Ein pragmatischer Vorschlag, wie man genau jetzt den kleinen Läden, Restaurants undsoweiter in der Corona-Krise helfen muss von Alexander Rittweger (Gastbeitrag)

Alexander Rittweger, Ex-Unternehmensberater bei Roland Berger, Erfinder und Gründer von Payback, wartet mit einem dringenden Vorschlag auf: Wie den Einzelhändlern, Bäckern und all den Selbständigen, die das Coronavirus jetzt in Existenznot bringt, geholfen werden kann:

Alexander Rittweger (Foto: Privat)

„Ich habe eine Scheissangst“, sagt der Hannoveraner Bäcker Gerhard Bosselmann und macht uns in seiner kurzen Video klar, was für ein Riesendrama sich gerade nicht nur für Bäcker, sonder ganz viele Händler, Restaurantbeseitzer undsoweiter abspielt. Sie müssen um ihre Existenz bangen. Und das geht uns alle etwas an.
Der Coronavirus greift nämlich den Nukleus der kapitalistischen Idee an: Die Ausgaben des einen sind das Einkommen des anderen. Wir kaufen Dinge, die wir brauchen und geben das Geld denjenigen Leuten, die sie produziert haben. Diese wiederum kaufen damit die Dinge, die sie benötigen oder sich wünschen und so weiter…
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Und diese Maschinerie kommt gerade zum Stillstand. Auf unbestimmte Zeit. Die Einnahmen brechen den Mittelständlern ratzfatz weg, Aus heiterem Himmel mit Folgen, die nicht jeder außer ihnen ermessen kann. Restaurantbesitzer können die Miete nicht mehr zahlen, ihre Leasingraten, Einzelhändler ihre Lieferanten undsoweiter.
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Und das ist erst der Anfang. Danach trifft es die Produzenten, die auf Offline-Absatzkanäle angewiesen sind, die Immobilienbesitzer, die Banken.
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Getroffen sind alle: Große Firmen wie kleine. Nur, die kleinen Firmen haben eine deutlich geringere Kapitaldecke als die großen. Sie brauchen sofort Hilfe.
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Nun hat die Bundesregierung jetzt gerade etwas richtig gemacht und insgesamt 350 Milliarden Euro an Hilfe unter anderem für Unternehmen bereitgestellt.
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Die schnelle Verteilung dieser Mittel aber bleibt ein Riesenproblem und genau darauf kommt es jetzt an: Wie kommt diese Hilfe in den nächsten ein bis zwei Wochen zu all den kleinen Unternehmen? Wer managed die  Auszahlung und wie? Dazu gibt es bisher keine vielversprechenden Details.
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Die Lösung
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Es gäbe aber eine einfache Lösung: Man nutzt sofort die bestehende Infrastruktur – die Drähte der Banken und ihre Beziehungen zu all diesen Unternehmen. Die Banken kennen diese Firmen und wissen, was sie benötigen. Um es ganz simpel zu handhaben, könnte man auch einfach sechs Monate Betriebsausgaben – die Banken kennen auch diese Zahl – als zinslosen Kredit vergeben. Schnell und unkompliziert. Für fünf Jahre, das erste Jahr davon tilgungsfrei.
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Der Staat könnte den Banken eine Gebühr für diese Leistung bezahlen und würde diese damit auch noch stützen.
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Und er könnte über einen Ausbau dieses Programms, Streckung der Rückzahlungszeiträume, Reduzierung des zurück zu zahlenden Betrages auf unter 100 Prozent über das gleiche Instrument weiter dynamisch auf die Situation einwirken.
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Diese Idee hat eine Menge Vorteile: sie ist unbürokratisch, bringt das Geld schnell dahin, wo es am dringendsten gebraucht wird und kann zu einem späteren Zeitpunkt, je nach Lage, noch modifiziert werden. Sie ist also auch flexibel.
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Und ich frage mich, warum keiner darüber nachdenkt. Sondern das Geld über die KfW oder sonstige staatliche Stellen verteilt werden soll. So, wie es aller Voraussicht nach zu spät ankommen wird.
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Der Schaden dieses Vorgehens? Jedes Unternehmen, auch das kleinste kann man mit einem Uhrwerk vergleichen. Es ist aufgebaut aus verschiedenen Zahnrädern, die ineinander greifen. Und wenn jetzt hunderttausende dieser Unternehmen Pleite gehen, liegen Millionen dieser Zahnräder auf dem Boden. Und keiner kann diese Uhrwerke wieder zusammensetzen. Mit dramatischen Folgen für unsere Wirtschaft und unser Zusammenleben.
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Darum: Das viele Geld zu verteilen ist die richtige Maßnahme. Aber es muss jetzt auf dem richtigen, schnellen und deshalb am besten schon bestehenden Weg an die die Unternehmen gelangen. Und nur dann lohnt sich der enorme Aufwand.
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Appell: Weiterleiten, bitte
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Wenn Sie dies lesen und sie sitzen an einer Schaltstelle in unserem Land oder sie kennen jemanden der dort sitzt, bitte denken Sie darüber nach und/oder leiten es weiter. Ich bin überzeugt es wäre der richtige Schritt für uns alle.
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Zur Person: Alexander Rittweger betätigt sich derzeit in den USA als Co-Founder von AppCard Inc, NY – ein digitales Edeka für unabhängige amerikanische Lebensmittelhändler, das ihnen hilft, gegen die Großen und Amazon zu bestehen – sowie Aloha Inc, NY, ein Unternehmen das pflanzenbasierte Bio-Lebensmittel in USA herstellt und vertreibt. Zudem arbeitet er mit an einem Unicef-Projekt mit der kenianischen Regierung namens Code in Kenia. Dessen Ziel: In jedem Jahrgang 50.000 kenianischen Kindern das Programmieren beizubringen und sie so aus der Armut zu holen.
Hier geht´s zum Video von Bäckereiinhaber Gerhard Bosselmann: 

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Alle Kommentare [3]

  1. Ich finde es gut, wenn neue Ideen entstehen – denn nur so kann ein Weg erarbeitet werden, dem Ziel (Sicherung von Unternehmen und Arbeitsplätzen) näher zu kommen. Dabei sind unkonventionelle Beiträge sehr erwünscht, denn wir stehen alle vor einer Situation, die neu ist.

  2. Der Vorschlag/ Weg erscheint auf den ersten Blick plausibel mit weiteren Steuermöglichkeiten. problematisch wird wohl die Umsetzung bei den Banken! Haben die noch die erforderlichen Kapazitäten/ Strukturen?