Drei Fragen an Führungskräfte-Coach Timo Müller: Wieso es sich nicht gehört, seinen Chef zu loben – auch in Zeiten angeblich moderner Führung

Drei Fragen an Führungskräfte-Coach Timo Müller, der das IKuF leitet, das Institut für Konfliktmanagement und Führungskommunikation: Warum ein Mitarbeiter seinen Chef nicht loben darf – obwohl wir doch sonst behaupten, in Zeiten modernen Führung und Work 4.0 zu leben. Dann duzt man sich quer durch die Hierarchie, aber Loben von unten nach oben bleibt tabu.  

 

Timo Müller (Foto: IKuF 2019)

 

 

Herr Müller,  Mitarbeiter jedoch sollten ihre Vorgesetzten nicht loben, weil es ihnen nicht zustehe, sagen Sie. Jedenfalls in hierarchisch strukturierten Unternehmen – also der Mehrzahl. Freundlichkeit ist doch zunächst mal etwas Gutes. Was genau sollten Mitarbeiter lassen?

Richtig, ein Lob am Arbeitsplatz ist etwas Gutes – eigentlich. Aber je hierarchischer eine Organisation ist, umso weniger mögen Chefs von unten nach oben gelobt werden. Sie wollen kein Lob von ihren Mitarbeitern bekommen. Solche Unternehmen übergewichten den Faktor Rangordnung und es gilt unausgesprochen: „Für Mitarbeiter ist es verboten, ihrem Vorgesetzten Feedback zu geben.“ Ein Lob eines Mitarbeiters an den Vorgesetzten wird als unpassendes Verhalten erlebt: „So etwas gehört sich nicht.“

 

Und warum ist das so? Steht es ihm einfach nicht an? Obwohl beide vielleicht Akademiker sind, beide dieselbe Ausbildung haben?  

Jede Gruppe am Arbeitsplatz hat ihre ungeschriebenen Regeln, wer wem gegenüber ein Lob aussprechen darf. Ob Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihrem Vorgesetzten Lob und Kritik geben oder nicht, unterscheidet sich teilweise sogar von Abteilung zu Abteilung und von Team zu Team.

 

Was ist, wenn Mitarbeiter unbewusst – oder sogar bewusst – dagegen verstoßen?

Wenn Mitarbeiter wissen, dass ein Lob an den Vorgesetzten unerwünscht ist, reagieren sie taktisch. Sie geben also kein Lob und schützen sich so vor möglichen Benachteiligungen und Sanktionen durch die Vorgesetzten. Nach dem Motto: Stressvermeidungsverhalten statt ehrlichen Lobes.
Und es gibt noch eine weitere Variante: Mitarbeiter passen sich den Gegebenheiten an, weil sie ihnen als Normalität erscheinen. Sie kommen schlichtweg nicht auf den Gedanken, dass es einen anderen Umgang zwischen Vorgesetztem und Mitarbeiter geben könnte.
Mitarbeiter, die den Vorgesetzten loben und dauerhaft gegen die in der Gruppe geltende Norm verstoßen, haben bei autoritär führenden Vorgesetzten ein Problem.
Das trifft besonders auf neue Mitarbeiter zu, die die unausgesprochenen Regeln nicht kennen. Die riskieren eine direkte Konfrontation mit Vorgesetzten und Konfrontationen mit den Kollegen, die sich aus taktischen Gründen hinter dem Vorgesetzten versammeln. Der Konflikt, der entsteht, hat viel Potenzial, zu eskalieren. Schlimmstenfalls bilden sich Lager auch innerhalb der Belegschaft und ein lähmender, kostspieliger Konflikt beginnt.

 

 

 

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