusammenspiel von klassischen mechanischen Verfahren mit Hard- und Software und den damit entstehenden Ökosystemen.

 

Chancen und Risiken

Klimaschutz und hier besonders die Reduktion von den Klimawandel verursachenden Treibhausgasen sowie Nachhaltigkeit im Sinne von Ressourcenschonung eröffnen Wachstumsfelder: Zum einen in Form von neuen Produktgenerationen aber auch in der Transformation von bestehenden Anlagen und Systemen. Unternehmen, die jetzt bereits die Grundlagen auf diesen Feldern legen, werden mittelfristig von den Trends profitieren. Ebenso werden neue Geschäftsmodelle entstehen, die verstärkt auf Werterhalt und -steigerung von Maschinen und Anlagen über ihren Lebenszyklus abzielen. Wichtig ist, jetzt die dafür notwendigen Voraussetzungen im eigenen Unternehmen und im Zusammenspiel mit Kunden, Lieferanten und Partnern in den Wertschöpfungsketten von morgen zu schaffen.

Die meisten Unternehmen waren mit Einstellungen, vor allem ab April, sehr zurückhaltend. Das wird sich 2021 spätestens im zweiten Quartal bessern.

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Pharmabranche und Gesundheitsmarkt: Roland Mönikes

 

Gehaltsspanne

Einsteiger (Akademiker): zwischen 38.000 Euro und 45.000 Euro Jahresgehalt.

Management etwa 45 Jahre alt: zwischen 120.000 Euro und 160.000 Euro im Jahr.

 

Lage der Branche

Das Gesundheitswesen steht in Zeiten der Pandemie mehr im Fokus denn je. Es wird auch in Zukunft Wachstumsmotor für die Wirtschaft und Jobmotor bei immer höheren Löhnen bleiben. Die Erfordernis eines funktionierenden Gesundheitssystems und die Bereitschaft, dafür den erforderlichen Preis zu bezahlen, wird vor allem durch den Quervergleich mit anderen Ländern, die bereits ihre Belastungsgrenzen erreicht haben, stark unterstützt.

Noch nie zuvor waren die Rufe nach qualifiziertem und gerecht entlohntem Personal vor allem in der Pflegebranche so laut wie heute. Während die Zahl älterer und pflegebedürftiger Menschen stetig steigt, wird in Zeiten von COVID-19 – unterstützt durch die Presseberichte – mehr als deutlich, dass das qualifizierte Pflegepersonal unterbezahlt ist. Die Krankenhauslandschaft in Deutschland beweist in der Krise aber auch, dass sie bereits hohen Auslastungsanforderungen durchaus gewachsen ist. Dennoch gibt es derzeit zu wenig Krankenhäuser mit hohem Spezialisierungsgrad und konzentrierter medizinischer Exzellenz. Die Auswirkungen der Pandemie werden den Prozess der Nutzung digitaler wie innovativer Technologien weiter vorantreiben. Es ist zwar zu erwarten, dass dies zu erhöhten Ausgaben im Gesundheitswesen führt. Ein breiter gesellschaftlicher Konsens über die dahingehende Erforderlichkeit ist wegen der starken Beeinträchtigungen des gesellschaftlichen Lebens durch Corona zu erwarten.

Unternehmen und Organisationen, die es schaffen, mit ihren Angeboten im Bereich der medizinischen Versorgung, deren Zugänglich- und Erschwinglichkeit den Nerv der Zeit bei ihren Kunden zu, werden zu den Gewinnern in diesem Markt gehören.

 

Chancen und Risiken

Das Branchenwachstum ist wegen der alternden Bevölkerung, der weiteren Gesundheitsorientierung der Gesellschaft und aufgrund einer Corona-bedingt anderen Wahrnehmung der Branche ihre gesellschaftliche Relevanz ungebrochen.

Attraktiv bleiben Arbeitgeber für qualifiziertes Gesundheitspersonal, die neben guter Bezahlung auch ein angenehmes Arbeitsumfeld bieten. Die Automatisierung sowie die Digitalisierung werden ihren Teil dazu beitragen. Die Branche erlebt einen Aufschwung. Viele Forschungs- und Fachdisziplinen ist für Arbeitnehmer wie Absolventen zunehmend attraktiv. Junge Talente haben beste Karrierechancen und eine große Auswahl an potentiellen Arbeitgebern, die ihrerseits den wirtschaftlichen Aufschwung nutzen können, um ihren Personalkörper mit sehr gut ausgebildeten Experten zu bereichern.

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(Foto: C.Tödtmann)

 

Transport und Logistik: Frank Hegenbart

Gehaltsspanne

Einsteiger: Logistikdienstleister: 35.000 – 45.000 –

Verladende Industrie und Handel: 45.000 – 60.000

Management etwa 45 Jahre alt: Logistikdienstleister 75.000 – 90.000 –

Verladende Industrie und Handel: 85.000 – 100.000

 

Lage der Branche

Die Coronakrise hat auch die Logistikbranche kräftig durchgeschüttelt. Der Logistikindikator von BVL und Ifo sank binnen Tagen auf das Niveau des Krisenjahres 2009. Da als erstes Land China seine Wirtschaft teilweise stoppte, fuhren auch spürbar weniger Frachtschiffe von den Häfen Chinas in Richtung Europa. Das Resultat war eine Knappheit an Containern in den europäischen Häfen. Mit dem relativ raschen Restart der chinesischen Wirtschaft stabilisierten sich die internationalen Transportketten. Gleichzeitig stieg das Paket- und Kleinsendungsaufkommen bei den KEP-Dienstleistern – das sind Logistik- und Postunternehmen – sowie in den Stückgutnetzwerken getrieben vom boomenden Online Handel. Allein Amazon verzeichnete im ersten Quartal 2020 einen Umsatzanstieg von 26 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

 

Chancen und Risiken

Auch bis weit in das Jahr 2021 hinein wird es Deutschland und vielen Ländern Europas noch zu vielleicht lokalen und von ihrer Dauer her kürzeren Lockdowns kommen, weswegen der Online-Handel und die damit verbundene Vertriebslogistik auf hohem Niveau bleiben werden. Die Mautstatistik des Bundesamt für Güterverkehr liegt allerdings in Summe der bis Ende November ermittelten km-Leistungen um 1,7 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Schon vor der Coronakrise litten die Unternehmen im Straßengüterverkehr in Deutschland und Europaweit unter akutem Fahrermangel. Diese Situation hat sich nicht wesentlich verändert. Mit einer zunehmenden Belebung des gesellschaftlichen Lebens und vor allem der wirtschaftlichen Erholung wird auch der Mangel an qualifizierten Berufskraftfahrern wieder stärker spürbar werden. Daneben plant die Deutsche Bahn eine wahre Güterverkehrsoffensive. DB Cargo-Vorstandsvorsitzende Sigrid Nikutta stellt die Weichen auf Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit.

Klimaschutz und Digitalisierung sind die großen Zukunftsfelder der Logistikbranche egal mit welchen Verkehrsträgern die Waren weltweit unterwegs sind. Somit bleiben IT- und Technologiespezialisten sehr gefragt, vor allem bei Soft- und Hardwareanbietern, die auf Logistik- und Supply-Chain-Lösungen spezialisiert sind. Aber auch bei den Speditionen und Flottenbetreibern zeichnen sich teils gravierende Veränderungen ab: Daimler und MAN haben im Herbst 2020 ihre jeweilige Strategie für den ‚Zero-Emission-Transport‘ vorgestellt. Dabei setzen beide auf eine Kombination von emissionsfreien Antrieben. Für den Güterfernverkehr zeichnet sich Wasserstoff als der geeignetste Energieträger ab. Die Welt der Fahrzeuge wird aber diversifizierter in der Nach-Diesel-Ära. Das bedeutet, dass zukünftig die Fahrzeugeinsätze noch besser geplant und disponiert werden müssen. Das könnte ein weiteres Feld für den Einsatz künstlicher Intelligenz werden.

Für Einsteiger heißt das: Digitale Kompetenzen beschleunigen die Karriere extrem. Erfahrungen oder Spezialkenntnisse in Sachen Nachhaltigkeit beziehungsweise Emissionsschutz sind weitere Karrierebooster.

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Versicherungen: Karl-Friedrich Raible

Gehaltsspanne

Karl-Friedrich Raible (Foto: PR/Advyce)

Einsteiger: 40.000 – 60.000 Euro

Management etwa 45 Jahre alt: 150.000  für Abteilungsleiter – 300.000 Euro für Hauptabteilungs- /Bereichsleiter

 

Lage der Branche

Die Versicherungsbranche zeigt ein heterogenes Bild. Die anhaltende Niedrigzinsphase trennt die Spreu vom Weizen. In der Lebensversicherung kämpfen einzelne Versicherer, um die zugesagten Zinsgarantien erfüllen zu können. Wir beobachten erste Run-Offs. In der Sachversicherung geht der Kampf um den Kunden unvermindert weiter. InsurTechs versuchen mit attraktiven Lösungen die Kundenschnittstelle zu besetzen. Allerdings sehe ich bislang nicht den großen Durchbruch, sondern immer mehr Start-ups flüchten sich unter die Fittiche der etablierten Versicherer. Generell erwarte ich eine zunehmende Konzentration der Branche.

IT und Kundenzugang sind die großen Themen. Die zunehmende Digitalisierung wird zu einer weiteren Automatisierung und Standardisierung der Prozesse führen. Die Versicherer machen erste Schritte in Richtung Künstlicher Intelligenz, die zum Beispiel  die Kundenansprache – Stichwort Customer Journey – revolutionieren könnten. Dies bedeutet einerseits einen hohen Investitionsbedarf in die IT, andererseits ein Umdenken der etablierten Abläufe. Zum anderen sehe ich eine zunehmende Individualisierung des Kundenzugangs. Vertreter und Makler werden durch Direktversicherer, Vergleichsportale, Apps undsoweiter in die Zange genommen. Um so wichtiger ist das Standing der jeweiligen Versicherer-Marke.

 

Chancen und Risiken

Versicherungen werden weiterhin ein integraler Bestandteil unserer Wirtschaft sein. Sowohl im Firmenkundengeschäft bedarf es passgenauer Deckungskonzepte (Stichworte: Cyber) als auch im Privatkundengeschäft, wo Kunden flexible, leicht verständliche Deckungskonzepte gerne auch auf App-Basis erwarten. Neue Anlageprodukte und Deckungskonzepte werden den Markt aufmischen, der Wettbewerb wird eher zunehmen. Dies bietet Chancen für flexible, neugierige und agile Mitarbeiter.

Die Versicherungswirtschaft ist weiterhin attraktiv für vertriebsaffine Kundenberater. Sie bietet Chancen in Bereich der digitalen Transformation, also für IT-Spezialisten und Projektmanager.

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Wissenschaft und Bildung: Aurel v. Bassewitz

Gehaltsspanne

Aurel v. Bassewitz Foto: PR/Advyce)

Einsteiger: 45.000 Euro

Management etwa 45 Jahre alt: 150.000

 

Lage der Branche

Die Hightech-Strategie 2025 des Bundes setzt ihre Forschungsschwerpunkte in drei strategischen Feldern:

1. Die Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen,

2. Die Förderung einer offenen Innovations- und Wagniskultur sowie

3. der Ausbau von Deutschlands Zukunftskompetenzen. Dazu sollen die Ausgaben für Forschung bis 2025 auf 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen – derzeit liegt der Anteil bei etwas über 3,1 Prozent. Der Bund legt mit etlichen Forschungsinitiativen die Grundlage für den Ausbau wesentlicher Schlüsseltechnologien in nationalen Forschungseinrichtungen und setzt Impulse für Innovationsanstrengungen in der Wirtschaft. Insgesamt werden über 100 Milliarden Euro jährlich in Forschung und Entwicklung investiert. Dabei fallen rund 30 Prozent auf Non-Profit Organisationen und Institute und 70 Prozent werden in den Sektoren der Wirtschaft investiert.

In den deutschen Forschungs- und Entwicklungsabteilungen arbeiten über 450.000 Fachkräfte, dazu kommen weitere 170.000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an Hochschulen und Forschungseinrichtungen.

Es ist essentiell, eine leistungsfähige wissenschaftliche Basis zu haben. Insbesondere bei komplexen gesellschaftlichen Herausforderungen ist der wissenschaftliche Rat  wichtiger denn je. Die herausragende Position Deutschlands in der internationalen Forschungs-Community wurde mit der schnellen Entwicklung eines Sars-Cov-2 Vaccines erneut unter Beweis gestellt.

 

Chancen und Risiken

Deutschland droht den Anschluss im Hi-Performance-Computing zu verlieren und steht auf Platz fünf nach China, den USA, Japan und Frankreich. Dies ist insofern aufschlussreich, als dass im Zeitalter der Digitalisierung und der Software-basierten Entwicklung komplexe Fragestellungen zunehmend im virtuellen Raum gelöst werden. Auch in der Forschung um die vielzitierte Quantenüberlegenheit muss der Forschungsstandort Deutschland dringend Boden gutmachen.

Im weiten Feld der Nachhaltigkeitsforschung galt Deutschland lange als Musterknabe. Auch hier muss die Innovations-Intensität gestärkt werden. Nur dann kann Deutschland wieder eine Spitzenposition in grünen Technologien einnehmen.

Eine der größten Chancen in diesen Tagen liegt in der Entwicklung von digitalen Lernformaten im Bildungsbereich. Die bisherigen Konzepte von Präsenzunterricht und der Bildungshoheit an Schulen müssen infrage gestellt werden und konsequent weiterentwickelt werden. Dann wird Deutschland auch weiterhin exzellente Persönlichkeiten in Wissenschaft und Forschung hervorbringen. Wer keine langfristigen

Arbeitsverträge erwartet oder braucht, kann die Branche zudem als hervorragendes Absprungbrett in die Wirtschaft nutzen, insbesondere aufgrund der Datengetriebenheit bei Entscheidungen. Experten werden hier händeringend gesucht. Auch bietet der notwendige Ausbau des Bildungssystems und sukzessive Digitalisierung in Verbindung mit attraktiven Standorten neue Karrierechancen – Corona hat die erheblichen Defizite hier schonungslos offen gelegt.

 

 

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