Business Behaviour in Großbritannien: Höflichkeitsrituale sind bei Briten passender als treuherzige Antworten – Gastbeitrag

Gebrauchsanleitung für Business-Kontakte mit Briten

Interkulturelle Kompetenz braucht man schon in Großbritannien – und nicht nur in fernen Ländern. Die interkulturelle Trainerin Susanne Philippsen von den Carl Duisberg Centren gibt Tipps, wie man Fettnäpfchen und Missverständnisse vermeidet.

 

Susanne Philippsen (Foto: Carl Duisberg Gesellschaften)

 

Keine treuherzigen Antworten zur Begrüßung

Zwischen „How do you do?“ und „How are you? gibt es einen feinen Unterschied“. Ersteres verwendet man als die förmliche Variante beim ersten Kennenlernen, auf die man ausschließlich mit der Gegenfrage „„How do you do?“ pariert.

Ein freundliches „How are you?“ beantwortet man dagegen mit einem „Fine, thank you. And how are you? “. Und darauf folgt ein „Very well, thank you“.

Es ist eine oft gebrauchte Höflichkeitsfloskel; eine ehrliche Antwort erwartet das Gegenüber um Himmels willen nicht. Ihren britischen Gesprächspartner würde es erstaunen oder sogar peinlich berühren, vom morgendlichen Streit mit dem Partner oder Ihren starken Kopfschmerzen zu hören. Behalten Sie sich solche Themen für enge Freunde vor.

 

Vorname ohne Händedruck – und trotzdem ohne Vertrautheit

Der feste Händedruck gehört in Deutschland zum Geschäftsleben dazu. Im Gegensatz dazu sind britische Kollegen weniger förmlich. Per Handschlag begrüßt man sich nur beim ersten Kennenlernen oder nach einem Wiedersehen nach langer Zeit. Ein „Nice to see you.“ genügt ansonsten.

„Nice to meet you!“ heißt es nur beim ersten Treffen. Briten gehen sowieso gerne direkt zum Vornamen über. Warten Sie einfach ab, wie Ihr Gesprächspartner sich vorstellt und passen sich an. So machen Sie nichts falsch. Aber aufgepasst, denn die Anrede mit Vornamen ist keine Aufforderung zu allzu vertrautem Umgang miteinander.

 

Lieber zu oft „Danke“ sagen als einmal zu wenig

Britische Höflichkeit ist mindestens so bekannt wie die Queen. Sagen Sie daher lieber einmal zu viel als zu wenig „thanks“ oder „thanks a lot“. Umgangssprachlich, aber sehr gebräuchlich ist „cheers“, das die meisten Deutschen vielleicht nur als Trinkspruch kennen. Sollte Ihr Gesprächspartner zu Ihnen sagen „You must come for dinner!“, antworten Sie bitte nicht mit „What about next Friday?“. Denn dies ist eben keine explizite Einladung. Es ist quasi eher so dahin gesagt.

In der Praxis kommt es oft zu Missverständnissen und so mancher Deutsche reagiert enttäuscht, wenn er danach keine konkretere Einladung bekommt. Diese unverbindliche Höflichkeitsformel signalisiert nämlich nur, dass man einander sympathisch ist. Mehr nicht. Man sollte sich also geschmeichelt fühlen und antworten mit einem zwanglosen „Thank you, with pleasure.“

 

 

Small Talk muss sein – und hat großer Wirkung

In Großbritannien gilt der Spruch „take your time“: So nimmt sich jeder immer erst ein paar Minuten Zeit für Small Talk. Dabei herrscht die sogenannte „agreement rule“ – die Regel, den anderen in seinen Aussagen zu bestätigen. Auf ein „Cold, isn’t it?“ antwortet man am besten mit „Yes, very cold.“

Sparen Sie sich einfach alle möglichen Ausführungen darüber, dass die Winter in Deutschland noch wesentlich kälter sind. Die Übereinstimmung mit dem Gesprächspartner soll schließlich die Distanz abbauen und eine gemeinsame Basis für erfolgreiche Geschäfte schaffen. Beliebte Themen außer dem Wetter sind Sport, Hobbys und Reisen. Mit Kommentaren hingegen über die Königsfamilie oder Politik kann man rasch ins Fettnäpfchen treten.

 

Mehr Team, mehr Spontaneität – aber keineswegs gleichgestellt

Im Vergleich zu Deutschland geht es in britischen Unternehmen weniger hierarchisch zu. Kollegen und Vorgesetzte verbringen auch nach Feierabend mehr Freizeit zusammen und stärken bei gemeinsamen Abenden im Pub das Zusammengehörigkeitsgefühl. Wenn statt Jobthemen der private Austausch angesagt ist.

Der britische Führungsstil ist eher teamorientiert, der Umgangston lockerer. Vorgesetzte spricht man viel spontaner und ohne eigenen Gesprächstermin an. Doch man sollte trotz des lockeren Umgangstons nicht die subtiler kommunizierten hierarchischen Unterschiede verkennen.

So haben Vorgesetzte in Meetings längere Zeit zum Reden. Während deutsche Führungskräfte sich vor allem durch Fachkompetenz auszeichnen müssen, spielen in Großbritannien ab einer gewissen Ebene Soft Skills wie Kommunikationsfähigkeit und Führungsqualitäten ein wesentlich größere Rolle. So loben britische Führungskräfte ihre Mitarbeiter mehr als deutsche, wo in Deutschland bei vielen immer noch der schwäbische Spruch Devise ist: Nicht gemeckert ist genug gelobt!

 

In britischen Meetings und Verhandlungen ist Konsens das Ziel

In Großbritannien herrscht eine andere Diskussionskultur als in Deutschland. Verhandlungen und Meetings dauern oft länger, denn alle Meinungen werden gehört. Auch in Konflikten geht es nicht primär darum, den eigenen Standpunkt zu verteidigen. Ziel ist es, einen Konsens zu finden, der beide Seiten zufriedenstellt. Der Fair Play-Gedanke vieler Briten kollidiert in der Geschäftspraxis zuweilen mit der vermeintlich typisch deutschen Effizienz, schnell zu einer Einigung kommen zu wollen. Wer in Großbritannien punkten möchte, sollte sich kooperativ zeigen und an einer Win-win-Lösung arbeiten.

Mein Tipp: Heben Sie die Vorzüge in der Argumentation des Gegenübers hervor und präsentieren Sie erst dann Ihre eigenen Ideen. Ruhe und Gelassenheit sind dabei der Schlüssel zum Erfolg.

 

Selbstdisziplin ist wichtig, Haltung statt Emotionen zeigen

Selbst in scheinbar ausweglosen Konflikten mit widersprüchlichen Meinungen, gilt das geflügelte Wort „agree to disagree“: Sich einig sein, dass man sich uneinig ist. „To keep a stiff upper lip“ („Eine steife Oberlippe bewahren“), also stets die Selbstdisziplin zu wahren, ist ein wichtiger Wert in Gesellschaft und Business. Vermeiden Sie es daher, in der Öffentlichkeit negative Emotionen wie Ärger und Ungeduld zu zeigen. Vorbild in Sachen Selbstdisziplin ist übrigens Queen Elizabeth, die schon so manchen Schicksalsschlag oder Familienskandal würdevoll gemeistert hat. Wer meint, in einem Meeting mal so richtig „Tacheles“ reden zu müssen, der wird schnell als taktloser „Kraut“ gelten. Tipp: Haltung bewahren – komme was wolle.

 

Kritik: Sanft und sicher

Im Geschäftsleben empfinden Briten die Deutschen als schroff, die gerne Deutsche direkt kommunizieren und ohne Umschweife auf den Punkt kommen. Die vielgeliebte deutsche konstruktive Kritik verpacken Briten deutlich freundlicher und weniger offensichtlich. Viele deutsche Geschäftsleute wundern sich, dass der Partner alles stets „very helpful“ und „interesting“ fand und dann trotzdem eine Absage kommt.

Echte Begeisterung drücken Briten mit „excellent“ oder „brilliant“ aus. Ein deutliches Zeichen für das Interesse an Ihnen und Ihren Dienstleistungen signalisiert die Einladung zu einem informellen Abendessen. „We want“ oder „you should“ sollten Sie direkt aus Ihrem Vokabular streichen. Und ein für deutsche Ohren gut gemeintes „could you please?“ toppen Briten noch durch ein wesentlich höflicheres „I wonder, do you think you could?“ oder „Would you mind?“.

 

Britischer Humor, ausgelassene Feiern – gelegentlich auch im Büro

Der britische schwarze Humor ist berühmt-berüchtigt: Für Ausländer ist er manchmal schwer zu erkennen, zumal oft eine Portion Selbstironie hinzu kommt. Britischer Humor kann bei Konflikten Wogen zu glätten, Emotionen überspielen oder Präsentationen auflockern. Pauschale Patentrezepte für Reaktionen gibt es nicht. Sind Sie eher introvertiert, müssen Sie sich sicher nicht verbiegen. Hauptsache, Sie sind „vorgewarnt“ und zeigen sich offen. Wundern Sie sich nicht über unkonventionelle Weihnachtsfeiern und verrückte Mottopartys. Überraschend aber „very british“: Ausgelassene Feiern sind typisch für Großbritannien und die Briten – und gelegentlich sogar im Büro erwünscht.

 

 

Gut gekleidet ist halb gewonnen

Elegant und konservativ – das ist der britische Kleidungsstil. Vor allem im Berufsalltag. In vielen Branchen, insbesondere er Finanzbranche, ist der dunkle Anzug mit Krawatte für Männer Pflicht, während Frauen im Business-Kostüm mit Rock und High Heels auftreten müssen.

Informieren Sie sich bei offiziellen Veranstaltungen oder Firmenevents über den meist vorgegebenen Dresscode: „Black tie“ erfordert das Tragen eines schwarzen Smokings mit Fliege. „Smart casual“ wiederum steht für die modische Mischung aus lässig und elegant. Eine Kombi aus Herrenanzug und legeren Schuhen oder modischer Stoffhose mit Hemd passt für Männer. Tipp für alle mit Mut zur Farbe: Bunte Socken.

Der letzte Schrei bei Bankern und Versicherungsleuten: pinke oder rote Socken zum dunklen Anzug. Im Zweifel gilt jedoch: Lieber ein wenig schicker kleiden.

 

Geschäftskontakte pflegen – am besten mit Grusskarten

Nationale Feier- oder Gedenktage sind eine gute Gelegenheit, sich bei Ihren britischen Geschäftspartnern in Erinnerung zu rufen. Während in Deutschland vor allem die jüngere Generation vor allem per Email oder Smartphone Grüße und Wünsche versendet, sind die Briten in dem Punkt lieber offline… sie lieben Grußkarten. Beglücken Sie Ihre Kollegen und Geschäftspartner zum Geburtstag oder zu Weihnachten mit einer persönlichen Karte, zum Fest der Liebe gerne auch mit einem Christstollen dabei. Eine ausgefallene und hochwertige Karte ist immer eine nette Geste, die gut ankommt und dabei hilft, den Geschäftskontakt zu pflegen.

 

 

*Susanne Philippsen ist interkulturelle Trainerin für Fach- und Führungskräfte und Systemischer Coach. Sie lebte viele Jahre in Südengland und absolvierte ein Aufbaustudium in Human Resource Management an der University of London. Die Halbitalienerin bildet bei den Carl Duisberg Centren interkulturelle Trainer aus.

 

 

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