PR: Gastbeitrag WiWo-Redakteurin Anke Henrich über Zwischentöne

Zwischentöne : What a difference a day makes…

WiWo-Redakteurin Anke Henrich

WiWo-Redakteurin Anke Henrich

Dienstagmittag, zur Suppe im Düsseldorfer Restaurant um die Ecke traf ich mich wie verabredet mit einem Juristen. Professor Siegfried Elsing ist ein Schlichtungsexperte von internationalem Ruf. Doch wir beide haben einen Dissens über Macht der Juristen im Allgemeinen und die der Richter in Schlichtungsverfahren im Besonderen. Zeit, miteinander zu reden.Unser Essen ist köstlich, die Unterhaltung heiter-kontrovers, allein die Musik im Raum beschallt uns ein wenig laut. Leider ist auch die herbeigerufene Kellnerin ein wenig taub. Doch Elsing, von Statur nicht zu übersehen, macht sich freundlich bemerkbar und bittet die Dame so stilvoll um leisere Musik und eine Apfelschorle, dass sie sich beinahe bei ihm bedankt. Schau an, dachte ich mir, so macht man das.

Wer andere nur schurigelt, braucht sich nicht über das Ergebnis wundern

Gut 24 Stunden später sass ich in einem Pressework-Shop der Helios-Kliniken in deren Berliner Hauptquartier. Fast ein Dutzend Journalisten sind eigens aus allen Himmelsrichtungen angefahren und eingeflogen, interessiert an Neuigkeiten von dem Vorstandsvorsitzenden Francesco De Meo. Der ist ein smarter Typ, klug, ehrgeizig, kampfbereit; die Journalisten sind open minded. De Meo stellt ein neues Versicherungskonzept vor. Doch schon nach wenigen Rückfragen zu de Meos Vortrag kippt die Stimmung. Sei die Nachfrage der schreibenden Kollegen auch noch so berechtigt, Meister de Meo schurigelt, watscht ab und belehrt die Journalisten nach Gusto. Die Atmosphäre wird spürbar unangenehm. De Meos kommunikatives Glück sind seine Helios-Kollegen am Konferenztisch, die die Lage sichtlich entschärfen.

Dass der mediale Aufschlag am nächsten Tag für de Meos Konzept  bescheiden ausfällt, mich wundert es nicht.  What a difference a day makes….

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Alle Kommentare [2]

  1. Der Ton macht eben doch die Musik… zumindest ist es ein entscheidender Faktor, der – so meine Erfahrung auch – zu häufig unterschätzt wird. Ob es an Unsicherheit liegt oder daran, dass sich manche Manager für Unfehlbar halten, das dürfte von Fall zu Fall variieren. Aber wenn ein international renommierter Anwalt wie Herr Prof Elsing (seit Mai auch Honorarkonsul für Luxemburg) sich nicht zu gut ist für Stil und respektvolles Umgehen miteinander …. vielleicht sogar ein Thema, dem man in unserer Gesellschaft insgesamt wieder etwas mehr Aufmerksamkeit schenken sollte?

    Claudia Böhnert, Managing Director COURAGE Strategieberatung für Marketing, Werbung und Pressearbeit

  2. Ich kann meiner Vorrednerin und dem Beitrag nur zustimmen: Viel zu oft achten Menschen eher auf den Inhalt des Gesagten als auf die Art und Weise, den Inhalt rüberzubringen. Ich denke, es kann – neben den Punkten Überschätzung und Unsicherheit – auch durch unbewusste Kommunikation entstehen, die gerade in gemischten Teams (männlich, weiblich, älter, jünger, verschiedene kulturelle Hintergründe …) sehr schiefgehen kann.

    Ja, wir alle sollten im Alltag – privat wie geschäftlich – auf ein höfliches Miteinander achten. Begegne ich Menschen respektvoll, wird mir auch Respekt entgegengebracht, eine ganz einfache Rechnung, die bisher, wie der Beitrag zeigt, noch immer aufging.