Naujoks in New York (VIII): Frank Sinatras Billardzimmer

Für drei Monate ist Stephan Naujoks, 49, CEO und Co-Gründer des Kieler Start-ups Snapmobl, in New York über das German Accelerator Programm. Snap­mobl transformiert Webseiten von Kleinunternehmen vollautomatisch in Smartphone-optimierte Varianten. Das Ergebnis ist eine mobile Webseite, die sich durch bestmögliche Kontakt-Raten auszeichnet.  Snapmobl vermarktet diese Lösung seit einem knappen Jahr und hat seitdem rund 4.500 Webseiten transformiert .

Naujoks Ziel bis zum 31. März 2015: Die Vermarktung von Snapmobl in den Vereinigten Staaten.

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Selfie Stephan Naujoks im Big Apple - Januar 2015

Selfie Stephan Naujoks im Big Apple – Januar 2015

„Alter Schwede,“ war mein erster Gedanke, als ich die Empfangshalle meines Kunden-Meetings am Freitag Nachmittag betrat. Wir haben uns nicht in seinem Büro getroffen, sondern im Friars Club. Der Friars Club ist ein Privatclub, dessen Mitglieder größtenteils aus der Unterhaltungsindustrie kommen. Da der Club bereits seit 1904 besteht, sind auf den Bildern an den Wänden sämtliche großen Stars der vergangenen 100 Jahre bei ihren Club-Besuchen zu sehen.

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Und der Club ist genauso, wie man sich ihn vorstellt: Dunkles Holz, gedämpftes Licht, Kristallleuchter an den Decken. Und in dem Billardzimmer, in dem schon Frank Sinatra von Dean Martin abgeledert wurde, durfte ich gegen meinen Kunden im Billard antreten. Nun bin ich solch ein Billard-Talent, dass ich mir keine Sorgen um meinen Auftrag machen musste: In knapp drei Stunden habe ich kein Dutzend Kugeln versenkt bekommen – mein Kunde hat für die Club-Meisterschaften trainiert – dafür habe ich den Auftrag 😉

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Wichtiges Detail am Rande: Ab 18 Uhr kommt man nur im Jacket rein – dafür besteht aber kein Krawattenzwang, wie es wohl in anderen Business-Clubs üblich ist. Alles Wichtige und ein tolles Bild vom Billardzimmer auf http://en.wikipedia.org/wiki/New_York_Friars_Club

 

Mindestens genauso interessant war meine Teilnahme an einem Pitch-Event bei dem größten Business-Angel-Netzwerk der USA. Die sechs teilnehmenden Start-Ups machen eine Tour an drei aufeinanderfolgenden Tagen an drei verschiedenen Standorten. In New York waren circa 60 Angels anwesend. Die Pitches waren allesamt beeindruckend: Die CEO’s eher in meiner Altersklasse (50 plus). Neben Technologie war der Schwerpunkt der Geschäftsfelder Lifescience – von Geräten über Arzneien bis zu Medizin-Diagnosesoftware.

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In 2014 wurden sagenhafte 79 Investments getätigt – beeindruckend. Neben einer standardisierten Due Dilligence hat das Netzwerk einen eigenen Investmentfonds aufgesetzt, um das Risiko der Einzelinvestments besser verteilen zu können.

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Wenn der Security-Check die Veranstaltung behindert

Apropos Risiko: Der Sicherheitscheck am Eingang könnte allen Flughäfen dieser Welt Konkurrenz machen. Die Veranstaltung konnte erst mit einer halben Stunde Verspätung starten, da der Großteil der Teilnehmer im Sicherheitsbereich feststeckte.

Wesentlich lockerer ging es bei einem Pitch-Event der Belgischen Handelskammer zu: Belgien-typisch gab es sechs Biersorten zur Auswahl. Ausgeschenkt wurde bereits vor dem Event. So sah der rund zwölf Meter lange Besprechungstisch bei der Vorstellung der Startups schon sehr entspannt aus.

Und da habe ich sie auch endlich gesehen: Die Präsentation, die mich vom Hocker haut. Story-Telling vom Feinsten, jeder Satz ausgefeilte Superlative. Ich war schwer beeindruckt. Da fiel kaum mehr auf, dass das Start-Up erst vier Kunden hatte…

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Tech-Meetup mit 780 Teilnehmern

Ich hatte ja schon berichtet, dass die übrigen Präsentationen, die ich hier gesehen habe, den unseren stark ähnelten. Bei dieser war das anders und richtig Ami-like – auch wenn es ein Belgisches Unternehmen war. Zum dritten mal habe ich am New York Tech-Meetup teilgenommen: Ich bin immer noch beeindruckt von den Teilnehmerzahlen: 780 stand auf der Webseite.

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Mein Schwerpunkt bei der Arbeit am Business-Modell für den amerikanischen Markt war, den Product-Market-Fit abzuschließen. Nach unzähligen Kunden-Interviews ging das ohne größere Anpassungen über die Bühne. In unserem Fall sind die Anforderungen der europäischen und amerikanischen Kunden sehr ähnlich.

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Anpassungen des Businessplans

Interessant fand ich den Hinweis meines Mentors, wie mit Anpassungen am Businessplan umzugehen ist: In Deutschland ist ja eher so, dass der Businessplan am grünen Tisch erarbeitet wird. Muss man sich dann später an den Markt anpassen und Dinge ändern (Pivot), wird das von Publikum und Investoren recht negativ gesehen.

Mein Mentor meint: „Pivoting saves your job“. Er hält das für die wichtigste und positivste Eigenschaft eines Unternehmers, schnell herauszufinden, wo etwas im Product-Market-Fit nicht passt und sich genauso schnell daran anzupassen.

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Der Hot-Dog-Test: St.Pauli als klarer Sieger

Und am Wochenende war es endlich soweit: Wetter und Arbeitsprogramm ermöglichten endlich den heiß ersehnten Besuch auf Cooney Island, um den ultimativen Hotdog-Contest durchzuführen – Nathan’s, der selbsternannte Erfinder des Hotdogs gegen den Liebling aller St. Pauli-Gourmets, den dänischen Hotdog-Stand auf der Reeperbahn.

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Das Ergebnis war eindeutig: Ambiente, Zutaten, Service (bei Nathan’s gibt’s an der Kasse nur das Brötchen mit Würstchen, Zutaten mixt man sich Ikea-like selbst), Öffnungszeiten, Preis – überall der klare Sieger: St. Pauli.

 

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Cooney Island selbst war fast völlig ausgestorben: Der Winter hat New York trotz strahlendem Sonnenschein voll im Griff. Kein Wunder bei -15 Grad Celsius.

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Der Schnee kommt auch noch regelmäßig von oben – gestern gab es tagsüber gute 15 Zentimeter Neuschnee, durchgehende Schneedecke auf allen Straßen inklusive.

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Und dann habe ich sie nach zwei Monaten in New York doch entdeckt: Die 5th Avenue für Männer.

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Und dazu passend noch eine lustige Geschichte: Ich habe auch endlich herausbekommen, wie einfach die New-Yorker das „Schatz-bring-doch-mal-den-Müll-runter-Problem“ gelöst haben: Hinter diesem Fensterladen verbirgt sich nicht etwa ein Fenster, sondern ein Müllschlucker – zwei Schritte von meiner Wohnungstür entfernt. Toll!

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