Ein Teller Crespelle mit Management-Coach Sibylle Schuld: „So können Sie mit Ihrem Hund reden“

Was sie macht, macht sie ganz – oder gar nicht. Sibylle Schuld hat die Chili-Schote zu ihrem Brand erhoben und deshalb taucht sie auch in roter Jacke, mit roter Handtasche und in roter Strumpfhose im Düsseldorfer „Pezzo“ in der Hohe Strasse auf. Das Lokal ist nah am Carlsplatz, auf der Rückseite des Verlags und mittags proppevoll mit Journalisten, Anwälten und wer sonst noch so in der Umgebung arbeitet.

By the way: Ja, Düsseldorf hat auch eine Hohe Strasse, liebe Kölner. Einmal hat sich ein Gesprächspartner auf die Kölner Hohe Strasse verirrt, als wir in Düsseldorf verabredet waren. Ich hab den Mann dann nie mehr kennen gelernt. Es blieb beim – netten – Gespräch mit seinem PR-Adjutanten, der offenbar eher in der Lage war, die Städte auseinander zu halten.

Doch zurück zu Sibylle Schuld, die früher ebenfalls in der Verlagsgruppe Handelsblatt gearbeitet hat – sogar 14 Jahre lang, gleich ab dem Studium – und dort zuletzt 28 Mitarbeiter hatte. Doch weil sie als Gesamtanzeigenleiterin für sämtliche Print-Titel des Hauses von „Zeit“, „Handelsblatt“, „WirtschaftsWoche“, „Tagesspiegel“ und „Mare“ tätig war, hatten wir nie Berührungspunkte bei der Arbeit. Doch man kannte sich.

 

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Aber nach über einem Jahrzehnt beim ersten Arbeitgeber wollte sie´s nochmal wissen,bildete sich fort und gründete Chili Coaching. Wie sie um Himmels Willen auf diesen Namen kam? „Chili steht für Würze und Wirkung – und führt so zu Erkenntnissen, Erstaunen und kann auch mal unbequem sein“, schreibt die Kölnerin auf ihrer Homepage. „Und vor allem ist es wohltuend für den Magen“, erklärt sie mir. Aber eigentlich isst sie eben auch gerne Thai Curry mit Hähnchen und ähnliche scharf gewürzte Gerichte.

Doch hier im „Pezzo“ hat sie sich „Crespelle“ bestellt, das superheiß auf den Mini-Hochtisch kommt, aber nicht scharf. Und sie erzählt, dass sie in ihrem Ex-Job schon gerne junge Leute entwickelte und es ihre „Passion sei, Menschen zu fördern und ihnen weiterzuhelfen, wenn sie sich selbst in einer Sackgasse sehen“. Egal ob alleine oder als Team. „Manche Menschen verbeißen sich regelrecht in Probleme, finden keinen Ausweg mehr – und denen soll eine andere Perspektive helfen, die sie ihnen aufzeigt.

 

Das will ich nicht – aber was wollen Sie?

Da war beispielsweise das Team mit einer einzigen Frau, in dem sich alle acht Leute daran störten, dass ihnen das Miteinander fehlte. Soweit so typisch. Nach zwei Work-Shops für alle und ein paar Einzelgesprächen war die Lage klar: sie alle redeten übereinander, aber nicht miteinander. Jeder wusste ganz genau, was er  nicht wollte – aber was er wollte, konnte keiner sagen. Zuerst nicht. Aber nach dem Coaching schon, erzählt Sibylle Schuld. Und was die Männer, samt und sonders Techniker, gelernt haben: frau will auch in E-Mails eine Anrede sehen, Abkürzungen und Stakkato-Stil kommen bei ihr gar nicht gut an. Aber das dürfte eine der leichteren Übungen sein.

Crespelle im "Pezzo" in Düsseldorf

Crespelle im „Pezzo“ in Düsseldorf

 

Und dann wird´s spannend. Sibylle Schuld erzählt, wie die Menschen immer erst einsehen müssen, dass sie ihre Chefs und Kollegen neverever ändern können – aber dass es trotzdem einen veritablen Ausweg gibt: „Man kann nur sich selbst ändern, nicht die anderen – und zwar die eigene Haltung.“

 

Beschließen, sich nicht mehr zu ärgern

 

Zum Beispiel beim – gar nicht so seltenen – Guten-Morgen-Thema. Wenn in einem Unternehmen keine Grüß-Kultur existiert und alle wortlos kommen und gehen oder tagsüber aneinander vorbei laufen. „Dann kann nur der Einzelne versuchen, extra freundlich zu grüßen – oder zu beschließen, sich nicht mehr zu ärgern und entspannter zu sein.

Gegen grobe Kollegen und Vorgesetzten helfen Sätze, die Grenzen aufzeigen wie „So können Sie mir Ihrem Hund reden, aber nicht mit mir.“ Chefs fiele es regelmäßig schwer, einzusehen, dass ihre Mitarbeiter keine Maschinen, sondern Menschen sind – und die eben nicht auf Knopfdruck reagieren. Obendrein treten viele Untergebene „Fantasie-Reisen“ an, sobald sie eine kleine Kritik ernten und sofort Angst um ihren Job hätten.

Umso wichtiger sei es für Chefs, zu wissen, was ihre Mitarbeiter antreibt, um sie „motivgerecht führen“ zu können. Also nicht sich selbst als Vorgesetzter mit den eigenen Vorstellungen auf Biegen und Brechen durchsetzen, sonder andere mehr respektieren. Denn eine wichtige Erkenntnis für den Arbeitsalltag sei, dass „das Gegenüber nicht anders ist, weil er jemand ärgern will, sondern weil er einfach anders ist.“ Wer das versteht und verinnerlicht, dürfte mit seinen Leuten einen deutlich entspannteren Umgang haben.

 

 

 

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Der Irrtum: Es geht nur um den Job

Oder der Irrtum der meisten Kunden: „Es geht um ein rein berufliches Thema“ – und dann käme immer das persönliche, private Thema. Manche entdecken während des Coachings, das eigentlich ihre Firma für sie das allerbeste ist und können ihr Schicksal danach auch annehmen, erzählt Schuld. Andere haben ein Knäuel von Wünschen, Erwartungen, Hoffnungen und Gedanken im Gepäck, mit denen sie erst mal gemeinsam ein Pack-Ende finden muss.

Was Chili-Freundin Schuld noch festgestellt hat? Dass Frauen sich oft selbst im Weg stehen mit ihren Glaubenssätzen: Sei perfekt, denke erst an die anderen und sei beliebt. Oder so. Männer jedenfalls sind im Kopf meist frei von solchen Zwängen und das hilft ihnen weiter.

 

Empathie kann man nicht antrainieren

Und in einem ist sich Sibylle Schuld auch ganz sicher: Empathie lässt sich nicht trainieren, dann ist sie nämlich aufgesetzt. Dann gehen gute Wünsche wie Bekundungen von Mitgefühl ins Leere und erzeugen Misstrauen, was eindeutig schlimmer sei als fehlende Empathie. Man hat sie, oder nicht. Im letzteren Fall sollte man keine Menschen führen. „Wer nicht ehrlich wertschätzend ist und persönliche Fragen nur aus Alibi-Gründen stellt, sollte überlegen, ob er auf dem richtigen Posten ist.“ Denn der menschliche Umgang ist wesentlicher Bestandteil von Führungsjobs.

 

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http://chili-coaching.de/

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Alle Kommentare [3]

  1. freut mich, dass Sybille und Du essen wart. Nächstes Mal komme ich mit! 🙂

    Schöner Beitrag, ich wünsche viel Erfolg und eine Menge scharfe Erkenntnisse in 2015!

  2. Ich finde, ein sehr interessanter Auftritt von Frau Schuld ohne Schnörkel und Mainstreamphrasen – wesentliche Führungsprinzipien werden beeindruckend einfach auf den Punkt gebracht !
    Ich wünsche Chili-Coaching viel Erfolg!