Unternehmen bekommen immer häufiger Absagen von Jobbewerbern, wenn´s konkret wird: Inzwischen von jedem fünften Kandidat

Dann entscheidet sich ein Unternehmen nach mehreren Terminen und mehreren Auswahlrunden für einen Kandidaten und was passiert? Er lehnt ab. Schnöde. In Deutschland ein immer häufigeres Phänomen. In gut jedem fünften Fall erleben das Unternehmen, wenn sie jemanden einstellen wollen, sie bekommen eine Abfuhr. Die ob-Plattform Glassdoor hat fünf Länder verglichen. Das Ergebnis: Deutsche Stellenbewerber sagen in 22 Prozent der Fälle ab und liegen damit  an erster Stelle, an zweiter sind die USA mit 17 Prozent gefolgt von Frankreich, Kanada und Großbritannien mit 16 Prozent. Anteil der abgelehnten Jobangebote nach Ländern:

 

In welchem Land die meisten Stellenangebote von Kandidaten in den Wind geschlagen werden:

Deutschland: 21,7%
USA: 17,3%
Frankreich: 16,5%
Kanada: 16,2%
Grobritannien: 15,7%

Damit sind die Ablehnungen in neun Jahren in Deutschland um mehr als drei Prozentpunkte gestiegen.

 

Anteil der abgelehnten Jobangebote in Deutschland von 2011 bis 2019 laut Glassdoor:

2011: 18,3%
2012: 18,6%
2013: 18,8%
2014: 16,4%
2015: 16,5%
2016: 21,0%
2017: 19,6%
2018: 22,8%
2019: 21,7%

 

Besonders ärgerlich für deutsche Unternehmen laut Glassdoor: Dass die Absage erst dann kommt,wenn alle Bewerbungsrunden durchlaufen sind und somit die Company bereits viel Zeit und Arbeit investiert hat. Was übrigens auch für Bewerber gilt, die hunderte von Bewerbungen schreiben müssen, aber deren Aufwand stets unbeachtet bleibt.

Die Folge: Nach einer Kandidaten-Absage müssen sich Unternehmen für die Nummer zwei oder drei entscheiden oder – der Gau – den ganzen Such- und Auswahlprozess noch einmal von vorne beginnen. Ganz abgesehen davon, dass sich auch die Nummer zwei und drei durchaus bewähren oder sogar  für positive Überraschung sorgen können. Aber jedenfalls kein Unglück darstellen.

Fest steht laut Glassdoor: Je schwieriger der Bewerbungsprozess war, desto wahrscheinlicher eine Zusage. Das dürfte auch erklärbar sein: Wer fünf verschiedene Vorstellungsgespräche mit fünf Terminen erduldet oder sogar 14, wie Lars Lehne über seinen Start bei Google in der Top-Ebene hier im Management-Blog berichtete, der muss schon eine sehr starke Affinität zu gerade dem Arbeitgeber haben.

Wer dagegen die Wahl hat zwischen mehreren attraktiven Stellen – das sind laut Umfrage die sogenannten Millennials und Kandidaten der Generation Z.

Ob der Tipp, den Bewerbungsprozess zu verkomplizieren allerdings der Hit ist, dürfte fraglich sein. Wenn die Deutsche Bahn bei Lehrlingen schon auf das Anschreiben verzichtet, um es den jungen Leuten jedenfalls leichter zu machen und andere Unternehmen nur noch die Vita sehen wollen, bringen die sicher auch mehr Menschen erst auf die Idee zu wechseln. Und die können ja aus Unternehmenssicht durchaus attraktiv sein, aber gar nicht unbedingt auf der Suche und abtrünnig.

Zur Methode: Insgesamt wurden mehr als 800.000 Bewertungen von Vorstellungsgesprächen analysiert, davon rund 10.000 aus Deutschland, die zwischen Januar 2008 und November 2019 abgegeben wurden.

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