Wenn die Firma am Strand anruft – machen Mitarbeiter aus Freiwilligkeit zweiten Grades mit

Jetzt hat´s auch nochmal der Digitalverband Bitkom abgefragt, die bloße Nachricht überrascht auch keinen mehr – und wird von allen möglichen jeden Sommer um-gefragt – sie ist aber ein erschreckendes Signal: 71 Prozent der Berufstätigen sind inzwischen in ihren 12 Tagen Urlaub in Mallorca, Sylt oder sonstwo immer gut erreichbar.

Apropos: Mehr als 14 Tage nehmen heute die wenigsten Urlaub, mehr trauen sich die meisten nicht. Wenn davon zwei Reisetage abzuziehen sind, bleiben eh´ nur noch zwölf echte Urlaubstage übrig.

Der Digitalverband Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder kann diesem Phänomen offenbar nur Gutes abgewinnen: „Digitale Technologien ermöglichen ein flexibles und selbstbestimmtes Arbeiten – zu jeder Zeit und an jedem Ort“.  Dass es zur Erreichbarkeit während des Urlaubs individuelle Absprachen zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern geben solle. Und dass im Mittelpunkt die Erholung des Mitarbeiter stehe. Und enfin: Eine rechtliche Verpflichtung, auch im Urlaub ansprechbar zu sein, gebe es meist nicht.

 

Urlaubs-Arbeit ist alternativlos

Nur was ist die Alternative: Gab es früher noch Urlaubsvertretungen, so haben die allermeisten Firmen dafür gar nicht mehr genug Mitarbeiter an Bord. Entweder gibt’s nach den Ferien 3000 E-Mails, die man tunlichst alle durchgehen muss – das dürfte die ersten drei Tage nach dem Urlaub kosten.

Hinzukommt, dass die Dinge heute schneller gehen, Kunden und Geschäftspartner rasche Antworten brauchen. Zeit ist Geld, der Schnellere undsoweiter.

 

Die schönsten zwölf Tage im Jahr – hier am Strand in Süd-Frankreich

 

Lieber Schlimmeres verhüten

Die andere Sache: was in der Zeit, in der man out of order ist, daheim in der Company etwas anbrennt und irgendwelche ungewollten Folgen hat, greift man lieber auch vom Urlaubsort rasch ein – ehe irreparable Schäden passieren.

Da die meisten Mitarbeiter schlau genug sind, das selbst zu erkennen – andere bekommen übrigens gar kein Diensthandy – bedarf es keiner Anweisung, so dass die meisten eine Urlaubs-Abwesenheits-Rückmeldung anlegen nach dem Motto „Ich habe nicht immer Internetanschluss und kann meine Mails nur gelegentlich ansehen.“ Will heißen: Bitte, lieber Absender, gedulde Dich, aber lange dauert´s nicht.

 

Freiwilligkeit zweiten Grades

Ihre zwölf Netto-Urlaubstage unterbrechen die Arbeitnehmer also schon freiwillig – wofür aber eben die Arbeitsumstände sorgen. Es ist vielmehr eine Freiwilligkeit zweiten Grades, wie es mein Ressort-Kollege immer bezeichnet. Und es bedarf keiner großartigen, womöglich schriftlichen Anweisungen „Bitte bearbeiten Sie im Urlaub ihre Mails“. Die nämlich könnten ja wiederum auch gegen die Führungskräfte verwendet werden.

Kein Wunder also, dass Bitkom vermeldet: Meist melden sich im Urlaub vor allem die Kollegen (61 Prozent) und gleich per Anruf, die Chefs halten sich mit 23 Prozent vorsichtshalber im Hintergrund. Kunden sind es in 13 Prozent der Fälle – doch immerhin bleiben 24 Prozent verschont von Anrufen.

 

Mitarbeiter sind die ohne Unternehmerrisiko – wirklich?

An dieser Stelle nur mal zur Erinnerung: Mitarbeiter sind eigentlich diejenigen ohne eigenes unternehmerisches Risiko (und ohne entsprechende Vorteile),  und diejenigen, denen gegenüber Firmen Fürsorgepflichten haben.Auch für deren Gesundheit und insbesondere, wenn die nach unzähligen Entlassungsrunden aus Kostengründen (den Boni der Manager hat´s geholfen) nur noch wie die Hamster im Rad arbeiten, kaum zum Luft-Holen kommen und zum Dank als unkreativ verbrämt werden. Das jedenfalls dann, wenn sich Manager verantworten sollen für zu langsame Digitalisierung und wenn sie die angeblich so frischen jungen Start-ups mit ihren App-Ideen sponsern.

PS: Kein Wunder, dass sich die Mitarbeiter lieber mehr Urlaub als mehr Geld wünschen, wenn der Urlaub ohnehin kein richtiger Urlaub mehr ist:

 

Wenn die Firma am Strand anruft – machen Mitarbeiter aus Freiwilligkeit zweiten Grades mit

 

 

 

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