Utz Claassen: „Unbequem. Konsequent erfolgreicher als andere.“ (Buchauszug)

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Mit Querdenken zur Innovation

Heute erscheint das neue Buch von Utz Claassen, dem Ex-CEO von EnBW, Satorius und Solar Millennium. Hier im Management-Blog sind exklusiv Auszüge aus „Unbequem. Konsequent erfolgreicher als andere“:

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Utz Claassen, Buchautor, Ex-CEO von EnBW, Satorius und Solar Milennium

Utz Claassen, Buchautor, Ex-CEO von EnBW, Satorius und Solar Milennium (Foto: Kay Blaschke)

Querzudenken heißt zunächst einmal, nichts, aber auch gar nichts als unveränderbar hinzunehmen, und stattdessen alles, aber auch alles zu hinterfragen und infrage zu stellen. Challenge everything! – Stelle alles infrage!

Als ich am 9. März 2013 als erster Manager oder Unternehmer überhaupt den »Innovationspreis der deutschen Wirtschaft – Erster Innovationspreis der Welt®« zum zweiten Male mit einem anderen Unternehmen in einer ganz anderen Branche und in einer ganz anderen Größenkategorie entgegen nehmen durfte, wurde ich von vielen gefragt, wie es überhaupt möglich sei, Forschungs- und Entwicklungsprozesse in so unterschiedlichen technologischen Bereichen wie denen von Laboranalysewaagen oder bioabsorbierbaren Im plantaten erfolgreich zu gestalten.

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Ein Projekt, an dem sich andere seit über zehn Jahren die Zähne ausgebissen hatten – mit viel größeren Ressourcen

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Noch mehr wurde ich danach gefragt, wie es der Syntellix AG, als deren Gründer, Mehrheitsaktionär und Aufsichtsratsvorsitzender ich den Preis in Empfang nahm, eigentlich gelingen konnte, gleich mit ihrem ersten zur Marktreife entwickelten Produkt einen der begehrtesten Wirtschaftspreise der Welt zu erringen. Und am meisten interessierte es meine Gesprächspartner, wie es denn möglich sein konnte, dass die Syntellix AG so schnell ein Problem gelöst hatte, an dem sich namhafte Unternehmen und Forschungsgruppen rund um die Welt bereits seit deutlich mehr als einem Jahrzehnt mit ungleich größerem Ressourcen aufwand die Zähne ausgebissen hatten.

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Wer infrage stellt, ermöglicht das Zukünftige

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Meine Antwort war einfach: »Das Geheimnis ist: Challenge everything! – Stelle alles infrage!« Innovation heißt Querdenken und Infragestellen – das ist die Quelle unseres zukünftigen Wohlstandes. Wer infrage stellt, kritisiert nicht vorrangig das Bestehende, sondern ermöglicht vielmehr erst das Zukünftige. Wer zielführend querdenkt, ist nicht etwa ein Querulant, sondern vielmehr ein Pionier und Innovator. Wir können als Gesellschaft nicht stets Innovation und Zukunftsfähigkeit fordern, ohne zugleich Raum für Quer denken und Hinterfragen zu geben. Und für Querdenker. Zielführendes Quer denken und konsequentes Infrage stellen schaff en Zukunft und Zukunftswerte. Wenn dir jemand sagt, dass ein bestimmtes Problem unlösbar sei, dann frage ihn, wie man innerhalb unseres unergründbaren Universums die Lösung irgendeines Problems kategorisch ausschließen könne. Wenn dir jemand sagt, dass eine bestimmte Analyse oder Untersuchung vier Monate dauert, dann frage ihn, ob es wissenschaftlich bewiesen sei, dass man es nicht auch in zwei Monaten schaffen könne. Wenn dir jemand sagt, dass er für die Bewältigung einer bestimmten Aufgabe sechs Monate brauche, dann frage ihn, ob er jemanden kennt, der es auch in der Hälfte der Zeit schaffen (und ihn damit ersetzen) könne. Und wenn dir jemand sagt, dass er das, was ökonomisch, juristisch oder aus welchen Gründen auch immer innerhalb einer bestimmten Zeitspanne erforderlich ist, nur in der doppelten Zeit bewerkstelligen kann, dann sage ihm, dass es eine ganz einfache Lösung für ihn gibt: doppelt so viel zu arbeiten wie bisher – oder doppelt so schnell.

Unbequem von Utz Claassen

„Unbequem – Konsequent erfolgreicher als andere“, Ariston 2013, 304 Seiten, 19,99 Euro. http://www.randomhouse.de/Buch/Unbequem-Konsequent-erfolgreicher-als-andere/Utz-Claassen/e441038.rhd

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Nichts als hochambitionierter Gründergeist

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Mit Syntellix hatten wir in der Tat praktisch bei null angefangen, als im Januar 2008 vor einem Notar in Hannover die Gründungsurkunde unterzeichnet wurde. Alles, was es gab, war ein faszinierendes Problem, das zu lösen höchst spannend und höchst lohnenswert erschien. Außer dem vergleichsweise bescheidenen Gründungskapital und einem hochambitionierten Gründergeist gab es damals auf unserer Seite noch nichts: kein Büro, kein Personal, keine Infrastruktur, keine Patente, keine Kunden, keinen Umsatz, keinen Ertrag. Nichts. Nichts außer einer Idee – und außer dem unbändigen Willen, diese Idee zum Erfolg zu führen.

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Ein unfassbarer Erfolg

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5 Jahre und 4 Monate später, im Mai 2013, war die Syntellix AG nach unserem Kenntnisstand das einzige Unter nehmen der Welt, das über eine entsprechende Zulassung für ein bioabsorbierbares metallisches Implantat verfügt. Und diese Zulassung gilt nicht nur für Deutschland, sondern für die gesamte Europäische Union plus Schweiz und Fürstentum Liechtenstein. Ein unfassbarer Erfolg, den noch wenige Jahre zuvor niemand für möglich gehalten hätte. BILD sprach später von einer »Medizin-Sensation«. Um diese zu erreichen, mussten klinische Studien, umfangreiche medizinische Tests, zahlreiche Gutachten, Prüfungen und Bewertungsverfahren sowie Audits, Zertifizierung und Zulassung erfolgreich durchlaufen werden. Auf diesem Weg waren viel Geduld, viel Mut und sehr viel Risikobereitschaft nötig.

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Immer neue Fragen stellen

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Und Unbequemlichkeit. Innovation heißt nämlich nicht nur Querdenken und Infragestellen. Innovation erfolgreich zu gestalten heißt auch, unbequem zu sein. Sehr unbequem. Immer wieder zu drängen und zu drängeln. Immer wieder Druck zu machen. Immer neue Fragen zu stellen. Immer neue Potenziale zu suchen. Sich nie mit dem bereits Erreichten zufriedenzugeben. In diesem Sinne gibt es kaum einen Unterschied zwischen harter Sanierung und zukunftsorientierter Innovation.

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Stell dich immer wieder infrage! Aber zweifle nie an Deinen Werten:

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Die wichtigste und vielleicht zugleich einfachste Form der Unbequemlichkeit und Unnachgiebigkeit gegenüber sich selbst liegt darin, sich selbst und das eigene Handeln permanent und immer wieder zu hinterfragen und infrage zu stellen. »Sei unbequem und unnachgiebig auch zu dir selbst« heißt insofern auch: Stelle auch dich selbst jeden Tag, jede Stunde und jede Minute infrage! Stelle jede deiner Handlungen und ihre Ergebnisse infrage! Stelle deine Arbeitsweise infrage! Stelle dein Geschäftsmodell infrage! Stelle deine Ziele infrage! Aber zweifle niemals an deinen Werten. Nur indem man alles, was man ist, tut und will, immer und immer wieder hinterfragt und infrage stellt, kommt man an die Spitze und bleibt man an der Spitze. Nur so lassen sich Vorsprünge erarbeiten und aufrechterhalten. Nur so wird man erfolgreich. Nur so wird man erfolgreicher als andere. Nur so bleibt man erfolgreicher als die anderen.

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Wer fähig ist, Erneuerungen voranzutreiben, bleibt erfolgreich

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Und nur so wird man und bleibt man innovativ. In einer global vernetzten Gesellschaft, in der im Grunde alle Zugang zu allem haben, ist der entscheidende Erfolgsfaktor schlechthin die Innovation: die Neuerung und Erneuerung also. Wer mehr Innovationsfähigkeit hat, ist und bleibt erfolgreich. Das gilt für die einzelne Person genauso wie für die große Organisation, es gilt für den einzelnen Bürger genauso wie für seinen Staat. Und Innovationsfähigkeit heißt nichts anderes, als fähig zu sein, Neuerungen und Erneuerungen voranzutreiben und auch in die Realität umzusetzen.

Genau dies wiederum erfordert eben nichts anderes als die Fähigkeit, das, was man ist, tut und will, permanent zu hinterfragen – ebenso wie das, was man bereits erreicht hat (oder noch nicht erreichen konnte).

»Stelle auch dich selbst jeden Tag, jede Stunde und jede Minute infrage! Stelle jede deiner Handlungen und ihre Ergebnisse infrage! Stelle deine Arbeitsweise infrage! Stelle dein Geschäftsmodell infrage! Stelle deine Ziele infrage!« All diese Forderungen lassen sich auch in einer einzigen Forderung zusammenfassen: »Bleibe innovativ!« Oder in einer einzigen Schlussfolgerung: »Nur so bleibst du innovativ.«

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Lieber selbst das eigene Geschäftsmodell angreifen, als sich von anderen verdrängen lassen

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Doch selbst das Infragestellen des eigenen Geschäftsmodells ist möglicherweise noch nicht kreativ, innovativ und unbequem genug. Steve Jobs ging sogar so weit, als mögliche Maßnahme zumindest indirekt zu empfehlen, das eigene Geschäftsmodell anzugreifen: Auf Seite 408 der englischen Originalversion des Weltbestsellers »Steve Jobs« von Walter Isaacson heißt es wörtlich: »If you don’t cannibalize yourself, somebody else will« – wenn du dich nicht selbst kannibalisierst, wird es jemand anderes tun.

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Dieser Ansatz reflektiert das Streben nach Innovation in seiner höchsten Form: Wer sich oder seine früheren Innovationen nicht selbst durch eigene weitere Neuerungen obsolet macht, wird möglicherweise schlussendlich von anderen verdrängt. Die Kannibalisierung des zuvor Erreichten durch weitere eigene Errungenschaften – das wäre wahrlich Unbequemlichkeit gegenüber sich selbst in Perfektion.

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Permanentes Infragestellen und Hinterfragen

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Innovation ist und bleibt nichts anderes als das Ergebnis des permanenten Hinterfragens und Infragestellens von allem und jedem und vor allem sich selbst. Und Innovation ist die Urquelle des Erfolges. Das war schon vor 2000 Jahren so, etwa in Gestalt römischer Aquädukte und Thermen, römischen Rechts und militärischer Schlagkraft. Und das wird sich auch niemals ändern.

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Hier die Rezension von Thorsten Giersch von hb.com: http://www.handelsblatt.com/unternehmen/management/koepfe/ratgeber-buch-utz-claassens-ratschlaege-fuer-manager/9080490.html

 

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