Wie Chefs das Betriebsklima verbessern können

Gesundheitsmanagement-Experte Bernhard Badura, emeritierter Professor von der Universität Bielefeld, macht drei Faktoren aus, die in den Unternehmen für überdurchschnittlich hohen Krankenstand sorgen:

1) Ein mieses Verhältnis zwischen Chef und Mitarbeitern: Ohne Vertrauen, Wertschätzung und Offenheit kann die Gesundheit der Mitarbeiter stark beeinträchtigt werden.

2) Ein Team, das den Namen nicht wert ist: Weil Egoismus, Desinteresse am Kollegen und Wettbewerb innerhalb des Team dominieren und das Team für die Mitarbeiter kein stabiles, funktionierendes Netzwerk ist.

 

3) Fehlende Unternehmenswerte: Werte, die nicht gemeinsam von Chefs wie Mitarbeitern aus Überzeugung gelebt werden, sondern einfach nur von einer Werbeagentur oder Marketingabteilung aufgeschrieben wurden, machen krank.

 

So weit so schlecht.

Ein Beispiel ist der Ex-Oberbürgermeister von Wiesbaden, Helmut Müller, in dessen Behörde der Krankenstand überdurchschnittlich hoch war und Badura dies untersuchte. Mit dem Ergebnis, dass der Krankenstand auf einen unangemessenen Führungsstil und ein Klima der Angst zurückzuführen war. Je näher die Mitarbeiter an ihm arbeiteten, umso höher der Krankenstand.

http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/klima-der-angst-in-verwaltung-gesichtsverlust-im-wiesbadener-magistrat-12568625.html

Nur wie Vorgesetzte – wenn sie es sich denn eingestehen, dass bei ihnen genau diese Missstände herrschen – diese ändern und die Situation drehen können, ist die große Frage.

Dafür hat der TÜV Süd, der Unternehmen beim Arbeits- und Gesundheitsschutz betreut, eine Checkliste verfasst:

Führungskräfte sind es, die für bessere Stimmung sorgen können – und zwar so:

 

Arbeitnehmer verbringen mehr Zeit am Arbeitsplatz als zu Hause. Für Wohlbefinden und Gesundheit spielt ein gutes Betriebsklima eine wichtige Rolle. Das kann der Mitarbeiter allerdings meist nur geringfügig beeinflussen. Einen maßgeblichen Einfluss darauf haben hingegen die Führungskräfte eines Unternehmens – und zwar mit den folgenden Maßnahmen:.

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Ein offenes Ohr haben

Ein direkter Draht zu Mitarbeitern hilft Führungskräften, aufkeimende Probleme früh zu erkennen und gegenzusteuern. So kann das Gefühl, dass sich „die da oben“ gar nicht für „uns hier unten“ interessieren, gar nicht erst aufkommen.

Denn das ist tatsächlich oft eine der Ursachen für ein schlechtes Betriebsklima. Mitarbeiter fühlen sich minderwertig behandelt, weil sie denken, dass ihre Arbeit weniger wertgeschätzt wird als die anderer. Auch der Eindruck, dass Probleme und Schwierigkeiten nicht gesehen oder ignoriert werden, sorgt für schlechte Stimmung. Ein offenes Ohr seitens der Chefetage für die Belange der Mitarbeiter trägt demnach maßgeblich zu einem besseren Betriebsklima und einem entspannten Arbeitsumfeld bei.

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Rechtzeitig informieren

Oft werden Informationen zurückgehalten, um durch eine zu frühe Bekanntgabe keine Verwirrung zu stiften, falls es noch zu Änderungen kommen sollte. Deshalb werden auch wichtige Details erst im letzten Moment an die Mitarbeiter weitergegeben, obwohl sie meist primär von Neuerungen betroffen sind.

Die Belegschaft hat dann den Eindruck, dass sich die Entscheidungsträger nicht für ihre Meinung und ihre Belange interessieren und willkürlich Dinge über ihre Köpfe hinweg beschließen.

Gute und rechtzeitige Kommunikation innerhalb des Unternehmens ist ein entscheidender Faktor, wenn es um die Verbesserung des Betriebsklimas geht. Reger Informationsaustausch zwischen Führungsebene und Mitarbeitern hilft, negative Stimmung zu vermeiden und sorgt für mehr Transparenz.

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Gekonnt Kritik üben

Kritik ist nur dann hilfreich, wenn sie verständlich formuliert und vom Betroffenen angenommen wird. Deshalb sollten Führungskräfte darauf achten, Kritik immer mit einer Begründung und bestmöglich mit einer Handlungsempfehlung zu verknüpfen. Nur so können Mitarbeiter aus ihren Fehlern auch lernen.

Wer sich hingegen ständig davor fürchtet, etwas falsch zu machen und heruntergeputzt zu werden, dem unterläuft garantiert ein Fehler.

Konstruktive Kritik hingegen fördert die Qualität der Leistung und trägt zu einem gesunden Arbeitsklima bei.

Wichtig ist dabei aber, dass der Chef unter vier Augen kritisiert und nicht vor der gesamten Belegschaft.

 

Lob und Anerkennung verteilen

Genauso wichtig wie konstruktive Kritik sind Lob und Anerkennung für gute Leistungen. Arbeitnehmer, deren Arbeit nicht wertgeschätzt wird, werden unzufrieden und nachlässig. Schließlich haben sie den Eindruck, dass es völlig gleichgültig ist, welche Leistung sie bringen. Oder aber sie entwickeln das Gefühl, nicht gut genug zu sein.

Beides schadet dem Betriebsklima und der Bereitschaft der Mitarbeiter, sich für die Firma einzusetzen. Die Führungskraft muss nicht jede Kleinigkeit hervorheben, aber hin und wieder ein ehrlich gemeintes Lob steigert die Zufriedenheit der Arbeitnehmer deutlich.

 

Schlechte Laune für sich behalten

Jeder steht einmal mit dem falschen Bein auf oder hat Probleme im privaten Leben. Die daraus resultierende schlechte Laune hat am Arbeitsplatz aber nichts zu suchen.

Das gilt vor allem für Vorgesetzte. Verbreiten sie schlechte Stimmung, wirkt sich das in kürzester Zeit auf alle Mitarbeiter aus. Es gilt also, den Ärger von zuhause dort zu lassen und möglichst positiv gestimmt zu sein.

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Denn, so erläutern die TÜV-Süd-Experten in einem Dossier:

Führungskräfte haben großen Einfluss auf das Betriebsklima

Zahlreiche Studien zeigen, dass ein gutes Betriebsklima Voraussetzung für leistungsbereite und engagierte Mitarbeiter ist. Denn nur wer sich wohl und anerkannt fühlt, kann wirklich gute Arbeit leisten. Beeinflusst wird die Stimmung in der Belegschaft von der Führungskultur der Vorgesetzten, die aus ihrer Einstellung und ihrem Verhalten gegenüber den Mitarbeitern resultiert. Warum hat der Chef einen so großen Einfluss und wie kann er das Betriebsklima auf Vordermann bringen?

Das Arbeitsklima in einem Betrieb ist die Grundlage für die Leistung der Mitarbeiter. Ist die Stimmung gut, ist die Arbeitsbereitschaft hoch und Fehltage sind gering. Herrscht allerdings ein schlechtes Betriebsklima, sinken die Produktivität und die Loyalität zum Arbeitgeber. Die Ursache dafür ist der zwischenmenschliche Aspekt. Wer sich wohl und wertgeschätzt fühlt, ist bereit mehr zu leisten. Wer sich hingegen missverstanden oder schlecht behandelt fühlt, wird sich kaum ins Zeug legen. Da Anweisungen, Kritik und Lob vor allem von den Vorgesetzen ausgehen, haben sie auch den größten Einfluss auf die Stimmung in der Belegschaft.

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 „Für die Mitarbeiterzufriedenheit und damit für das Betriebsklima ist extrem wichtig, dass der Chef hinter seinen Mitarbeitern steht und sie unterstützt“, erklärt Diplom-Psychologin Kerstin Reviol, Leiterin der Arbeitspsychologie bei der TÜV SÜD Life Service. Zum Beispiel: „Beschwert sich ein Kunde, sollte ein Vorgesetzter die Kritik nicht direkt an sein Team weitergeben, sondern erst prüfen, ob die Beschwerde gerechtfertigt ist. Ist sie es nicht, sollte dies klar kommuniziert werden – gegenüber dem Kunden und dem Team.“

Wichtige Aspekte für ein gutes Betriebsklima sind Kommunikationsbereitschaft, konstruktive Kritik, Bereitschaft,zu loben und Wertschätzung deutlich zu zeigen sowie Gelassenheit und eine positive Einstellung.“

 

www.tuev-sued.de/bgm.

http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/gastkolumnen/miriamgoos/chef-team-unternehmenswerte-welche-faktoren-wirklich-im-beruf-wirklich-stressen_id_3470392.html

http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/klima-der-angst-in-verwaltung-gesichtsverlust-im-wiesbadener-magistrat-12568625.html

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