Ein Teller Nudeln mit Top-Manager-Berater Peter Nägele: „Vorstände sind einsam, erfahren oft nicht die Wahrheit und sind auf der Chefetage häufig von Feinden umgeben“

Bewunderer und Anerkennende sind es, die Vorstandsvorsitzende umgeben. Macht er einen Witz, lachen sie alle. Er gibt den Weg vor, alle marschieren mit. Wenige trauen sich, zu sagen „Halt, es ist nicht das, was wir wollen!“ Denn alle wollen konsistent sein, auch auf dem Holzweg, erzählt Peter Nägele. Ob sich die Top-Manager wenigsten untereinander einig sind? Gibt`s keine Teams in der Chefetage? Fehlanzeige. Eher Feindschaften, weiß Nägele.

 

 

Top-Manager: Einsam, in Eile und auf einem Tretminenfeld

Top-Vorstände sind einsam, ist sein Fazit. Sie sind zwar von Spezialisten umgeben. Sie stehen nicht nur unter einem irren Kosten- und Zeitdruck, beobachtet der Frankfurter. Sondern alle ihre Entscheidungen haben eine ungeheure Komplexität. Dabei ist fast alles, was sie entscheiden müssen, vermintes Terrain, das  juristische Relevanz hat, sagt der Anwalt, der ins Beraterlager für Aufsichtsräte und Vorstände gewechselt ist, nachdem er vor knapp 20 Jahren der erste Europa Managing Partner von Clifford Chance war und später Bereichsvorstand von Siemens wurde.

 

Er erzählt: Die Zeiten, in denen sich Top-Manager, Aufsichtsräte und Vorstände von Dax-Konzernen auf Augenhöhe mit Top-Anwälten austauschten, seien vorbei. Nannten sich Top-Anwälte früher stolz die Nice Guys der Industrie und sahen sich als Sparring Partner der CEO´s, so hätten die schneidig auftretenden Juristen diese Einflugschneise im Laufe der vergangenen Jahre irgendwie eingebüßt. Eine gewagte These? Immerhin hörte ich kürzlich dieselbe Erkenntnis vom Chefjuristen eines Dax30-Unternehmens.

 

Aus Advokaten wurden Law Firms, die normale Firmen sind

Wie´s kommt? Vielleicht weil allzu klar wird, dass die Law Firms sich zu normalen Firmen entwickelt haben? Weg von den unabhängigen Organen der Rechtspflege hin zu den Drei-Minuten-Takt-Abrechnern und allzu kaufmännisch Orientierten? Vor allem in eigener Sache? Plausibel ist´s. Insbesondere wenn von den Mutterhäusern aus dem Ausland plötzliche Vorgaben kommen, wie viele Partner sie hier mal eben rausekeln müssen und wie viele Mitarbeiter an die Luft zu setzen seien – damit in London oder New York genug Gewinn abgeliefert werden kann.

 

CEO´s müssen permanent zu viele Bälle auf einmal in der Luft halten

Nägeles Beobachtung: Top-Manager haben schlicht keine Zeit mehr für die Law Firms, die Dienstleister. Es sind zu viele Bälle, mit denen die typischen CEO´s jonglieren und die sie permanent in der Luft halten müssen. Die Gespräche mit Anwälten nimmt ihnen heute ihr Rechts-Chef ab – der hingegen ist für ihn inzwischen viel wichtiger geworden als die externen Juristen.

 

Und er erzählt von einem Erlebnis aus seiner Zeit als Bereichsvorstand bei Siemens: Nägele hatte seinen Konzernvorstand gefragt, was er künftig denn so von ihm erwarte. Die Antwort verblüffte ihn damals – und heute weiß er, dass der Mann recht hatte. Nägele solle ihm sagen, ob er, der Konzernvorstand, rechts, links oder gradeaus gehen solle. Und wenn er anders liefe, als Nägele ihm geraten habe, sei Nägele trotzdem daran schuld.

 

Fürs Thema kämpfen müssen

Wieso? Weil Nägele mit Leidenschaft für sein Thema kämpfen müsse und sich auch durchsetzen sollte. „Ab dem Moment hatte ich verstanden, dass ich nicht mehr nur der Anwalt bin, der drei Optionen aufzeigt“, erzählt der Frankfurter. Externe Anwälte wurden nur von Fall zu Fall beauftragt und waren bei entscheidenden Sitzungen nicht mehr dabei.

 

Eifersüchtige Finanzvorstände

Und ganz am Rande: Wer die Juristen auch nicht mehr so dicht an den CEO´s, den Vorstandschefs, sehen will? Die Finanzvorstände, aus Eifersucht quasi. Sie wollen selbst näher am CEO sein und nicht von Anwälten verdrängt werden. Mal ganz abgesehen davon, dass die CFO´s, die Finanzvorstände, vor allem die Kosten für Kanzleien ein Dorn im Auge sind und daran sparen wollen. Spätestens seit ungefähr fünf Jahren, schätzt Nägele.

 

Insoweit könnte denen ein Herzensanliegen von Nägele in die Karten spielen: Seinen Ex-Kollegen aus der Kanzlei Mayer Brown, Stephan Gittermann, unterstützt der Frankfurter mit Rat und als Teilhaber an einem Start-up mit dem Namen Lintum. Eine Cloud-basierte Plattform die vor allem Konzernen und Großunternehmen die Suche und den Preisvergleich von Wirtschaftskanzleien auch durch Live-Auktionen abnehmen soll, konkret also schnöde gesagt den Einkauf von Rechtsdienstleistungen. Das Ziel des Unternehmens: Der Vergabeprozeß soll transparenter werden und die Honorare der Kanzleien drücken. Erste Kunden mag Nägele nicht outen, nur soviel: Dabei seien bereits Dax- und  M-Dax-Unternehmen und größere Mittelständler. Leica, Nordzucker, Schott und Tui stehen jedenfalls auf der Homepage als Partner des Legal Techs.

 

 

 

 

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