Der neue Büroalltag mit Schichtplänen und Trainings für Führungskräfte, die sich mehr um Bedürfnisse der Mitarbeiter kümmern müssen. Gastbeitrag von Randstad-CEO Richard Jager

  1. Bedeutet Corona das Ende des Großraumbüros? Nicht, wenn Arbeitsplätze sicher organisiert werden, glaubt Randstad-CEO Richard Jager. (Gastbeitrag)

 

Richard Jager (Foto: PR)

 

 

Arbeiten mit Corona: Die neue Normalität

Das neue Arbeitsleben mit Corona wirft jede Menge Fragen auf und ist doch geprägt von der Hoffnung, wieder zur alten Normalität zurückzukehren. Es hat sich gezeigt, dass dauerhafte Home-office-Lösungen nicht zwingend eine vernünftige Work-Life-Balance fördern. Das totale dauerhafte Verschmelzen von Arbeit und Freizeit ist nicht erstrebenswert.

 

Wenn die schöne bunte Video-Schalte-Welt aufs Gemüt schlägt

Die anfangs schöne, bunte Welt der Videoschalten schlägt mittlerweile immer mehr Arbeitnehmern aufs Gemüt. Oft fehlt den Menschen der soziale Austausch, die Empathie, die Nähe. Doch welche Risiken birgt die Rückkehr an den Arbeitsplatz, vor allem in größeren Büros? Da gibt es einen Versuch, der das Großraumbüros als Hotspot der Virenverbreitung zeigt. Und in der Produktion sowie an Theken und Tresen erleben Plexiglaswände eine ungeahnte Renaissance, um zu trennen was eigentlich zusammengehört. Das ist die neue Normalität, nur: Wie lässt sich Arbeit so organisieren, dass daraus Sicherheit entsteht?

 

Was nötig ist: Flexibilität und traditionelles Arbeitsverständnis

Die Antwort ist denkbar einfach: Wir brauchen die sinnvolle Verbindung von Flexibilität und traditionellem Arbeitsverständnis. Es gilt einerseits, Distanz zu schaffen, und andererseits, anhand der Teamstrukturen und Hygienesysteme Ansteckungsrisiken zu minimieren. Das Regeln von Anfahrten für Mitarbeiter, Zugangsbeschränkungen; Belegungspläne und maximale Aufenthaltszeiten im Betrieb helfen, Belegschaften zu entzerren.

Flexible Arbeitszeiten und die Einführung von Schichtsystemen helfen beim Separieren. Und großflächige Büros könnten dafür den richtigen Rahmen schaffen, vorausgesetzt das Raumkonzept stimmt.

 

Gegen Infektionsgefahr im Großraumbüro: Schichtpläne, Belüftungssysteme und Raumteiler 

Denn die Zeiten, in denen möglichst viele Menschen gleichzeitig und eng an eng in einem großen Raum arbeiten, sind vorerst vorbei – wenn sie es nicht schon längst waren. Es stellt sich also die Frage, wie beispielsweise die oft ungeliebten Großraumbüros so umgestaltet werden, dass Arbeitssicherheit unter Corona-Gesichtspunkten gewährleistet ist.

Schließlich bieten große Büros – besser großzügige Räumlichkeiten – überhaupt erst die Möglichkeit, Arbeitsplätze sinnvoll zu entzerren. Im Büro sollten im Optimalfall genau jene Teams arbeiten, die in dem Moment auch wirklich vor Ort gebraucht werden. Entzerrung lautet das Stichwort. Das gilt sowohl für die Arbeitszeit als auch den Arbeitsplatz. Ein Schichtplan regelt die Anwesenheit von Mitarbeitern im Home-Office und im Büro.

Rückzugsräume ermöglichen individuelles, konzentriertes Arbeiten. Parzellierung größerer Flächen durch Raumteiler ist eine Lösung, allerdings nur, wenn die Lüftungssysteme dem angepasst werden. Über allem steht das Prinzip der flexiblen Organisation der Anwesenheit von Mitarbeitern.

Feste Teams gilt es flexibel einzuteilen, um so im Falle einer Infektion oder bei Verdacht darauf, wirkungsvoll Infektionsrisiken und Übersprünge auf die Gesamtbelegschaft zu verhindern. „Zurück in die Zukunft“ lautet das Motto in Corona-Zeiten. Das heißt eben nicht, dass alles virtuell, im luftleeren sozialen Raum von Chats und Calls ablaufen muss, sondern flexibel, an die jeweiligen Anforderungen und Möglichkeiten von Unternehmen angepasst. Es braucht kreative Lösungen – und ein entsprechendes Verständnis bei Führungskräften.

 

Produktivitätsfaktor mentale Gesundheit

Führungskräfte sind bei der Arbeitsorganisation gefordert. Und sie sind ein wichtiger Schlüssel zum Zusammenhalt von Belegschaften in der Krise. Schließlich ist die mentale Gesundheit ein wichtiger Bestandteil des Arbeitens in Corona-Zeiten. Und während schon 40 Prozent der Mitarbeiter weltweit vor Corona sagten, sie leiden unter arbeitsbedingtem Stress (Randstad Studie Sustainability@Work 2020), so wird dieser Druck in Zukunft weiter steigen. Psychisches Wohlbefinden der Angestellten ist deshalb wichtiger denn je.

 

Ein gutes Arbeitsklima braucht allerdings eine gute Führungskultur. Und es braucht Führungskräfte mit sozialem Gespür und Einfühlungsvermögen, die gezielt den Austausch mit ihren Mitarbeitern suchen. Ihre Aufgabe ist es, sich um die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter stärker zu kümmern und ein Arbeitsklima zu schaffen, in dem sie sich sicher und wertgeschätzt fühlen. Das ist das Gebot der Stunde. Für manchen Manager sind all diese Anforderungen nicht leicht umzusetzen. Umso wichtiger ist es, als Unternehmen einen Gesamtplan zu entwickeln, damit die Mitarbeiter erfolgreich aus dem Lockdown zurückkommen. Trainings für Führungskräfte und Belegschaft gehören dazu. Auch, um individuell zu klären, wie sie Nähe schaffen können, obwohl Distanz geboten ist. Unsere Erfahrung aus den vergangenen drei Monaten mit Unternehmen, die solche Gesamtpläne bereits erfolgreich umsetzen, zeigen jedoch, dass das neue alte Arbeitsleben trotz Corona sicher gestaltet werden kann.

 

 

 

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