Captains Day auf der Boots-Messe „Wirtschaftselite trifft auf Sportelite“: Warum Sportler Eigenschaften mitbringen, die Arbeitgeberherzen jubeln lassen müssten

Der glücklichste Mensch in der Düsseldorfer Messe war heute ein Pförtner. Ganz stolz zeigte er mir die Seiten mit den Unterschriften der Besucher des „Captains Day 2013“ und sagte „alles Olympiasieger, schauen Sie mal…“ Ulrike Nasse-Meyfarth, Heide Ecker-Rosendahl, Heike Meier-Henkel, Philipp Zeller undundund. Eingeladen hatte die Sportstiftung NRW bei der Boots-Messe zu einem – auf neudeutsch und ein bisschen an überkandidelte Speisekarten erinnernd – „Community-Lunch – Wirtschaftselite trifft auf Sportelite„. Aus der Wirtschaft waren ausser BDI-Chef Ulrich Grillo auch der Mediziner Grönemeyer  und etliche Unternehmensvertreter wie Ulrich Lehner von Henkel oder Dirk Lindner von der Hotelkette Lindner.

Dass letztere besonders Sportlerfreundlich sind, ist klar: Die Lindner-Familie hat nicht nur so manchen Bundesliga-Wasserballer gestellt, sondern ist auch im Feldhockey engagiert. Und zwar nicht nur mit Spenden, sondern auch tatkräftiger Hilfe. Als bei einem Turnier in Frankfurt die Düsseldorfer Hockeyspielerinnen einmal in ihren Zelten schier absoffen, weil es so sehr regnete, luden Linders sie ein, in ihrem Hotel vor Ort Zuflucht zu nehmen. Das war eine ziemlich noble Geste – mit der das Traditions-Familienunternehmen nie Werbung machte.

BDI-Chef Ulrich Grillo (Mitte), Fecht-Olympiasieger Arnd Schmitt

Ein Fußball-Team hat auch keine sieben Torwarte

Doch zurück zum „Captains Day 2013“.  Man war sich einig, dass Sportler auch wunderbar als Vorbilder in einem Unternehmen selbst taugen. Zum Beispiel damit die Belegschaft weniger raucht, sondern lieber Sport treibt. Oder die Fähigkeiten von Spitzensportlern, Niederlagen einzustecken und einfach weiter zu machen, seien wertvolle Soft-Skills.  Oder dass sie nie zufrieden seien mit dem Erreichten, sondern immer noch mehr wollen. Oder dass die Diziplin von Ruderern – die morgens um sechs im Winter wie im Sommer am Ergometer trainieren – auch für Mitarbeiter von Unternehmen kein übles Vorbild ist. Von deren Motivation mal ganz zu schweigen. Oder, was für Unternehmen meist ein blinder Fleck ist: Wie man erfolgreiche Teams zusammenstellt, bei denen sich die Typen ergänzen müssen. Denn schließlich habe ja eine Fußballmannschaft auch nicht sieben Torwarte.

Schade nur, dass diese Spitzensportler die Lebensjahre vom 18. bis zum 30. fast nur für den Sport verwenden und in der zeit das, was alle anderen tun, genau nicht können: ihre Karriere für die restlichen über 30 Berufsjahre einstielen und absichern. Das ist der Grund, weshalb Grillo selbst schon einen jungen Wasserballer in sein Unternehmen holte, der nun neben seiner Sportkarriere und seinem Fernstudium, bei ihm Praktika absolvieren darf.

Noch weiter geht das sogenannte Kölner Modell, bei dem  zum Beispiel die Law Firm Linklaters den Hockey-Spitzensportler Philipp Zeller zum wissenschaftlichen Mitarbeiter machte und der Anwalt Stefan Seitz dessen Bruder Christoph in seine Kanzlei holte.

Sportlerinnen als stolzes Vorbild für Managerinnen und Politikerinnen

Interessant übrigens, mit anzusehen, mit welch natürlichem Stolz Ulrike Meyfahrt (auf dem Bild unten links) und Heike Henkel (unten rechts) auf dem Podium stehen: davon könnten sich die Politikerinnen und Managerinnen eine Scheibe abschneiden. Ganz gerade und vor allem breitbeinig wie Männer stehen sie da – und wirken imposant. Es ist schon besser, sich auch als Business-Frau das von den Männern abzugucken und sich nicht immer klein und schmal zu machen.

Von meinem Nachbarn Jürgen Beckmann, dem Sportkoordinator beim Chemieriesen Bayer in Leverkusen erfahre ich übrigens, dass bei seinem Unternehmen besonders viele der Spitzensportler es auch in Führungspositionen geschafft haben.

Und genau das war immer schon mein Verdacht: Wer im Sport efolgreich ist und sich viel abverlangt, tut dasselbe im Beruf – meist auch gleichzeitig. Zum Beispiel der Top-Jurist Thomas Meyding von der Kanzlei CMS. Der M&A-Experte machte nebenbei im Jura-Studium immerhin den Skilehrer-Schein.

Anwalt Stefan Seitz (links), Hockey-Olympia Philipp Zeller (Mitte), Moderator Schmitt

Und by the way: Hier gab’s die netteste Tischkarte, die ich bisher erlebt habe – die mich willkommen hieß:

Sportstiftung NRW „Wirtschaftselite trifft Sportelite 2012“: http://bit.ly/y2Ev1v

 

Olympiasieher Hockey in London 2012 Philipp Zeller im management-Blog: http://blog.wiwo.de/management/2012/10/07/ein-teller-pfifferling-linguine-mit-hockey-olympiasieger-philipp-zeller/

 

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