„Ruf doch mal an!“ – Was PR-Profi Frank Behrendt dem Bischof von Limburg jetzt rät (Gastbeitrag)

.Was sollte Bischof Tebartz-van Elst, der so heftig in der Kritik steht, jetzt machen? Darüber hat sich Frank Behrendt, Vorstand der PR-Agentur FischerAppelt, Gedanken gemacht:

Jeden Tag warte ich darauf, dass er anruft. Flüsternd, vorsichtig fragend, ob man Interesse hätte, seinen Chef in einer sehr heiklen Mission zu unterstützen. Denn die Einschläge kommen immer näher. Doch er ruft nicht an, der Sekretär des Bischofs von Limburg. Sein Chef, der mit seinem sperrig-wohlklingenden Namen eher zu einem feinen Adelsgeschlecht passt als zur katholischen Kirche, geht lieber auf Tauchstation: Franz-Peter Tebartz-van Elst.

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„Würden wir für den arbeiten?“, fragte mich vorhin einer unserer interessierten Praktikanten. „Klar“, war meine Antwort. Denn unsere Arbeit hat ja nicht damit zu tun, Wahrheiten zu verändern. Es geht erst einmal um Beratung des Betroffenen. Wenn ein Klient einen Berater an sich heranlässt, ihm vertraut und sich öffnet – das hat schon fast etwas von einer Beichte – dann ist die Grundlage gelegt, dass wir auch in der Öffentlichkeit etwas optimieren können. So abgedroschen es klingt, aber Einsicht ist nach wie vor der erste Weg zur Besserung. Kein PR-Berater der Welt würde eine Botschaft positiv verkaufen können, dass man die mit 2,5 Millionen Euro ohnehin schon respektablen Baukosten für einen Amtssitz um das Elfeinhalbfache überschreiten kann – egal wie schwierig und felsig der Baugrund auch gewesen sein mag.

Frank Behrendt, Vorstand der PR-Agentur FischerAppelt

Frank Behrendt, Vorstand der PR-Agentur FischerAppelt

Aber einen verantwortungsvollen Umgang mit persönlichen Fehlern, eine Konsequenz, die kann man kommunizieren und so ein beschädigtes Bild wieder reparieren. Krisen sind nichts Ungewöhnliches, es gibt sie jeden Tag. Im Babyglas, auf Baustellen in der brüllend heißen Wüste, wo eine Fußball-WM stattfinden soll. Oder eben im Bistum in Limburg, wo einem Hirten die Kontrolle über sein Bauvorhaben gehörig aus dem Klingelbeutel gerät. Natürlich kann er nicht im Amt bleiben, „der Maßlose“, wie ihn das „Handelsblatt“ nennt. Mindestens ruhen lassen sollte er es aktuell.

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Am besten wäre aber ein viel stärkeres Signal: Buße tun. Raus aus der Komfortzone des Palasts in Limburg, auf mit der Regionalbahn zum Frankfurter Flughafen. Dort auf dem Schnäppchenmarkt ein günstiges Holzklasse-Ticket nach Burkina Faso erstehen und ab geht’s. Vor Ort in einer wirklichen Problemregion kann der Mann dann wieder zu dem werden, der er vielleicht mal war, und das tun, was er vielleicht aus Berufung eigentlich zu Beginn seiner Laufbahn tun wollte:  Der heilige Franz, der Gutes tut. Ob er dann nach Jahren zurückkommt, geläutert und demütig und hier wieder eine Funktion übernimmt, sollte erst einmal offen bleiben. „Geh jetzt. Schnell und (noch) selbstbestimmt. Starte woanders wieder neu und zeige nachhaltig, dass du im Kern doch nicht der bist, für den dich jetzt alle halten müssen“, wäre mein Rat an den aktuell nicht mehr glaubwürdigen Geistlichen. Ob er es macht? Noch hat der Sekretär mich nicht angerufen…

 

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Alle Kommentare [2]

  1. Guter Vorschlag! Aber wie so oft, die einsamen Rufer in der Wüste… Wenigstens ist Frank Behrendt als kölsche Rheinländer in der richtigen Konfessionsabteilung und kennt sich da aus. Dabei wäre es doch für den limburgischen Protzbischof so einfach (in seiner Kirche ja nicht unüblich): sündigen, bereuen, beichten, büßen, weitermachen(sündigen)….

  2. Wenn es noch einen Beweis gebraucht hätte, wie peinlich die Kirche und auch PR-Firmen sind, dann wäre er spätestens hier exzellent gegeben.

    Rechtsanwälte sind Miethuren. PR-Vertreter kommen noch weit dahinter.

    Aber solche Schmarotzer leben gerne auf Kosten der Gesellschaft um auch den negativsten Auswüchsen noch einen positiven Anstrich zu verpassen.

    ÜBEL!