Buchauszug Tom Sadowski: „App Store Confidential. Ein persönlicher Blick hinter die Kulissen von Apples wichtigstem Business“

Buchauszug Tom Sadowski: „App Store Confidential. Ein persönlicher Blick hinter die Kulissen von Apples wichtigstem Business“

 

Tom Sadowski (Foto: PR)

 

Die drei P: Product, People, Passion

Ich habe im Studium noch gelernt, dass es im Marketingmix von Produkten die vier P gibt: Product, Price, Place, Promotion. So wäre das iPhone eines der technologisch
führenden Smartphones (Product), das im Hochpreissegment angesiedelt ist (Price), über Preferred Reseller und eigene Stores vertrieben wird (Place) und über eine
Vielzahl von Kommunikationskanälen, unter anderem TV-Werbung, beworben wird (Promotion).

Der App Store hat aber die Regeln von Vermarktung und Distribution digitaler Produkte (Apps) komplett neu geschrieben. Und sie ändern sich dazu ständig. Waren bis 2013 noch Premium-Apps (einmal zahlen, immer nutzen) die meistverkauften Apps im App Store, wurde schon 2017 der meiste Umsatz mit kostenlosen Apps und In-App-Purchase gemacht. Heute ist das Abomodell für Apps nicht nur das größte, sondern auch das am schnellsten wachsende Geschäftsmodell. Aber dazu später mehr.

Für erfolgreiche App-Unternehmen bedeutet das: Sie müssen in der Lage sein, ihr Geschäft an diese sich ständig ändernden Rahmenbedingungen anzupassen. Und
am besten gelingt das nach meiner Erfahrung Entwicklern, die folgende Bereiche beherrschen. Ich nenne sie die drei P:

Product

Im App Store gibt es knapp zwei Millionen Apps15, und die nächste App ist immer nur einen Tab entfernt. Dazu gibt es Rezensionen, Influencer und Blogs, kurz: Überfluss
und Transparenz. Während vor zehn Jahren noch „Ok-Software“ durch ein entsprechendes Push-Marketing und mangelnde Transparenz ihre Abnehmer fand, hat sich das heute total gewandelt. Für abobasierte Apps kommt es heutzutage im Kern auf zwei Dinge an: Ist die App so gut (und besser als die der Wettbewerber), dass sie das
Leben der Nutzer bereichert, und sind die Nutzer bereit, Geld dafür zu bezahlen? Nur wenn beide Bedingungen erfüllt sind, kann die App langfristig erfolgreich sein. Wenn
nicht, würde ich die Finger davon lassen. Von dieser Regel ausnehmen möchte ich Apps, die über Werbung oder außerhalb des App Stores monetarisieren.

 

People

Um so eine App zu entwickeln und erfolgreich zu vermarkten, bedarf es eines absoluten Rockstar-Teams. Ich würde sogar sagen, dass das Team wichtiger ist als die eigentliche Produktidee oder App, für die es steht. Denn nur wenn das Team in der Lage ist, die Wünsche der Kunden zu erkennen, umzusetzen und das Produkt dementsprechend ständig weiterzuentwickeln, wird es am Ende die beste App für den entsprechenden Use Case sein. Dazu gehört auch, zum richtigen Zeitpunkt den Stecker zu ziehen, umzudenken und den Mut zu haben, eine komplett neue Richtung einzuschlagen. Hierzu haben die wenigsten Teams die Kompetenz, den Mut und die Ausdauer. Teams, die das können, sind am Ende meist erfolgreich.

Wie so häufig gibt es auch hier keine magische Formel, aber nach meiner Erfahrung gehören folgende Persönlichkeiten in ein Gründer- oder zumindest ins Managementteam:

 

Der Kundenversteher

Jemand der User Interface Design versteht und das Produkt konsequent auf den Kundennutzen hin optimiert. Und das vom Onboarding bis zur Abokündigung.
Gute Apps sind nicht überladen, sondern fokussieren auf das, was der Nutzer von ihnen erwartet. Sie sind intuitiv in der Bedienung sowie gefällig und modern im Design. Der Kundenversteher muss in der Lage sein, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen, um damit den Programmierern und den Nutzern Zeit zu sparen.

 

Der Programmierer

Jemand, der das technische Front- und Backend versteht und von vorneherein effizient, flexibel und in die Zukunft gerichtet bauen kann. Er sollte über ausreichend Programmiererfahrung in Swift verfügen und am besten bereits ein paar Apps programmiert haben. Ich habe selten herausragende Apps von ganz neuen Programmierern gesehen.

 

Der Verkäufer

Jemand, der nicht nur das Produkt, sondern auch die Vision optimal nach außen verkaufen und andere inspirieren kann. Er muss verstehen, wann man mit wem wie
sprechen muss, um andere für die Sache zu gewinnen. Im Idealfall verfügt sie oder er bereits über ein großes Netzwerk. Ich habe es noch nie erlebt, dass ein Gründer alle drei Bereiche beherrscht – manchmal zwei –, und würde daher dringend dazu raten, zunächst das Team zu komplettieren, bevor es richtig losgeht.

 

Passion

Wenn eine gute App von einem guten Team „gebaut“ wird, dann fehlt nach meiner Erfahrung noch ein i-Tüpfelchen, ohne das es nicht geht. Ich nenne es, damit es in die
Drei-P-Alliteration passt: Passion. Ich hatte die letzten fünf Jahre über 1000 Meetings mit Gründern und App-Entwicklern. Einige kann man nach fünf Minuten abbrechen, einige sind gut, aber werfen viele Fragen auf. Aber die besten Meetings sind die, wo
Produktidee, Gründerteam und Leidenschaft miteinander  verschmelzen. Wo die Gründer für ihr Produkt merklich brennen und bereit sind, dafür einmal um die Welt zu gehen. Wo hinter der Kompetenz auch noch eine glaubwürdige Mission und ein fühlbarer Drive stehen.

Niemand möchte seine Zeit oder sein Geld verschwenden. Wenn die Gründer aber den Eindruck vermitteln, ohne Wenn und Aber für ihr Produkt einzustehen, verringert das ungemein das persönlich empfundene Risiko. Wenn noch dazu der Gründer durch Sympathie und Authentizität punkten kann und die App einen gesellschaftlichen Nutzen
verspricht, dann möchtest du das Projekt unterstützen.
Also, liebe App-Entwickler da draußen: Checkt mal euer Gründer- und Managementteam.

„ Habt ihr den Kundenversteher, den Programmierer und den Verkäufer bereits an Bord?

„ Könnt ihr eine App bauen, die das Leben eurer Nutzer bereichert?

„ Gibt es dafür eine zahlungswillige Zielgruppe, und ist diese groß genug?

„ Und zuletzt: Brennt ihr für das, was ihr tut? Oder kann zumindest einer im Team diese Leidenschaft auf andere (Investoren, Partner, Kunden) übertragen?

Wenn ihr diese Fragen wirklich mit einem klaren Ja beantworten könnt und ambitionierte Pläne habt, dann würde ich gerne mehr über eure App erfahren.

15 https://www.statista.com/statistics/276623/number-of-appsavailable-in-leading-app-stores/

 

 

„App Store Confidential. Ein persönlicher Blick hinter die Kulissen von Apples wichtigstem Business“ – 184 Seiten, 18 Euro, Murmann Verlag, https://shop.murmann-verlag.de/de/item/tom-sadowski-app-store-confidential

 

 

 

 

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