Ein Teller Lammschulter mit Managerhaftungsanwalt Wettich: Die Ängste der Top-Manager und Insolvenzverwalter

Die Angst vor persönlicher Haftung – bei Aufsichtsräten, Vorständen und Insolvenzverwaltern

 

Carsten Wettich, von Berner Fleck Wettich

Carsten Wettich, von Berner Fleck Wettich

Die Zahlung, die Carsten Wettich gerade prüft, erfolgte vor neun Jahren, erzählt mir der Anwalt beim Business-Lunch im Düsseldorfer Basils. Es war damals eine Abfindung für einen MDAX-Vorstand. Durchgewunken hatte sie der Aufsichtsrat, von dem heute keiner mehr an Bord ist und die Nachfolger lassen sicherheitshalber und aus Compliance-Gründen rigiros alles abchecken, was vor ihrer Ära an Widerrechtlichem passiert sein könnte. Denn die jetzigen Unternehmenskontrolleure haben Angst, selbst so viele Jahre nach dem Vorgang.

 

 

Die Situation ist typisch: Der heutige Aufsichtsrat will von Wettich, dem Partner der jungen Düsseldorfer Kanzlei Berner Fleck Wettich, wissen, ob er das Risiko läuft, möglicherweise selbst schadenersatzpflichtig zu sein. Wenn die Abfindung nämlich zu hoch war und er verpflichtet wäre, fürs Unternehmen Schadenersatz zu verlangen.

 

Gute Zeiten für Rechtsanwälte

Dann beauftragen Unternehmen – das ist üblich und zuweilen an der Grenze zur Lächerlichkeit, sagen manche DAX-Vorstände – gleich zwei Kanzleien, die hierzu ein Gutachten zu schreiben. Manchmal entsteht dann sogar eine Patt-Situation, wenn jedes Gutachten zu einem anderen Ergebnis kommt. Auch das kommt vor. Dann wird auch noch eine dritte Kanzlei beauftragt. Gute Zeiten für Rechtsanwälte.

 

Noch angespannter als amtierende Aufsichtsräte ist eine andere Sorte Klienten: Verfolgte Ex-Manager, denn die sind dann in einer Extremsituation. Geht es doch um ihre Existenz, ihr Privatvermögen und ihre Altersabsicherung. Ist ein Manager gar gerade erst von seiner Company kalt gestellt worden, belasten ihn zusätzlich das Reputationsproblem und der persönliche Absturz. Von jetzt auf gleich kein PC mehr, keine Sekretärin, kein Dienstwagen mehr und auch kein Fahrer.

 

Wenn Manager plötzlich einsam werden

Auch sein Netzwerk, die Freunde und Bekannten – sie melden sich nicht mehr bei ihm, alles bricht weg. Diejenigen, die sich frühe rum seine Gesellschaft rissen,gehen ihm nun aus dem Weg. Zumindest wenn die Lokalpresse berichtete und alle im Ort bescheid wissen.

 

„Für den ist es wie ein Berufsverbot“, erzählt Wettich. Denn  so ein Prozess oder auch nur die Verhandlungen mit allen Anwälten, dem D&O-Versicherer und Gutachtern dauern Jahre. In der Zeit kann er auch keine neue Stelle antreten, selbst wenn er wollte. Mehr als 20.000 Manager in Deutschland – so haben Managerhaftungsexperten errechnet – waren es schon vor knapp zwei Jahren, die von ihrem Ex-Arbeitgeber mit Schadenersatzforderungen für Managementfehler überzogen wurden. Tendenz steigend.

 

Insolvenzverwalter auf der Pirsch

Neuerdings kommt auch noch eine weitere neue Angreiferfront für Manager hinzu, erzählt Wettich. Die Insolvenzverwalter. „Die haben eine ganze Welle von Haftungsklagen ausgelöst“, berichtet Wettich. Deren Motiv ist nicht nur, für die Gläubiger zu sichern, was noch zu sichern ist. Sie wollen auch selbst nicht haften müssen – so wie die Top-Manager – , weil sie womöglich die Durchsetzung möglicher Schadenersatzansprüche versäumt haben. Die Insolvenzverwalter tragen beim Verfolgen von Ex-Managern wie Thomas  Middelhoff nicht mal ein eigenes Kostenrisiko dabei und sind ganz fix dabei mit Schadenersatzklagen, erzählt der Jurist.

Schätzungsweise 40 Prozent der Fälle, die Wettichs Kanzlei derzeit bearbeitet, sind solche Managerhaftungsfälle oder Überprüfungen von Vergütungsregelungen, der Rest sind M&A-Deals, Beratung von Familienunternehmen, Gesellschafterstreitigkeiten und Umstrukturierungen.

Wettich hat die Lammschulter bestellt.

 

 

http://www.bernerfleckwettich.de/

Lesehinweis zum Thema: „Vorstände in der Zange“ http://blog.wiwo.de/management/2015/05/03/vorstande-in-die-zange-genommen-vom-aufsichtsrat-aktionaren-medien-oder-kartellamt/

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