Frauen sind zu feige, um anständige Gehälter zu verhandeln – Gastkommentar Personalprofi Hermann Arnold

 

Frauen sind zu feige, um sich höhere Gehälter auszuhandeln. Ein Gastbeitrag von Berater Hermann Arnold von Haufe Umantis, dem IT-Pionier und Spin-Off der Uni St-Gallen.

 

Hermann Arnold

Hermann Arnold

Die Carnegie Mellon University erforschte: Ihre Master-Absolventinnen erreichten ein um durchschnittlich 4.000 US-Dollar niedrigeres Einstiegsgehalt als deren männliche Kommilitonen. Man betrieb Ursachenforschung: Nur sieben Prozent hatten überhaupt über ihr Einstiegsgehalt verhandelt. Von den Männern taten das immerhin 57 Prozent.

 

Der Unterschied zwischen erfolgreichen Frauen und Männern

Warum ist das so? Eine weitere Studie gibt einen entscheidenden Hinweis: Einige Wirtschaftsstudenten wurden gebeten, einen – recht beeindruckenden – Lebenslauf einer jungen Person zu bewerten: Der einen Hälfte der Studenten wurde der Lebenslauf von Heidi Roizen vorgelegt, um deren Lebenslauf es sich tatsächlich handelte. Die andere Hälfte der Studenten bekam dieselbe Vita unter dem fiktiven Namen Howard Roizen demonstriert.

Die Bewertung des identischen Falls fiel so aus: Beide Personen wurden als sehr kompetent und erfolgreich eingestuft. Doch während die Studenten Howard sympathisch fanden, gingen sie davon aus, dass Heidi eine eher unangenehme Zeitgenossin sein würde und entschieden, man würde sie weder gerne einstellen, noch mit ihr arbeiten wollen.

Das Fazit: Stereotype Vorurteile allein aufgrund des Geschlechts – und nicht nur Männer haben diese Vorbehalte, sondern auch Frauen gegenüber anderen Frauen.

 

Sheryl Sandberg fasst in ihrem Buch „Lean In“ zusammen: „Sich auf ‚typisch‘ weibliche Art und Weise zu verhalten, macht es schwer, dieselben Gelegenheiten ergreifen zu können wie Männer. Doch setzt eine Frau sich über solche Erwartungen hinweg und ergreift diese Gelegenheiten einfach, hält man sie für egoistisch und der Sache nicht würdig.“

 

Die Crux der selbsterfüllenden Prophezeiung: Frauen müssen Muster durchbrechen

Das Problem ist also zu großen Teilen selbstgemacht: weil Frauen diese Spirale des von ihnen bestehenden Bildes und dessen Manifestierung nicht unterbrechen. Sie sind nicht mutig genug, sich unbeliebt zu machen. Stattdessen lassen sie sich von den an sie gestellten Erwartungen einschüchtern, bleiben deshalb lieber bescheiden und beharren nicht auf ihren individuellen Wert. Und manifestieren damit das Bild, das man(n) von ihnen hat.

Meine Forderung ist: Das muss aufhören, wenn sie ernst genommen werden und wir eine gleichberechtigte Bezahlung erreichen wollen.

 

Ich saß vor einiger Zeit mit einer Mitarbeiterin in einer Gehaltsverhandlung. Wir hatten zuvor einen eher moderaten Lohn vereinbart, weil sie Quereinsteigerin war, aber sie machte ihren Job wirklich gut. Das sah ich so und – dem Verlauf des Gesprächs nach zu urteilen – sie ebenfalls. Meine Kollegen und ich hatten uns auf eine deutliche Lohnerhöhung vorbereitet. Doch was machte sie? Sie sagte: „Es wäre schön, wenn ich zweihundert bis dreihundert Franken mehr verdienen könnte.“

Wozu die Demut? Sie hätte wissen müssen, wie ein typischer Lohn für ihre Aufgabe aussieht – Quellen dazu gibt es genügend. Und sie hätte ihn verlangen sollen.

 

Frauen müssen den eigenen Wert kennen und mutig einfordern

Frauen sind zu vorsichtig, haben zu wenig Selbstbewusstsein oder trauen sich zumindest nicht, es zu zeigen. Männer gehen ganz anders in Lohngespräche. Sie sehen es sportlicher und können ein „Nein“ besser wegstecken. Sie testen ihre Grenzen aus und schauen, wie weit sie gehen können. Männer trauen sich, unverschämte Löhne zu fordern.

Frauen fehlt das Selbstvertrauen dafür. Natürlich geht es nicht um einen Lohnbasar, aber wenn man selbst von seiner Leistung nicht überzeugt ist, wie soll es dann der Arbeitgeber sein? Vielleicht kommt der Vorgesetzte auch auf diese Weise überhaupt erst darauf, sich ernsthaft Gedanken über den Wert seiner Mitarbeiterin zu machen.

 

Übrigens sind auch weibliche Führungskräfte nicht davor gefeit, das Tiefstapler-Angebot ihrer Mitarbeiterinnen anzunehmen, ohne es zu hinterfragen. Warum auch nicht, wenn die Leistung stimmt und diese auch noch günstig zu haben ist? Natürlich sollten Gehälter fair und leistungsgerecht sein, aber das liegt eben auch mit in der eigenen Verantwortung. Und dabei gibt es doch nicht mal etwas zu verlieren: Im schlimmsten Fall kassiert man ein „Nein“, im besten Fall einen fairen Lohn.

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