WiWo-Topkanzleien Arbeitsrecht und Gesellschaftsrecht 2019: Wenn machtvolle Manager plötzlich quasi nackt dastehen

WiWo-Topkanzlei-Rankings Arbeitsrecht und Gesellschaftsrecht 2019

(zuerst erschienen bei Wiwo.de 6/2019)

Führungskräfte sind immer kürzer in Unternehmen und verlieren immer schneller ihren Job. Das WirtschaftsWoche-Top-Kanzlei-Ranking zeigt die renommiertesten Anwälte für Arbeitsrecht und für Gesellschaftsrecht.

 

Um Qualifikation oder Erfolge von Managern geht es heute nicht mehr. Jedenfalls dann nicht, wenn in einem Unternehmen plötzlich ein anderer Wind weht, ein neuer CEO angetreten ist oder Private-Equity-Investoren mitreden: „Dann braucht sich eine Führungskraft gar nichts zuschulden kommen lassen, es genügt der Eindruck, er passt nicht mehr zur Firma“, sagt Arbeitsrechtler Michael Kliemt, Gründer der gleichnamigen Kanzlei. Von jetzt auf gleich stehen Manager dann auf der Abschussliste und bekommen Abfindungsofferten – egal wie erfolgreich sie zuvor gewirkt haben. Nicht nur das: Top-Managerverträge laufen immer kürzer. Waren früher fünf Jahre Laufzeit üblich, so sind es heute nur noch drei, so Kliemt.

 

Chefsessel werden immer mehr zu Schleuderstühlen: 2018 wurde jeder vierte der 155 Dax-CEO´s laut einer Studie der Personalberatung Strategy&, die zu dem Big-Four-Beratungsunternehmen PWC gehört, geschasst. Aber auch in den Hierarchieebenen darunter verlieren heute Manager viel schneller ihren Job als früher, beobachtet Kliemt.

 

Familienrechtsschutz zahlt keine Geschäftsführer-Streitigkeit

Den 10.600 Arbeitsrechtsanwälten hierzulande bescheren diese Entwicklungen viel Arbeit – und gute Geschäfte. Die Stundenhonorare für Top-Anwälte betragen schnell mal 500 Euro, für Spitzenanwälte in selteneren Fällen sogar 800 Euro.  Wer als Manager kein finanzielles Polster angespart hat, dem dürfte in kurzer Zeit das Geld für Lange Auseinandersetzungen fehlen. Zumal Unternehmen im Trennungsstreit sofort die monatlichen Zahlungen stoppen. „Es gibt Vorstände und Geschäftsführer, die glauben, eine Familienrechtschutzversicherung für 120 Euro springt auch bei ihrem Rechtsstreit gegen das eigene Unternehmen ein“, wundert sich Kliemt. Allein wegen der drohende Anwaltskosten sind Manager dann oft gezwungen, einen schnellen, ungünstigen Vergleich zu akzeptieren.

 

Dabei könnten sie oft höhere Abfindungen herausholen, meint Kliemt. Nur die wenigsten seien so clever, vorzusorgen mit einer speziellen Manager-Rechtschutzversicherung, die auch die Stundensätze sehr renommierter Anwälte zahlt – und nicht nur die gesetzlichen – Pauschalen, die weit darunter liegen.

 

Für Führungskräfte ist die Lage schrecklich genug: Immerhin stehen machtvolle Manager plötzlich völlig unvorbereitet quasi nackt, da. Die Schlüssel vom Dienstwagen müssen sie sofort abgeben, das Handy – mit allen Adressen und Telefonnummern – und Laptop auch. Sind sie dann an ihrem Schreibtisch zurück, um ihn zu räumen, ist ihr Mailaccount oft schon gesperrt. Manche Unternehmen schrauben kurzerhand die KFZ-Schilder der Dienstwagen ab. Sicher ist sicher.

 

Unternehmen werden zuweilen rüde, wenn sie Mitarbeiter herausdrängen wollen und sie zum Unterzeichnen von Aufhebungsverträgen drängen. https://www.wiwo.de/christoph-abeln/12205456.html).  Das Bundesarbeitsgericht hat jedoch Arbeitgebern kürzlich erstmals ein Gebot des fairen Verhandelns auferlegt (Aktenzeichen: 6 AZR 75/18): Aufhebungsverträge können unwirksam sein, wenn der Arbeitgeber eine Verhandlungssituation herbeiführt oder ausnutzt, durch die der Arbeitnehmer unfair behandelt wird. Also wenn er eine psychische Drucksituation schafft oder ausnutzt, die eine freie und überlegte Entscheidung des Arbeitnehmers über den Abschluss eines Aufhebungsvertrages erheblich erschwert oder sogar unmöglich macht.

 

Überrumpeln ist verboten

Sebastian Maiß von Vangard (Foto: C.Tödtmann)

Was Unternehmen nun nicht mehr tun dürfen, schildert Arbeitsrechtsanwalt Sebastian Maiß von Vangard: Besonders unangenehme Raumbedingungen schaffen, die erheblich ablenken oder gar den Fluchtinstinkt wecken. Beispielsweise  Verhandlungen in abgeschlossenen Räumen oder an völlig ungewöhnlichen Orten. Oder: Erkennbare körperliche oder psychische Schwächen von Mitarbeitern sowie unzureichende Sprachkenntnisse ausnutzen. „Vor allem aber dürfen sie nicht ihre Arbeitnehmer überrumpeln und den Überraschungsmoment ausnutzen,“ so Maiß.

 

Vier Manager-Typen: Selbstüberschätzer, Harmoniebedürftige, Gierige,  Rächer

Anwalt Kliemt – er hat in 20 Jahren im Job rund 2.000 Manager vertreten – erkennt in Trennungssituationen Manager-Typologien. Es gibt es den Coolen, der richtig abgebrüht ist und professionell. Der die Auseinandersetzung mit seiner Firma an ihn als Anwalt delegiert, den Kopf über Wasser behält und sich ruckzuck umorientiert. Dann gibt es die Selbstüberschätzer. Die reagieren auf einen Rauswurf erst gelassen, brechen dann aber einige Tage später zusammen und wollen ganz schnell eine Lösung – um jeden Preis. Sie halten den Druck nicht dieser Situation nicht aus. Auch wenn ihnen ein Drittel der erzielbaren, möglichen Abfindung durch die Lappen geht. Hauptsache, das Ganze schnell beenden.

 

Typ drei ist der Harmoniebedürftige, der will sich gar nicht streiten, Der akzeptiert das erste Angebot und will lieber wieder ruhig schlafen können. Der vierte Typ ist der Aggressive, Rachsüchtige. Der will es seiner Ex-Firma zeigen, er will Gerechtigkeit. Und schließlich gibt es noch die Gierigen: die überziehen in den Verhandlungen, verlieren auch die letzten Freunde und hinterlassen verbrannte Erde. Fest steht: Einen Rauswurf sollte man heute nicht persönlich nehmen.

 

Wo besonders renommierte Arbeitsrechtler wie Michael Kliemt oder Sebastian Maiß zu finden sind, zeigt das eine der beiden aktuellen WirtschaftsWoche-Topkanzleien-Rankings zum Arbeitsrecht, das andere zeigt die renommiertesten Anwälte im Gesellschaftsrecht:

 

WiWo-Topkanzleien

Die renommiertesten Arbeitsrechtler

Kanzlei/Anwälte

 

Allen & Overy/Hans-Peter Löw, Thomas Ubber

Altenburg/Stephan Altenburg, Charlotte Beck

Arqis/Andrea Panzer-Heemeier

Beiten Burkhardt/Wolfgang Lipinski

Bird & Bird/Thomas Hey

Clifford Chance/Stefan Simon

CMS Hasche Sigle/Björn Gaul, Gerlind Wisskirchen

Deloitte Legal/Lars Hinrichs, Marc Spielberger

Esche Schümann Commichau/Patrizia Chwalisz,

Erwin Salamon

FHM/Michael Fuhlrott

Frahm Kuckuk/Sebastian Frahm

Freshfields Bruckhaus Deringer/René Döring, Boris Dzida, Klaus-Stefan Hohenstatt, Thomas Müller-Bonanni, Ulrich Sittard

FringsPartners/Arno Frings

Gleiss Lutz/Christian Arnold, Martin Diller, Steffen Krieger, Stefan Lingemann, Doris-Maria Schuster

Görg/Burkhard Fabritius

Gragert Stamer/Nicola Gragert

Greenfort/Mark Lembke

Heinemann & Partner/Uwe Julius Faustmann

Hengeler Mueller/Christian Hoefs

Heuking Kühn Lüer Wojtek/Johann Menke, Bernd Weller

Hogan Lovells/Kerstin Neighbour

Jones Day/Paul Melot de Beauregard

Justem/Thilo Mahnhold

Kasper Knacke/Frank Hahn

Kliemt/Burkard Göpfert, Michael Kliemt, Barbara Reinhard

KPMG Law/Stefan Middendorf

Küttner/Thomas Niklas, Tim Wißmann

Latham & Watkins/Anne Kleffmann, Tim Wybitul

Linklaters/Timon Grau

Luther/Volker Schneider, Robert von Steinau-Steinrück

Maat/Thomas Bader

Mainwerk/Oliver Driver-Polke, Kai Golücke

Manske & Partner/Jürgen Markowski

Metis/Daniel Benkert

Michels.PMKS/Marcus Michels

Möhrle Happ Luther/Nils Evermann

Naegele/Stefan Nägele

Neuwerk/Sebastian Naber

Noerr/Andreas Butz, Hans-Christoph Schimmelpfennig

Norton Rose Fulbright/Cornelia Marquardt

Orrick/André Zimmermann

Pauly & Partner/Stephan Pauly

Pusch Wahlig /Tobias Pusch, Holger Thomas

Raue/Gernod Meinel

Rudolf & Vossberg/Klaus Rudolf

Schramm Meyer Kuhnke/Michael Kuhnke, Holger Meyer, Nils Schramm

Schütte, Lange & Kollegen/Reinhard Schütte

Schweibert Leßmann & Partner/Rüdiger Hopfe, Jochen Leßmann, Ulrike Schweibert

Seitz/Thomas Kania, Stefan Seitz

Staudacher Annuß/Georg Annuß

SZA Schilling, Zutt & Anschütz/Georg Jaeger

T/S/C/Susanne Clemenz, Johannes Schipp

Taylor Wessing/Marc André Gimmy

Vangard Littler/Frauke Biester-Junker, Christoph Crisolli, Oliver Grimm, Sebastian Juli, Sebastian Maiß

 

 

 

Die besten Gesellschaftsrechtler*

Kanzlei/ Anwälte

Allen & Overy/ Hans Diekmann

Arqis/ Jörn-Christian Schulze

Berner Fleck Wettich/ Olaf Berner, Thilo Fleck, Carsten Wettich

Clifford Chance/ Anselm Raddatz

CMS Hasche Sigle/ Henrik Drinkuth

Covington & Burling/ Jörn Hirschmann

DLA Piper/ Nils Krause, Benjamin Parameswaran

Flick Gocke Schaumburg/ Christian Brünkmans, Dieter Leuering

Freshfields Bruckhaus Deringer/ Marius Berenbrok, Thomas Bücker, Andreas Fabritius, Stephanie Hundertmark, Christoph Seibt, Stephan Waldhausen

Friedrich Graf von Westphalen/ Barbara Mayer

Glade Michel Wirtz/ Achim Glade

Gleiss Lutz/ Michael Arnold, Christian Cascante, Gabriele Roßkopf, Martin Schockenhoff

GLNS/ Georg Lindner

Görg/ Alexander Reuter

Graf Kanitz, Schüppen & Partner/ Matthias Schüppen

Greenberg Traurig/ Henrik Armah, Peter Schorling

GSK Stockmann/ Markus Söhnchen

Gütt Olk Feldhaus/ Sebastian Olk

Hengeler Mueller/ Andreas Austmann, Hartwin Bungert, Gerd Krieger, Maximilian Schiessl, Georg Seyfarth, Jochen Vetter

Hoffmann Liebs/ Björn Neumeuer

Hogan Lovells/ Tim Oliver Brandi, Hanns Jörg Herwig, Matthias Jaletzke, Nikolas Zirngibl

Hupe Gantenberg/ Philipp Gantenberg

Ihrig & Anderson/ Hans-Christoph Ihrig

Kirkland & Ellis/ Achim Herfs, Attila Oldag

Kümmerlein/ Ulrich Irriger

Latham & Watkins/ Tobias Larisch, Nikolaos Paschos, Rainer Traugott

Leo Schmidt-Hollburg Witte & Frank/ Hubertus Leo

Linklaters/ Staffan Illert, Hans-Ulrich Wilsing, Ralph Wollburg

Lupp + Partner/ Matthias Lupp

Luther/ Eberhard Vetter

McDermott Will & Emery/ Michael Cziesla

Meilicke Hoffmann & Partner/ Thomas Heidel

Metis/ Andreas Rasner

Milbank/ Steffen Oppenländer, Norbert Rieger

Möhrle Happ Luther/ Sven Oswald

Mutter & Kruchen/ Stefan Mutter

Noerr/ Tobias Bürgers, Alexander Hirsch, Jens Liese, Christian Pleister, Thorsten Reinhard

Norton Rose Fulbright/ Marco Niehaus, Katrin Stieß

Oppenländer/ Thomas Trölitzsch

Raschke von Knobelsdorff Heiser/ Dominik Ziegenhahn

Renzenbrink & Partner/ Ulf Renzenbrink

Rittershaus/ Christof Hettich

Schmidt-Jortzig Petersen Penzlin/ Bjarne Petersen

Shearman & Sterling/ Thomas König

Simmons & Simmons/ Stephan Ulrich

Skadden, Arps, Slate, Meagher & Flom/ Holger Hofmeister

Sullivan & Cromwell/ Carsten Berrar

SZA Schilling Zutt & Anschütz/ Marc Löbbe, Jochem Reichert

Tradeo/ Andreas Remuta

Voigt Wunsch Holler/ Lorenz Holler

Watson Farley & Williams/ Marcus Bechtel

Weil, Gotshal & Manges/ Christian Tappeiner

Weitnauer/ Tobias Schönhaar

Wendelstein/ Philipp v. Bismarck

White & Case/ Alexander Kiefner

*Reihenfolge nach Alphabet
Quelle: HRI/ WirtschaftsWoche 2019

 

 

 

Die Methodik der WirtschaftsWoche-Topkanzleien

Für die Listen der besten deutschen Arbeits- und Gesellschaftsrechtler befragte das Handelsblatt Research Institute (HRI) mehr als 4000 Juristen in 245 Kanzleien nach den renommiertesten Kollegen. Diese Liste wurde einer Expertenjury vorgelegt, die für den Bereich Arbeitsrecht 54 Kanzleien mit 86 besonders empfohlenen Anwälten und für den Bereich Gesellschaftsrecht 55 Kanzleien mit 88 besonders empfohlenen Anwälten herausfilterte.

Die Juroren:

Über die Auswahl im Arbeitsrecht stimmten ab: Silvio Fricke (Bundesverband der Arbeitsrechtler in Unternehmen) und Ulrich Goldschmidt (Verband für Fach- und Führungskräfte), Martin Schlag (Thyssenkrupp), Achim Schunder (C.H. Beck), Alexander Zumkeller (ABB) und Claas Westermann (RWE).

Für die Auswahl im Gesellschaftsrecht: Claas Westermann (RWE), Martin Schlag (Thyssenkrupp), Jan Eckert (ZF Friedrichshafen) und Achim Schunder (C.H. Beck).

 

 

 

Ulrich Goldschmidt (Foto: Verband Die Führungskräfte – DFK)

 

Claas Westermann (Foto: RWE)

 

Achim Schunder (Foto: C.H.Beck Verlag)

 

Jan Eckert (Foto: ZF Friedrichshafen)

 

Martin Schlag (Foto: Thyssenkrupp)

 

Alexander Zumkeller (Foto: ABB)

 

Silvio Fricke (Foto: Privat)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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