Welche Arbeitnehmer am häufigsten Diskriminierungen wahrnehmen: Amerikaner gefolgt von Briten. Deutlich weniger: Franzosen und Deutsche – womöglich mangels Sensibilität?

Mehr als jeder dritte der Berufstätige (37 Prozent), der von der Karriereplattform Glassdoor befragt wurde, hat schon selbst Diskriminierung im Job erlebt oder als Zeuge beobachtet. Die Umfrage lief im Juli 2019.

Zum Vergleich: In Frankreich sind es mit 43 Prozent mehr Angestellte, die sich schon diskriminiert fühlten oder so etwas mitbekamen. In Großbritannien ist es mehr als jeder zweite (55 Prozent), in den Vereinigten Staaten sind es fast zwei Drittel (61 Prozent). Insgesamt wurden für diese Untersuchung 3137 Berufstätige online befragt, unter ihnen 645 Deutsche.

 

Diskriminierungen, die schwer erkennbar und zuzuordnen sind

Wohlgemerkt: Wie die Diskriminierungen aussahen, wurde offenbar nicht dezidiert abgefragt. Denn viele Diskriminierungen dürften auch unbemerkt bleiben, wenn sie hinter verschlossenen Türen einvernehmlich beschlossen werden. Wenn sich Muster der Diskriminierung erst spät erkennen lassen oder noch schlimmer: Wenn Diskriminierungen zeitversetzt und aus Rache geschehen, wenn Frauen Steine in den Weg geworfen bekommen, weil sie irgendwann den Avancen der Herren hinter den Türen nicht Folge geleistet haben. Die sind nämlich wesentlich schwerer als Diskriminierungen zu erkennen und zuzuordnen.

 

(Foto: C.Tödtmann)

Zurück zur Glassdoor-Umfrage: Häufigster Grund für Diskriminierungen im Job sind in Deutschland das Geschlecht (24 Prozent) gefolgt von Altersdiskriminierung (22 Prozent) und Rassismus (21 Prozent) oder wegen sexueller Orientierung (15 Prozent).

In Frankreich werden Arbeitnehmer laut Umfrage auch am häufigsten wegen ihres Geschlechts benachteiligt. In Großbritannien und den Vereinigten Staaten steht dagegen Altersdiskriminierung ganz oben.

 

Glassdoor betont: „Auffällig ist, dass deutsche Berufstätige ihren Angaben zur Folge weitaus seltener Diskriminierung erfahren oder beobachten. Die Werte fallen bei deutschen Umfrageteilnehmern signifikant niedriger aus.“ Unterm Strich lägen sie in allen Kategorien rund zehn Prozent unter dem Durchschnitt der anderen untersuchten Länder.

 

Zu wenig sensibilisiert – zu viel Bereitschaft, andere vorgebliche Gründe hinzunehmen?

Vielleicht sind die Menschen in den anderen Ländern aber auch nur wesentlich stärker sensibilisiert für Benachteiligungen – etwa weil sie dort insgesamt schon viel länger Thema sind und Unternehmen – wie in den USA – schon hohe Schadensersatzsummen zahlen mussten und damit auch durch die Presse gingen.

 

 

Diskriminierungen im Job in USA, Großbritannien, Frankreich und Deutschland

Alle Länder USA „Groß- britannien“ „Frank- reich“ „Deutsch- land“
Ich habe Diskriminierung auf Basis von Alter, Geschlecht, Rassismus oder LGBTQ-Zugehörigkeit am Arbeitsplatz erlebt – selbst oder als Zeuge. 49% 61% 55% 43% 37%
Ich habe Altersdiskriminierung am Arbeitsplatz erlebt – selbst oder als Zeuge. 34% 45% 39% 29% 22%
„Ich habe Geschlechter- diskriminierung am Arbeitsplatz erlebt – selbst oder als Zeuge.“ 33% 42% 37% 30% 24%
Ich habe Rassismus am Arbeitsplatz erlebt – selbst oder als Zeuge. 30% 42% 31% 28% 21%
„Ich habe LGBTQ- Diskriminierung am Arbeitsplatz erlebt – selbst oder als Zeuge.“ 24% 33% 25% 22% 15%
Quelle: Glassdoor 2019
 

Was Unternehmen tun

„Alle Länder“ USA Großbritannien „Frank- reich“ Deutschland
Mein Unternehmen hat eine vielfältige Belegschaft (z.B. sind in der Belegschaft viele Personen mit unterschiedlichem ethnischem Hintergrund, Altersgruppen, Geschlecht und sexueller Orientierung vertreten). 71% 77% 75% 71% 62%
Mein Unternehmen investiert inzwischen mehr in Vielfalt und Inklusion als in der Vergangenheit. 56% 64% 61% 53% 47%
Mein Unternehmen sollte mehr tun, um Vielfalt und Inklusion zu steigern. 50% 55% 54% 48% 44%
Quelle: Glassdoor 2019

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