Wunderbare neue Väter

Eine kleine Meldung der „Süddeutschen Zeitung“ lässt Väter in quasi wunderbarem Licht dastehen: Fast dreiviertel der Männer , 73 Prozent, sind nach Umfrage des Marktforschers Innofact ihre Kinder wichtiger als die Karriere.

Nur für zwölf Prozent ist eindeutig der Job wichtiger als der Nachwuchs. Immerhin ist mehr als jeder zweite am Feierabend angeblich nur für die Kiddies da und es kommt noch erstaunlicher: Gut jeder Dritte, 34 Prozent, „tritt beruflich kürzer – bewusst – , wenn die Kinder klein sind. Das Ganze soll repräsentativ sein.

Zwar sehe ich, dass viele Männer wenigstens einen Monat, manche auch länger, heute im Job aussetzen, nachdem sie Vater geworden sind. Aber bewusst kürzer treten, gerade wenn sie durchstarten?

Die Zahl der Mütter, die das tun, erscheint mir da schon plausibler: nämlich 69 Prozent.

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Alle Kommentare [3]

  1. Die Meldung der SZ erinnert mich an die Antwort vieler Topmanager in Interviews, was ihnen denn das Wichtigste sei im Leben. Fast immer lautet die Antwort: „Meine Familie.“
    Fragt man nach, wie viel Zeit denn der Betreffende so in der Woche mit seiner Familie verbringt, wird es stiller. Dann kommt vielleicht schnell das Argument mit der „Qualitätszeit“, die erklären soll, warum es nicht auf die Anzahl der Stunden ankommt.
    Aber angenommen, ich frage jemand nach seiner größten Leidenschaft und er antwortet: „Opern.“ Und ich erkundige mich danach, wann er das letzte Mal in einer Oper war bzw. wie oft er im Monat Opern hört und die kleinlaute Antwort geht gegen Null, dann weiß ich, dass die Antwort schönes Gerede ist.
    Das Hochhalten der Familie oder die neue Vaterschaft ist oft eine sozial erwünschte Antwort, von der man sich ein besseres Image erhofft.
    Kaum ein Topmanager würde zugeben: „Am wichtigsten ist mir meine Karriere. Dann kommt eine Weile nichts und dann meine Familie.“
    Mit den gegenwärtigen Erwartungen und Notwendigkeiten in der Arbeitswelt geht es ja auch gar nicht anders. Wer als Mann oder Frau sich adäquat auch um seine Familie kümmern will, kann kaum mehr als vierzig Stunden in der Woche arbeiten. Da muss man dann meist entscheiden, wo die eigenen Prioritäten liegen.

  2. Meiner Erfahrung nach wollen immer mehr Väter tatsächlich länger zu Hause bleiben und mehr von ihren Familien und Kindern haben. Doch viele scheitern an den Realitäten der Unternehmen, die von ihren Mitarbeitern häufig die Entscheidung verlangen: Bist du mit Haut und Haaren und viel mehr als den 40 Stunden in der Woche für den Job da? Dann kannst du auch Karriere machen. Oder bist du freizeitorientiert und pochst auf deine 40-Stunden-Woche? Dann bleibst du ein kleines Licht – wenn du überhaupt bleibst.

    Klar hängt es am Einzelnen, und wer genügend Standfestigkeit mitbringt, schafft vielleicht auch beides. Aber viele knicken vor der Realität eben ein. Und fühlen sich keineswegs toll dabei.