Wissen Sie, was bei Wikipedia so über Sie steht? Besser ist´s. Gastbeitrag von PR-Profi Peter Montag

Wissen Sie, was bei Wikipedia über Ihr Unternehmen steht? Oder über Sie selbst? Ganz viele haben keine Ahnung und nicht mal die PR-Verantwortlichen wissen´s. Und die sollten es ja nun wirklich tun.

Denn ehe sich Stellenbewerber, andere Interessenten und Journalisten – die de Wikipedia-Infos verbreiten – mühsam durch Internetauftritte von Unternehmen quälen, klicken sie lieber zügig zu Wikipedia. Dort findet man ganz schnell zwar Eckdaten – nur leider nicht unbedingt aktuell. Unternehmenszahlen können binnen zwei Jahren dramatisch anders aussehen – nach oben wie unten – und geistern dann leider falsch durch aktuelle Medienberichte.

So mancher Manager und so mancher Kommunikationschef war schon überrascht, woher plötzlich veraltete Zahlen kamen, die in der Presse auftauchten – und fröhlich weiter verbreitet wurden. Ebenso unglücklich ist es, wenn Unternehmenslenker derlei nur indirekt zu spüren bekommen und bei Wikipedia karrieregefährdende Dinge stehen, von denen sie gar nichts wissen, warnt Peter Montag von der Kommunikationsagentur Aufgesang in seinem Gastbeitrag. 

 

PR-Experte Peter Montag (Foto: Aufgesang)

 

Zum Beispiel, wenn Gesprächspartner plötzlich auf Distanz gehen. Weil sie bei Wikipedia in der Rubrik „Kritik“ immer mehr Artikel über sein Unternehmen gefunden hatten. Ein Wikipedia-Autor hatte negative Berichterstattung in den Medien in mühevoller Recherchearbeit ermittelt und ausführlich in dem Artikel dokumentiert.

 

So wuchs die Kritik über mehrere Monate kontinuierlich an. So sehr, dass man schließlich den schlimmen Verdacht bekommen musste, es mit einem zwielichtigen Unternehmen zu tun zu haben, das Verbraucher hinters Licht führt und mit betrügerischen Machenschaften agiert. Dabei: Eigentlich lagen die Beschwerdefälle lediglich im Promille-Bereich und die Kundenzufriedenheit war in Wirklichkeit hoch.

 

 

Eine Seite mit enormem Einfluss – und eigenen Regeln

Denn: Wikipedia ist eine der meistbesuchten Websites weltweit, eine gefragte Informationsquelle und häufig eines der ersten Suchergebnisse bei einer Onlinerecherche. Hieraus resultiert die enorme Bedeutung der Online-Enzyklopädie. Manch einer wünscht sich daher, lieber nicht in der Wikipedia zu stehen, weil der Artikel Kritik enthält oder Inhalte, die ihn in den Augen der Öffentlichkeit diskreditieren.

Wikipedia ist zugleich ein Mitmach-Lexikon. Doch die Idee, selbst einzugreifen und Inhalte, die einem nicht passen, zu ändern oder zu entfernen ist keine gute. Wer das macht, wird schnell auf Widerstand stoßen. Unliebsame Kritik einfach zu löschen, ist nicht möglich. Nicht ohne eine Strategie und damit spezieller Fachkenntnisse, über die ein Außenstehender nicht verfügt.

Tauchen Probleme auf, dann ist es am besten, zu dem Kritiker Kontakt aufzunehmen. Denn vielleicht lässt sich eine Einigung erzielen und der Nutzer ändert sein Verhalten. Einige haben ihre E-Mail-Adresse hinterlegt, über die man sie benachrichtigen kann. Alternativ kommt die Diskussionsseite des Nutzers in Frage, die aber öffentlich einsehbar ist. Hilft alles nichts, bleibt als letzte Option, Wikipedia-intern eine dritte Meinung einzuholen.

 

 

Von Wikipedia übersehen

Wer als Unternehmer wenig Anlass für Kritik bietet, steht gegebenenfalls vor einem anderen Problem – nämlich dass die Wikipedia sein Unternehmen oder seine Person schlichtweg „vergessen“ hat. Das heißt, es gibt keinen Artikel, obwohl die sogenannten Relevanzkriterien erfüllt sind.

In solch einem Fall gibt es ebenfalls die Option, bei Wikipedia selbst aktiv zu werden. Da Wikipedia komplex ist und eigene Regeln besitzt, ist der Aufwand der Einarbeitung zwar beträchtlich, gangbar ist der Weg dennoch: Wikipedia hält inzwischen Informationsmaterialien bereit, wie etwa Mitmach-Broschüren und „Spickzettel“ zu Detailfragen.

Die Materialien sind erst in jüngster Zeit entstanden und helfen beim Einstieg. Als jemand, der aus beruflichen Gründen mitwirkt, benötigen Sie zudem ein offiziell bestätigtes Benutzerkonto („Mustermann Rechtsform“ oder „Vorname Nachname (Mustermann Rechtsform)“.

 

Zur Mitarbeit einladen

Nutzen Sie für einen neuen Artikel eine Unterseite Ihres Benutzerkontos – und laden Sie andere Wikipedia-Autoren zur Mitarbeit ein! Bei der Überarbeitung eines bestehenden Artikels wiederum ist die Diskussionsseite des betreffenden Artikels das geeignete Forum, um Ihre Änderungs- und Verbesserungsvorschläge zur allgemeinen Diskussion zu stellen. Die Diskussionsseite finden Sie direkt hinter jedem Artikel in Wikipedia.

Mit der vorab geführten Diskussion minimieren Sie das Risiko, dass Ihr Artikel später auf Ablehnung stößt. Weisen Sie alle Änderungen durch Belege nach und verwenden Sie eine nüchterne Sprache ohne PR-Begriffe („hochwertig“, „marktführend“, „etabliert“). Sorgen Sie mit Bildern dafür, dass ihr Artikel lebendig wirkt. Gern gesehen sind wenig optimierte Bilder, die an Aufnahmen eines Hobbyfotografen denken lassen.

 

Lesetipp:  http://aufgesang.de/wikipedia-leitfaden

 

 

Blogger-Relevanz-Index 2018

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Alle Kommentare [2]

  1. Kann jeder seinen eigenen Artikel auf Wikipedia hochladen? Also nehmen wir mal an, ich möchte über mich selbst eine Seite anlegen, kann man das einfach so machen? Über meine Person, was ich so mache usw. eine Art Biografie?

  2. Ihre Frage beantworte ich hiermit gern: Nein, es ist nicht möglich, „einfach so“ einen Artikel über die eigene Person in die Wikipedia zu bringen, denn dafür gelten Relevanzkriterien.

    Jeder Gegenstand einer Darstellung in dem Online-Lexikon muss demnach bestimmte Voraussetzungen erfüllen, um für die Wikipedia Relevanz zu erlangen – und die sind recht hoch. Für lebende Personen gilt:

    Lebende Personen (allgemein)

    Ein wichtiger Anhaltspunkt für die Relevanz einer lebenden Person ist, dass sie in einem anerkannten biographischen Nachschlagewerk (etwa Munzinger-Archiv, Kürschners Deutscher Gelehrten-Kalender, Deutsches Biographisches Archiv) verzeichnet ist.

    Als Anhaltspunkt kann dienen: Die Person ist

    – wegen ihrer Beteiligung an historischen, politischen oder sonstigen nachrichtenwürdigen Ereignissen bekannt,
    – eine weit bekannte Persönlichkeit aus der Unterhaltungsbranche (wie Fernseh- und Filmproduzenten, Regisseure, Schauspieler mit einer Hauptrolle oder mehreren Nebenrollen in kommerziell vermarkteten Werken),
    – Autor, Herausgeber, Fotograf, Musiker, Maler, Bildhauer, Architekt, Ingenieur oder andere Person, deren Werk oder Arbeitsleistung als herausragend anerkannt und dauerhaft Teil der Geschichte des Fachgebiets geworden ist,
    – in mehreren Publikationen der Verfassungsschutzbehörden namentlich hervorgehoben,
    – nachgewiesener Träger eines hohen Ordens (z. B. Bundesverdienstkreuz),
    – als Gerechter unter den Völkern ausgezeichnet.

    Eine Auflistung der Relevanzkriterien sämtlicher Gegenstandsbereiche finden Sie hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Relevanzkriterien

    Beste Grüße!

    Peter Montag