Frauen-Karriere-Index: Bei Hewlett-Packard können Frauen am besten Karriere machen

Frauenförderung

 

Deutsche Firmen sollten sich an US-Unternehmen bei der Frauen-Karriereförderung ein Beispiel nehmen: Im Frauen-Karriere-Index sind zwei der Top-Four-Unternehmen aus Amerika.

Welche Unternehmen stellen sicher, dass Frauen bei allen Karriereschritten faire Chancen haben? Wo haben Frauen die Möglichkeit, tatsächlich bis an die Spitze vorzudringen? Der Frauen-Karriere-Index (FKI), der vom Bundesfamilienministerium ins Leben gerufen wurde, rankt seit 2013 Unternehmen, die Frauen durchlässige Karrierepfade bieten und sich für dieses Ranking beworben haben. Der Index soll objektiv und unabhängig die Aufstiegschancen von Frauen in deutschen Unternehmen untersuchen und er bewertet die teilnehmenden Unternehmen nach Zahlen, Daten und Fakten in den drei Kategorien Status/Dynamik, Commitment und Rahmenbedingungen. Was den Index ausmacht: Er liefert einerseits Kennzahlen zur Steuerung und Umsetzung und überprüft andererseits, wie es dem jeweiligen Unternehmen gelingt, dauerhaft mehr Frauen zur Karriere zu verhelfen und vor allem auch auf der  Karriereleiter zu halten. Insgesamt haben sich dieses Mal 133 Unternehmen dem Wettbewerb mit 30 Seiten Fragebögen gestellt.

 

 

Hewlett-Packard  auf Platz eins

Das Ergebnis: Auf Platz eins steht der IT-Produzent Hewlett-Packard 89 von 100 Punkten), auf Platz zwei die Deutsche Telekom (88 Punkte) und den dritten Platz teilen sich die HypoVereinsbank und der US-Halbleiterhersteller Intel Corporation (je 85 Punkte). Auffällig ist, dass von den ersten vier gleich zwei Unternehmen aus den Vereinigten Staaten stammen. Das dürfte zwei Gründe haben, meint die Studienverantwortliche Barbara Lutz: „Zum einen nehmen Amerikaner Frauen in Führungspositionen generell als Normalität wahr.  Zum anderen kommt es ihnen mehr auf Leistung als auf Netzwerke an – anders als den Deutschen.“ Kein US-Manager käme auf die Idee, eine Frau zu fragen, wie sie denn ihre Kinderbetreuung regeln würde. Was hierzulande gang und gäbe ist.

 

Miele hat den größten Sprung gemacht

Die größten Verbesserungen auf dem Index haben hingegen der Hausgeräteproduzent Miele (plus 14 Punkte), Consorsbank (plus elf Punkte), die Berliner Wasserbetriebe und Intel Corporation (plus zehn) erreicht.

 

Wichtigste Analyse: Wo kommen Unternehmen Frauen abhanden?

Wie mühsam die Geschlechtergleichstellung ist, zeigt diese Erkenntnis: Selbst engagierte Unternehmen schaffen nur ein Wachstum bei den Frauen in Führungspositionen von einem Prozent im Jahr, bilanziert Barbara Lutz. Denn die beeinflussenden Faktoren sind die jeweilige Unternehmensentwicklung, Firmenübernahmen, Personalabbau und Fluktuationsraten. Das A und O sind klare Messinstrumente, Maßnahmen und Ziele. Je realistischer die Ist-Analyse der Unternehmen bei der Bestandsaufnahme ihre Geschlechtergleichstellungs-Maßnahmen sind, umso eher können sie herausfinden, wo ihnen Frauen auf dem Karriereweg verloren gehen – und gezielt gegensteuern.

 

Kurzfristiger Aktionismus hilft nicht

Unternehmen brauchen bei der Frauen-Karriereförderung Kontinuität und Durchhaltevermögen, da sie „kein Sprint, sondern ein Marathon sind“, so Lutz. Kurzfristige Verlautbarungen der Unternehmensspitze, einige wenige Neubesetzungen mit Frauen oder kurzfristiger Aktionismus hilft nicht weiter.

 

Vor allem: Die ausgeglichene Besetzung der verschiedenen Führungseben gelingt nur dann, so Lutz, wenn weibliche wie männliche Talente früh gefördert werden, damit der Aufstieg auf der Karriereleiter geschlechtsneutral möglich wird.

 

46 verschiedene Förderungsmaßnahmen

Insgesamt wurden 46 Einzel-Maßnahmen identifiziert wie Gender-Führungskräfte-Trainings für Männer, Mitarbeitergespräche, Veröffentlichungen von Frauenquoten für Führungskräfte, Elternzeitförderung oder Anrechnung von Teilzeittätigkeiten als volle Berufserfahrungsjahre. Als Maßnahmen der Zukunft listet die Studie praktische Hilfen wie Wäsche-, Bügel-, Reinigungsservice – die auch für kinderlose Frauen durchaus wertvoll sind – , Frauenbeiräte, weibliche Talentpools oder Wahlarbeitszeiten für bestimmte Zeitperioden.

Nicht bewährt haben sich bei der Geschlechtergleichstellung jedenfalls längere Auszeiten wie Sabbaticals, so die Studie.

 

Auch Frauen haben Vorurteile gegenüber Frauen

Viele der teilnehmenden Unternehmen veranstalten Trainings, um die unbewussten Vorurteile und Benachteiligungen bewusst zu machen und zu vermeiden.  Besonders interessant ist hierbei, dass Frauen wie Männer diese Trainings nachfragen. „Vorurteile sind nicht geschlechtsspezifisch“, so das Resümee der Studienverantwortlichen und Gründerin des Frauen-Karriere-Index Lutz. „Nur die konkreten Ansprache und Adressierung dieser alltäglichen Schere im Kopf kann die unbewussten Verhaltensweisen überwinden.

 

Nach wie vor ist „der Aufstieg in den Vorstand für Frauen ungleich schwerer als für Männer“, urteilt Barbara Lutz. Allen Unkenrufen der Unternehmen zum Trotz, die seit über vier Jahren aus Angst vor einer Frauenquote und Heerscharen zurückgesetzter, übergangener, hochtalentierter Männer befürchten.

 

Report zum Frauen-Karriere-Index: Frauen-Karriere-Index_Report_4._Erhebung.pdf

 

 

Welche Unternehmen Frauenkarrieren wie gut fördern

Firma Rang
HP 1
Telekom 2
HVB 3
Intel 3
ING DIBA 4
Symrise 4
S(iemens)BK 4
Cort. Cons. 5
Berl. Wasser 6
TÜV Rheinl. 6
Miele 6
Klöckner 7
GFT 8
Sparkasse Hildesheim 9
Dentsu Aegis 10
Air Berlin 10
Hüttenwerke Krupp Mannesmann 10
Kao 10
Quelle: Frauen-Karriere-Index 2015
(erschienen 1/2016)

 

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Alle Kommentare [1]

  1. Interessant wäre es noch zu wissen, ob der regionale Bezug im Zusammenhang mit der Frauenkarriere steht. Wo haben diese Unternehmen ihre Standorte und wie sieht es da allgemein mit der Zufriedenheit aus. Unter einem Großkonzern tummeln sich mehrere Unternehmenszweige, die zwar das gleiche Geschäftsmodell haben, aber unter verschiedenen Personen geleitet werden. Würde ich nach einem Job in den hier genannten Unternehmen suche, würde ich meine Bewerbungen in die Großstädte schicken. Das Jobangebot ist größer und die Möglichkeit, in Netzwerkbeziehung mit anderen Unternehmen die Gesamtbranche kennenzulernen, ist einfach größer.