GPRA-Chairman Uwe Kohrs wundert sich über Bayer/Monsanto und ob die Deal-Anwälte sie denn nicht gewarnt haben

Bayer: Ratlos am Rhein

Uwe Kohrs, Chairman des Komunikationsverbands GPRA wundert sich über Bayer /Monsanto: Was aus der angekündigten Strategie der Transparenz geworden ist, ob die Deal-Anwälte denn keine guten Ratschläge für den Umgang mit den Risiken hatten und die uralte Bauernopfer-Strategie, die nun eingeschlagen wird. Ein Gastkommentar.

 

Uew Kohrs, Chairman des Kommunikationsverbands GPRA (Foto: GPRA)

 

Bayer-Hauptversammlung als Tribunal

Wer dieser Tage auf die Meldungen aus dem Hause Bayer/Monsanto schaut, reibt sich verwundert die Augen. Dies weniger, weil der Aktienkurs dramatisch abgestürzt ist oder die Hautversammlung den Charakter eines öffentlichen Tribunals hatte. Beides läuft ja schon fast unter „Daily Business“.

 

Kein hochkompetenter Anwaltsrat? Keine gute Risikostrategie?

Was noch viel mehr irritiert, ist die juristische und kommunikative Unbedarftheit, mit der am Rheinufer zu Werke gegangen wird. Angesichts der zunehmenden Flut von Klagen, mit denen sich die Monsanto/Bayer AG in den USA konfrontiert sieht, spiegeln Durchhalteparolen und Verweise auf die nächste Instanz einen Grad an Ratlosigkeit und Ignoranz wider, der verstörend ist. Man stellt sich unweigerlich die Frage, ob es im Vorfeld der Übernahme von Monsanto eigentlich eine juristische Risikobewertung gab, und wenn ja, was mit ihr geschehen ist. Hier scheinen sich eine Vielzahl von hochkompetenten Anwälten – Bayer beriet die US-Kanzlei Sullivan & Cromwell –  irgendwie vertan zu haben. Eine Strategie, wie man mit den Risiken umgeht, scheint bei ihren Bemühungen jedenfalls nicht herausgekommen zu sein.

 

Ankündigungen – und was daraus wurde 

Einmal mehr macht Bayer hier keine gute Figur. Hatte man noch vor nicht allzu langer Zeit angekündigt, man wolle durch Information, Transparenz und aktive Kommunikation vom Sinn des Deals überzeugen, so ist von diesem Vorsatz nicht viel übrig geblieben.

 

Bauernopfer statt Transparenz

Stattdessen schickt man Bauernopfer auf die Rampe, um dem nächsten Shitstorm zu entgehen. So geschehen in Sachen Stakeholder-Listen, die Monsanto seit 20 Jahren mit seiner Public-Relations (PR)- und Public-Affairs (PA)-Agentur Feishman Hillard führt und die jüngst in Frankreich ins mediale Gerede gekommen sind. Der neue PA-Verantwortliche von Bayer hat daraus gleich mal eine paneuropäische Angelegenheit gemacht und den neuen Kollegen von Monsanto automatisch unethisches Verhalten attestiert. So schön kann die Liebe nach der Übernahme sein.

 

Fragwürdige Reihenfolge: Erst feuern, dann Fakten-Check 

In jedem Fall hat man aber schon mal die listenführende Agentur gefeuert, da sie den hohen ethischen Anforderungen von Bayer vermeintlich nicht mehr gerecht wird. Prüfung, Fakten und vernünftige Beurteilung bislang Fehlanzeige. Jetzt prüft der Deutsche Rat für Public Relations den Fall.

Man wird bei Bayer den Eindruck nicht los, als hätte sich nach der Monsanto-Übernahmefeier ein veritabler Kater eingestellt und keiner hat ein Rezept, wie man den Brummschädel wieder los wird.

 

 

 

 

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