Diversity: Britische Unternehmen befolgen durchaus Empfehlungen der Politik. Gastbeitrag von Sebastian Wood, dem Britischen Botschafter in Berlin.

Die Selbstverpflichtung im Corporate Governance Codex der deutschen Wirtschaft im Jahre 2000 hat nichts gebracht. Sie verschwand in der Schublade, keiner befolgte sie und nichts änderte sich. Gleichstellung der Frauen? Fehlanzeige. Behinderte in den Top-Etagen der Unternehmen? Nicht in Sicht. Anders als die britischen Unternehmen, die den politischen Empfehlungen zur Vielfalt in Unternehmen durchaus folgen.

Gastbeitrag von Sir Sebastian Wood, dem Britischen Botschaft in Deutschland zu den Aktivitäten der britischen Unternehmen.

 

Britischer Botschafter in Berlin: Sir Sebastian Wood (Foto: Britische Botschaft)

 

 

 

 

 

 

Die britische Regierung hat mehrere unabhängige Studien zum Thema Diversität in Auftrag gegeben, die zu dem Ergebnis kamen: Unternehmen mit besonders ausgeprägter ethnischer Vielfalt machen 33 Prozent mehr Umsatz als andere.

Das zeigte 2017 auch der McGregor-Smith Review: Die volle Beteiligung von Menschen am Arbeitsmarkt, die einer ethnischen Minorität angehören, bringen einen wirtschaftlichen Nutzen in Großbritannien von 224 Milliarden Pfund mit sich – das sind immerhin 1,3 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt.

Auch das Parker Review Komitee gab den Rat, die ethnische Vielfalt in britischen Vorständen zu erhöhen. Die Empfehlung: Die FTSE-100-Unternehmen – das ist der der wichtigste britische Aktienindex – sollten bis 2021 mindestens ein Vorstandsmitglied haben, das einer ethnischen Minderheit angehört.

Und diese Zielvorgabe sollten auch die FTSE-250-Unternehmen bis 2024 – die 250 größten britischen Unternehmen – erreicht haben.

 

Ein Drittel der Vorstände sollen Frauen sein

Empfehlungen dieser Art haben in Großbritannien Erfolg. Der Aufruf zu mehr Repräsentation von Frauen in britischen Vorständen nach dem Erscheinen des Davies Report zur Geschlechtergleichheit 2011 wirkt. Die Vorgabe, dass bis 2020 ein Drittel der Vorstandspositionen in FTSE-100-Unternehmen von Frauen besetzt werden sollen, werden viele der Unternehmen voraussichtlich erfüllen.

Vor sieben Jahren machten Frauen nur 12,5 Prozent der Vorstände in diesen Unternehmen aus, heute sind es 29 Prozent der Vorstände Das ist immerhin eine Steigerung von 132 Prozent. Und: Die Zahl der rein männlichen Vorstände in FTSE-350-Unternehmen sank im selben Zeitraum von 156 auf zehn.

 

Behinderte in Unternehmen

Oder: Um behinderte Menschen auf dem Arbeitsmarkt zu unterstützen, hat die britische Regierung verschiedene Initiativen ins Leben gerufen wie die Disability-Confident-Initiative. Eine Fallstudie von Fujitsu in Großbritannien berichtet, dass das Unternehmen den Anteil von Personen mit Behinderungen in ihrem Graduiertenprogramm signifikant erhöht hat (20 Prozent der Kohorte im September). Auch die Zahl der Angestellten, die angaben, eine Behinderung zu haben, ist gestiegen.

Als Diplomat habe ich das große Glück, tagtäglich mit Menschen zusammenzuarbeiten, die eine große Vielfalt repräsentieren. Diese Vielfalt ist enorm wichtig für unsere Arbeit im britischen Außenministerium, aber auch in unseren Botschaften und Konsulaten auf der ganzen Welt. Es ist manchmal eine Herausforderung, dieser Vielfalt zu begegnen, aber darin steckt auch unglaubliches Potential. Potential dafür, Fragestellungen mal von einem anderen Blickwinkel zu betrachten, andere Lösungsansätze zu finden und vielleicht auch, die Welt ein wenig besser zu verstehen.

Weil die Förderung von Vielfalt ein besonderes Anliegen der britischen Botschaft und Konsulate in Deutschland ist, gehören wir zu den Unterzeichnern der Charta der Vielfalt.

 

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