Generation Y kann leider nicht selbständig denken? Ja gibt es sie überhaupt?

Also diese sogenannte Generation Y, erst wird sie so gehiped und nun – nach und nach – wieder entzaubert? Wie genau lesen Sie unten. Kamen sie doch quasi als neue Helden der Arbeit daher – nur ohne Heldentaten freilich: Selbstbestimmt, nicht so unterwürfig wie die Generationen vor ihnen, nicht hierarchieorientiert undsoweiter.

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Nicht die Kokettier-Ungeduld

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Und Ungeduld wurde ihr zugeschrieben – aber anders als diese Ungeduld, die sich jeder Manager in einem Fragebogen zuschreibt, wenn er nach seinem größten Fehler gefragt wird. Diese Kokettier-Ungeduld.

Sondern eine Art Ungeduld wie diese: Wenn ihnen ihr Arbeitgeber nicht die versprochenen Aufgaben zuweist und die versprochene Karriere schnell genug ermöglicht, hauen sie einfach ab. Buckeln? Abwarten? Lange hochdienen? Fehlanzeige bei der Generation Y, hieß es. Und die Personalchefs sollten sich gefälligst Gedanken machen, wie man sie halten könne. Wenn sie doch so flüchtige Rehe seien.

Dass Loyalität zu einem Unternehmen eigentlich aus etwas Gutes sein kann, war irgendwie vergessen.

So, das alles habe ich bisher über die sagenhafte Generation Y gelernt, zumindest auf dem – da haben wir´s wieder – geduldigen Papier oder noch geduldigerem Bildschirm.

 

 

Wo stecken sie denn? Die aus der fordernden, ungeduldiger Generation?

Denn: Bei meinen Recherchen sind sie mir einfach noch nicht begegnet. Ob im Bekannten- und Freudeskreis, im Sportclub, an keiner Kneipentheke oder sonstwo.

Da treffe ich eher auf die anderen: die ein Praktikum nach dem anderen absolvieren oder absolvieren mussten, sich lange bewerben und abstrampeln mussten, bis sie eine vernünftige oder überhaupt eine Stelle haben. Von Rebellengeist keine Spur, eher im Gegenteil.

Das Rebellischste an ihnen ist noch, dass sie ihre zwei Monate Elternurlaub nehmen, jedenfalls die Männer. Mein Eindruck: Gar kein so großer Unterschied zu denen, die nicht Generation Y sind.

 

Oder sind sie ein Mediengespenst?

Sie vermuten nun vielleicht, nur mir begneten die Generation-Y-Menschen nicht? Jennifer Bentz, junge Autorin des Erfolgs-Buchs „Einfach mal klarkommen. Studium – Praktikum – Berufs“ erzählte mir im Zuge einer Recherche zum Thema Überforderung: „Die Generation Y sehe ich nicht.“ mehr noch: Sie sehe nirgends junge Leute, die im Unternehmen Forderungen stellen können – in ihrem ganzen Freundeskreis nicht. Bentz: „Diese Generation Y ist wirklich höchst ominös und  existiert nur in den Medien, nicht in der Realität.“

Bei der „Huffington Post“ jedenfalls lädt Personaler Thomas Eggert ein, das Thema zu diskutieren, weil er auch Zweifel an der Existenz der Y´ler hat:   http://www.huffingtonpost.de/thomas-eggert/generation-y-ist-sie-doch_b_4707421.html

Und zwar seit er die Studie kennt von Absolventa Jobnet, „nach der für Berufseinsteiger das Gehalt das wichtigste Kriterium ist, gefolgt von Themen wie berufliche Perspektive und die spezifische Aufgabe. Allein diese drei Themenfelder machen ca. 61 Prozent der Kriterien aus. Wenig wichtig waren flexible Arbeitszeiten oder das soziale Engagement des Arbeitgebers. Zu lesen im Online-Portal von Haufe.“ Genau so sei es schon bei seinem eigenen Berufseinstieg gewesen – vor 30 Jahren.

 

Und wer entzaubert noch die Generation Y? 

Zum Beispiel der Headhunters Odgers Berndtson mit seiner Umfrage unter 500 Personalchefs. Die Personalexperten schlagen noch ganz andere, wenig schmeichelhafte Töne über die Generation Y an:

Unkritisch sei die Generation Y – und unselbständig, kurz, die Headhunter stellten den Youngsters ein „mäßiges Zeugnis“ aus. Unterm Strich. Auch wenn sie ansonsten „sprachgewandt, flexibel und digital-affin“, also geschickter mit Computern und Internet seien. Nur leider hätten, zumindest diejenigen mit Bachelor-Abschluss, zu wenig Fachwissen. Auch wenn jeder zweite Personaler die Generation Y für selbstsicherer und verbindlicher hält (54 Prozent).

Und es kam noch schlimmer: Die Arbeitsweise der Generation Y und die Internet-Affinität der jungen Leute sorgt dafür, dass  40 Prozent der Personaler denken, dass sie sich nur schwer konzentrieren können und schnell abgelenkt sind, 25 Prozent der Personaler glauben sogar, sie seien oberflächlich.

20 Prozent der Personalverantwortlichen meinen, dass der Generation Y die Fähigkeit zu „Kritik, Selbstreflexion und selbständigem Denken“ fehle. Und, jetzt kommt´s – was besonders in Widerspruch zu ihrem angeblichen Anspruch steht: 44 Prozent sagen zudem, dass sich die Fähigkeit zur Mitarbeiterführung bei den Jungen verschlechtert habe. Freude an Führungsaufgaben seien ihnen nicht so wichtig wie ihr persönlicher Arbeitsinhalt (73 Prozent), ihr Einsetzen persönlicher Stärken und Talente (65 Prozent) sowie ihr Geld (46 Prozent). http://www.cio.de/karriere/2902020/

 

 

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Alle Kommentare [3]

  1. Ich zähle wohl nach dieser Definition auch zu den „Y-ern“ kann an dieser Stelle aber nur auf die Veränderungen am Arbeitsmarkt hinweisen.

    Die Unternehmen übernehmen doch nicht einmal bei dem ominösen „Fachkräftemangel“ die eigenen (Dual) Studenten oder Azubis und schicken die Leute lieber anschließend zum hauseigenen Personaldienstleister, wo sich die „Generation Y“ durch befristete Verträge schlagen muss, immer in der Angst dass der Kunde (der ja eigentlich der Arbeitgeber ist) keinen Bedarf mehr hat – bei 1/3 weniger Lohn versteht sich.

    In diesem Zusammenhang von fehlender Loyalität zu sprechen ist eine Frechheit. Die Arbeitgeber zeigen (nicht zuletzt auch durch Befristungen, Matrix-/Projektorganisation und Leiharbeit) klar, dass jede Beschäftigung ein Ablaufdatum hat und Arbeitnehmer jederzeit ersetzt werden können und diese fehlende Bindung auch im Interesse des Arbeitgebers ist. Wenn die „guten“ Arbeitnehmer aus der Not eine Tugend machen und sich nicht einseitig (!) an den Arbeitgeber binden, sollte es doch nicht verwundern – Gehälter, Arbeitgeber und Stellenausschreibungen lassen sich online vergleichen.

    Wenn Leistungsträger nicht Leistungsgerecht entlohnt werden, muss man mit dem Wechsel rechnen, wer da nicht mitkommt will zurück zu Sklavenhandel oder Kommunismus – freilich aber nur für die „Jungen“ – Ganz im Sinne der derzeitigen Rentendebatte.

    Ich habe mal den Spruch „Nur Verlierer brauchen Werbung“ gelesen – ein Vergleich scheint mir bei Unternehmen, die über fehlende MA-Bindung klagen angebracht – die Probleme sind wohl meist Hausgemacht.

  2. „Dass Loyalität zu einem Unternehmen eigentlich aus etwas Gutes sein kann, war irgendwie vergessen.“ Hiermit ist die Loyalität der eigenen Mitarbeiter gemeint, die womöglich nicht – mehr – hoch genug als Wert eingeschätzt wird seitens der Unternehmen.