Gastkommentar CNN-Anchor und Korrespondentin Robyn Curnow: Mit der Gleichstellung von Frauen ist´s auch in den USA nicht weit her

In den USA ist es mit dem Thema Gleichstellung in Wirklichkeit gar nicht so weit her, moniert CNN-Anchor und Korrespondentin Robyn Curnow im Gastkommentar exklusiv für den Management-Blog. Die Arbeitsbedingungen für Mütter sind hart, die Sterblichkeitsquote junger Mütter steigt – und fürs Präsidentenamt wurde auch keine Frau nominiert.

 

Robyn Curnow (Foto: CNN International)

 

Ein Arbeitsplatz in den USA bleibt jenseits der gläsernen Decke

Unabhängig davon, ob Donald Trump die US-Präsidentschaftswahlen im November gewinnt, wird eine beständige Konstante der US-Politik aufrechterhalten bleiben: Nachdem die entscheidenden Frauen aus dem Rennen um die Nominierung als demokratische Präsidentschaftskandidatin ausgeschieden sind und nur Joe Biden und Bernie Sanders als realistische Optionen übrig bleiben, wird im Jahr 2021 wieder ein Mann im Oval Office sitzen.

 

Die USA hinken hinterher

Für ein Land, das sich seiner einzigartigen, außergewöhnlichen Stellung in der Welt rühmt – als Leuchtturm des Vorwärtsdenkens sozusagen – ist dies ein seltsamer Anachronismus. Beinahe 60 Länder – von Sri Lanka im Jahr 1960, über Indien, Israel, Argentinien, Senegal, Mosambik, Kanada, Kroatien, Jamaika, Mali bis hin zu Namibia – haben die Vereinigten Staaten in der Erreichung dieses Meilensteins der weiblichen Führung hinter sich gelassen. 41 Jahre nachdem Großbritannien Margaret Thatcher zur Premierministerin gewählt hat, sind die Vereinigten Staaten der Wahl einer weiblichen Präsidentin nicht nähergekommen.

Mag dies für die Amerikaner zwar eine vertraute Sensation sein, so ist das Fehlen einer weiblichen Spitzenkandidatin diesmal bemerkenswerter als sonst. Bei den US-Zwischenwahlen im Jahr 2018 wurde ein ganzer Schwung von starken Kandidatinnen in den Kongress gewählt. 235 Frauen gewannen in diesem Jahr die Nominierungen für das Repräsentantenhaus, ein enormer Anstieg gegenüber den 167 Frauen im Jahr 2016. Im Senat entschieden 22 Frauen die Vorwahlen für sich und übertrafen damit den Rekord von 18 Frauen im Jahr 2012. Für das Amt des Gouverneurs gewannen 16 Frauen die Wahlen in ihrem jeweiligen Bundesstaat, im Vergleich zum bisherigen Rekord von zehn Frauen.

 

Trotz Fortschritte: Sexismus und mangelnde Vielfalt in der Politik

Die Demokraten wurden durch energische Wählerinnen beflügelt, von denen viele durch die Trump-Präsidentschaft, die #MeToo-Bewegung und eine stärkere Organisation durch Aktivistengruppen zum Handeln angespornt wurden. In Alabama meldeten sich scharenweise afroamerikanische Frauen, um dem umstrittenen Kandidaten Roy Moore einen Sitz im Senat zu verwehren. Aber sie alle werden noch länger auf eine Präsidentschaftskandidatin warten müssen. Elizabeth Warren beklagte bei ihrem Ausstieg in der vergangenen Woche den Sexismus, der der Politik innewohnt, und auch einige Republikaner haben ihre eigene Besorgnis über die mangelnde Vielfalt innerhalb ihrer Partei zum Ausdruck gebracht.

Auch Frauenthemen sind hier ein wichtiger Punkt in der Wahldebatte. Die Debatte über Abtreibung ist hinlänglich bekannt, aber auch andere Themen wie die Sicherheit von Müttern haben in jüngster Zeit an Bedeutung gewonnen – Amerika ist das einzige entwickelte Land der Welt mit einer steigenden Sterblichkeitsrate für schwangere oder frischgebackene Mütter.

 

Von Hürden am Arbeitsplatz und unerfüllten Träumen

An anderer Stelle gestaltet sich der Fortschritt für Frauen in Amerikas Vorstandsetagen weiterhin frustrierend schwerfällig. Der Mutterschafts- und Vaterschaftsurlaub gehört nach wie vor zu den kürzesten der Welt. Erschwingliche Kinderbetreuung ist schwer zu bekommen. Umfragen zeigen immer wieder, dass Frauen aus den Vorstädten im November die wichtigste demographische Gruppe für einen Umschwung sein könnten.

Meine Töchter haben zwei Barbie-Puppen, die als Paar verkauft werden und jeweils eine Präsidentschafts- und Vizepräsidentschaftskandidatin verkörpern. Und sie sehen aus, als meinten sie es ernst – gekleidet sind sie in Bleistiftröcke und Jacketts, sie tragen Perlenketten und – eine davon – sogar eine schwarze Brille. Auch Journalisten-Barbies, Ärztin-Barbies, Tierärztin-Barbies und Wissenschaftlerin-Barbies gibt es zu kaufen. Zumindest im Moment stehen alle diese Karrieremöglichkeiten Frauen im heutigen Amerika offen, bis auf eine Ausnahme. Wenn es um die Rolle des Oberbefehlshabers geht, können amerikanische Mädchen scheinbar nur spielen, und träumen.

 

 

 

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