Fragebogen „Nahaufnahme“ mit Bestsellerautorin Hera Lind, die Maßlosigkeit, Unzufriedenheit und Bräsigkeit in Harnisch bringen

 

Den Fragebogen „Nahaufnahme“ beantwortet Bestsellerautorin Hera Lind, die „Grand Dame der Unterhaltungsliteratur“ wie sie zuweilen genannt wird.

 

Hera Lind (Foto: Diana Verlag/Erwin Schneider)

 

Erklären Sie in einem Satz, was Ihr Unternehmen tut.

Mein Eine-Frau-Unternehmen schreibt wahre Lebensgeschichten professionell, unterhaltsam und spannend auf und verkauft sie als erfolgreiche Tatsachenromane im Diana Verlag an etwa hunderttausend Leserinnen pro Buch, zusätzlich bietet es – nämlich ich –  Lesungen und Schreibseminare an.

 

Womit beginnt Ihr Tag?

Nach dem großartigen Luxus Ausschlafen, den ich mir gönne, seit die Kinder aus dem Haus sind, (neun Uhr) besiege ich meinen Schweinehund und mache eine Stunde gemäßigten Sport. Bei gutem Wetter gehe ich zehn Kilometer Laufen (inzwischen mit Senioren-Pause am Kneipp-Becken) bei schlechtem mache ich Pilates nach einer elektronischen Vorturnerin aus einem New Yorker Tanzstudio aus den Neunzigerjahren. Diese DVD turne ich seit 25 Jahren und glaube immer noch, so gelenkig zu sein wie die Vorturnerin, die ja im Gegensatz zu mir nicht altert.

 

Wie würden Sie sich selbst als Chef beschreiben?

Ich bin ja mein eigener Chef und zu mir bin ich sehr flexibel. Jederzeit darf die Arbeit durch Spaziergänge, Telefonate mit Freundinnen oder meinen Kindern, einen Kino oder Theaterbesuch unterbrochen werden. Auch gestatte ich mir, meine Arbeit in warmen Gefilden weiter zu führen. Gerade zum Beispiel in Dubai. Dennoch bin ich konsequent und diszipliniert mit meinen zehn Untergebenen (meinen Fingern) und meinem Abteilungsleiter (meinem Kopf). Wenn eine Arbeit gut läuft, muss sie auch bis zu zehn Stunden durchgehalten werden, trotz Protest der Gewerkschaft (Pomuskeln, Rückenmuskeln undsoweiter) Dafür schicke ich sie ja dann zur Kur.

 

… und was würden Ihre Mitarbeiter darauf antworten?

Liebe Rücken und Pomuskeln, wie geht es euch, wenn eure Chefin gerade einen Schreibrausch hat?

Na ja, wir winden uns zwar unter Schmerzen,  sind ja auch schon 62, aber wir halten das durch. Wenn Chefin mit Schreibrausch fertig ist, dürfen wir ja auch an die frische Luft.

 

Tee oder Kaffee?

Bis 14 Uhr Kaffee, dann eine große Kanne Tee, nach 19 Uhr auch schon mal ein kaltes Bier, dieses führt aber zum Nachlassen  der Konzentration und schließlich Abspeichern des Textes: reicht für heute.

 

Ihr Spitzname ist…?

Muz. Das Muz. Erfunden von meinen Kindern. Das Muz muzt. Alles was ich tue wird damit auf WhatsApp kommentiert.

 

Verraten Sie eine Marotte.

Ich kann überhaupt nicht kochen und kriege kaum eine Dose auf, ohne mir einen Nagel abzubrechen oder mich ernsthaft zu verletzen. Manchmal frage ich mich, wie meine vier Kinder groß geworden sind. Dafür kann ich alle Intervalle hören und die Matthäuspassion auswendig. Ich finde das ist auch wichtig. 😜😇

 

Was bringt Sie in Harnisch?

Maßlosigkeit und Unzufriedenheit. Bräsigkeit, falls Sie den Ausdruck kennen. Wenn besonders junge Leute passiv sind und den Arsch nicht hochkriegen.

 

…und was bringt andere an Ihnen in Harnisch?

Meine Kinder haben mir mehrfach verboten, den Teller von mir zu schieben und zu sagen ich bin satt, wenn sie noch essen.

 

Was möchten Sie gerne in Rente machen?

Wandern, radeln und skifahren. Wir leben im Salzkammergut und es gibt noch tausend unbezwungene Berge, Pisten und Pfade!  Auf keinen Fall auf einem Fleck sein, wie zum Beispiel im Garten rumwühlen oder Marmelade einkochen.

 

Was schätzen Sie an anderen Menschen am meisten?

Mein Mann ist der fürsorglichste, großzügigste, versöhnlichste und humorvollste Mann der Welt. Er hat den sogenannten Schmäh, kann jederzeit die Schärfe aus einer Situation nehmen. Niemals war er je länger als fünf Minuten nachtragend. Dasselbe schätze ich auch an meiner besten Freundin.

 

Auf welche drei Dinge könnten Sie niemals verzichten?

Sportschuhe, iPad und ständig ein gutes Buch in der Tasche.

 

Wenn Sie für einen Tag den Job von jemand anderem übernehmen könnten – welcher wäre das?

Sofort!! Würde ich wenn ich könnte, den Job von Anna Netrebko machen. Ich wollte immer Opernsängerin werden, habe ja auch Gesang studiert und 16 Jahre als klassische Sängerin gearbeitet, scheiterte dann aber an meinem Lampenfieber und meiner Mittelmäßigkeit. Von beidem ist Anna ja definitiv nicht ansatzweise geplagt.

 

 

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