Die sieben Gründe, warum Mitarbeiter wirklich gehen – Gastbeitrag von Hermann Arnold

Obstkorb und Dienstwagen sind unnötig, wenn die Führungsqualität und Unternehmenskultur stimmen, findet Hermann Arnold von Haufe Umantis. Ein Gastbeitrag von Berater Hermann Arnold von Haufe Umantis, dem IT-Pionier und Spin-Off der Uni St-Gallen.

Sein Fazit: Wer seine Mitarbeiter übervorteilt, ihnen viel zu viel Arbeit zumutet und von unfähigen Chefs drangsalieren lässt, braucht auch ihnen auch keine Zen-Kurse anbieten. Und den trendigen Arbeitgeber des Internetzeitalters 4.0 mimen. Belegschaften haben da feine Antennen

 .

Aus Angst vor Fachkräftemangel lassen sich die Unternehmen etwas einfallen, um Mitarbeiter zu ködern und an sich zu binden. Man liest, dass im Silicon Valley Sterneköche für das Mittagessen der Belegschaft sorgen, Mitarbeiter mit technisch voll ausgestatteten Pendlerbussen des Unternehmens anreisen und dass ihre Wohnung zwischenzeitlich von einer Putzhilfe auf Firmenkosten gereinigt wird. Sicher, so hervorgehoben werden in der Presse nur Einzelfälle, die Norm sind sie sicher nicht.

Doch so oder so: So viele Wohltaten können sich die Deutschen nicht leisten, aber das Prinzip wurde verstanden. Obstkörbe, Essensgutscheine, fröhliche Sport-Wettbewerbe und Zen-Kurse in der Mittagspause sollen´s richten. So weit so kreativlos. Doch diese Annehmlichkeiten täuschen nur über gravierende Missstände hinweg.

 

Hermann Arnold

Hermann Arnold

Niemand kündigt wegen fehlender Obstkörbe

Selbst die Mitarbeiter im Silicon Valley entscheiden sich nicht wegen dieser oder jener Annehmlichkeit für ihren Arbeitgeber. Aber – und da sind sie sich einig – wer als Arbeitgeber keine Rundum-Verpflegung bietet, braucht gar nicht erst auf Bewerbungen zu hoffen. Verwöhn-Programme kommen tatsächlich gut an, sind aber nicht das entscheidende Kriterium für oder gegen einen Unternehmen.

 

Doch warum verlassen Mitarbeiter ihr Unternehmen? Bei Befragungen nennen sie selbst diese Gründe:

 

  1. Schlechte Beziehung zu den Vorgesetzten.
  2. Fehlende Work-Life-Balance, also zu viele Überstunden
  3. Zu wenig sinnstiftende Aufgaben und das Gefühl, keinen entscheidenden Beitrag leisten zu können.
  4. Keine Kooperation unter den Kollegen.
  5. Ungenügendes Vertrauen am Arbeitsplatz.
  6. Unangemessene Vergütung.
  7. Bescheidene Entwicklungsmöglichkeiten.

 

Danach folgen Probleme, die aus der tagtäglichen Zusammenarbeit entstehen. Schlechtes Kantinenessen hingegen kommt als Kündigungsgrund nicht vor.

 

Verwöhn-Programme binden die falschen Mitarbeiter ans Unternehmen

Es gibt Mitarbeiter, die kündigen aus den sieben, oben genannten Gründen. Es gibt aber auch Mitarbeiter, die zwar den gleichen Leidensdruck haben, aber dennoch dabei bleiben – aus Bequemlichkeit, weil der Dienstwagen so schön und der Obstkorb so lecker ist. Laut Gallup Engagement Index sind das rund 17 Prozent der deutschen Arbeitnehmer. Weitere 67 Prozent machen aufgrund ihrer Demotivation Dienst nach Vorschrift.

 

Wir müssen uns also fragen: Wollen wir wirklich Mitarbeiter halten, indem wir einen bunteren Obstkorb bieten als der Wettbewerber? Sollen demotivierte Mitarbeiter nur wegen Vergünstigungen und Anreizen weiterhin ihr Dasein im Unternehmen fristen? Der Gallup Engagement Index berechnet den volkswirtschaftlichen Schaden durch innere Kündigungen auf eine Summe zwischen 73 und 95 Milliarden Euro jährlich. Kosten, die sich die Arbeitgeber sparen könnten, würden sie an den wirklich relevanten Faktoren arbeiten. http://blog.wiwo.de/management/2015/03/11/gallup-studie-zu-mitarbeiter-engagement-die-meisten-schieben-nur-dienst-nach-vorschrift-hinter-ihrem-unternehmen-stehen-sie-nicht/

 

Erfolgsfaktoren: Gute Vorgesetzte mit Führungsqualitäten und gesunde Unternehmenskultur

Die Art, wie wir Unternehmen aktuell organisieren und welche Maßnahmen wir ergreifen, um das Arbeitsumfeld vermeintlich zu verbessern, ist überwiegend rückständig und ignoriert die wahren Erfolgsfaktoren. Die erfolgversprechendsten Bindungsmaßnahmen sind gute Vorgesetzte, ausgewogene Arbeitsbedingungen, sinnvolle Aufgaben, gelebter Teamgeist und entgegengebrachtes Vertrauen. Unternehmen sind produktive, soziale Systeme und wir sollten uns als ihre Architekten begreifen. Da reicht es nicht, die Mitarbeiter mit Komfort zu manipulieren. Statt auf Verführung sollten Unternehmen auf gute Führung setzen, denn die schafft den Raum für intrinsische Motivation und für echte Bindung über miteinander geteilte Werte. Dann darf der Dienstwagen oben drauf kommen – als nettes Extra.

 

 

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