Wenn ein Frauenquötchen die fast 100-prozentige Männerquote ausbremsen soll

Wenn ein Frauenquötchen die fast 100-prozentige Männerquote ausbremsen soll

Schwarz-rot hat nun, mit drei Jahren Anlauf und drei Jahre später als die Franzosen, auch eine Frauenquote beschlossen. Sie hat´s endlich geschafft, allen Widerständen zum Trotz.

Mal ganz zu schweigen von den 13 Jahren freiwilliger Selbstverpflichtung – der Begriff ist schon drollig – , in denen die Top-Manager hierzulande mitnichten die Gleichberechtigung der Frauen bei Spitzenjobs in der Wirtschaft zulassen wollten. Ihre Glaubwürdigkeit ist jetzt perdú, aber geschadet hat auch das nicht.

 

Kein Durchbruch

Was jetzt herausgekommen ist, ist aber alles andere als ein Durchbruch. Man kann es eher als Frauenquötchen bezeichnen denn als Quote. Schließlich hat die ganz überwiegende Zahl der Frauen nichts davon.

 

Und so harte Strafen wie die Norweger, die damals widerspenstigen Unternehmen gar die Schließung androhten, gibt es hierzulande ohnehin nicht.

 

Und doch jagen rund 160 Nebenjobs in den 100 größten Unternehmen für Frauen den Männern anscheinend immer noch große Angst ein.

 

Dabei kann man sie gleich beruhigen:

Erstens wird es keine ganze Armada dieser ihnen fremden Spezies werden: Wenn sie nämlich, wie Männer auch, mehrere dieser Aufsichtsratsposten annehmen. Also sagen wir mal, wenn 50 Frauen je drei dieser Nebenjobs übernehmen.

 

Zweitens müssen sie ja gar nicht Männer rausdrängen aus deren Jobs. Diese doch gut verdienenden 100 größten Unternehmen könnten ja auch zusätzliche Frauen-Pöstchen schaffen. Leisten könnten sie es sich bestimmt. Und angedacht ist ja ohnehin, dass nur die freiwerdenden Posten mit Nachrückerinnen besetzt werden sollen.

 

Drittens könnte man den Damen Coaches an die Seite stellen, damit sie die Männer-Spielregeln – die sie ja anscheinend bisher ausgrenzen – rasch beherrschen lernen und im Top-Manager-Sandkasten problemlos mittun können.

Denn es scheint ja tatsächlich so, dass Frauen mit ihrer blauäugigen Art „ich will durch meine Leistung wirken und ja nicht als Person“ oben in der dünnen Chefetagen-Luft scheitern.

 

Viertens ist die ganz überwältigende Mehrheit der Unternehmen nicht betroffen.

 

Und fünftens geht es nur um die Aufsichtsräte und nicht um die Vorstände. Die sind nicht unwichtig, aber sie übernehmen kein Kommando im Tagesgeschäft, sind nicht mal weiter präsent im Unternehmensalltag.

 

Weniger als ein Teilzeitjob

Es geht so gesehen um weniger als einen Teilzeitjob: Es ist ein kleines Projekt von vielleicht maximal 30 Tagen Aufwand im Jahr – und vor allem mit einem so hohen Haftungsrisiko, dass mancher Mann den Job heute schon dankend ablehnt. Allen voran die Top-Anwälte, die wollen inzwischen mehrheitlich nicht mehr in diese Gremien – und wissen auch warum.

 

Gradezu beschämend finde ich, dass Deutschland beim Thema Frauen in Top-Positionen das Schlusslicht in ganz Europa bildet – und das so gar nicht realisiert. Geschweige denn darüber betroffen ist, was sonst ja durchaus eine Spezialität der Deutschen ist.

 

Briten sind stolz auf ihre Karrierefrauen

Gestern sprach ich mit der britischen Generalkonsulin in Düsseldorf, Susan Speller und was sie über die deutsche Gleichberechtigung sagte, gibt zu denken:

 

Die Briten seien stolz darauf, dass sie in ihrer Wirtschaft bereits so viele Frauen in Spitzenpositionen haben. In den großen britischen Börsengesellschaften ist jede fünfte Führungsposition mit einer Frau besetzt.

 

Sie wunderte sich, dass sie in den deutschen Top-Etagen der Wirtschaft fast immer nur mit Männern begegnet – wo die Deutschen doch eine Kanzlerin und eine Verteidigungsministerin haben.

Susan Speller, Britische Generakonsulin in Düsseldorf

Susan Speller, Britische Generakonsulin in Düsseldorf

 

 

Heribert Prantl von der „Süddeutschen Zeitung“ zur Einführung der Frauenquote – und dem Gebot der Gleichberechtigung:

http://www.sueddeutsche.de/politik/einigung-bei-frauenquote-schluss-mit-der-maennerquote-1.2238750

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