Ich gehör – nicht zu – Dir….oder wie man einen PR-Overkill verursacht. Das PR-Lehrstück Bettina Wulff

Jetzt kommt der Bettina-Wulff-Overkill auf uns zu, PR-technisch gesehen. Sie umzingelt uns regelrecht – in den Tagenzeitungen und online wird schon über sie geschrieben, große Veröffentlichungen in großen Magazinen angekündigt und TV folgt: Eben höre ich so grade noch den letzten Satz von Sandra Maischberger, mit dem sie ankündigt: „Und nächste Woche begrüße ich als Gast Bettina Wulff.“

Der Deal scheint immer derselbe zu sein und ist hinlänglich bekannt: jemand schreibt ein Buch und sucht ganz plötzlich die Bühnen, wo er sonst nicht präsent ist. Da hält er dann sein Buch in die Kamera und die Händler können es schon mal neben der Kasse aufstapeln. Der Promi oder Autor macht es, weil er dazu seinem Buchverlag gegenüber verpflichtet ist oder vielleicht auch aus eigenem Antrieb. Ganz zufällig ist auch Bettina Wulffs Buch heute schon im Bahnhofshandel zu haben, heißt es heute in der Presse. Eigentlich sollte es erst November erscheinen. Stellt sich doch nun die Frage: wo wird sie noch auf der TV-Couch Platz nehmen? Wird sie nun durch sämtliche anderen Talk-Shows nun weitergereicht? Von Markus Lanz bis Anne Will? Günther Jauch wird´s wohl eher nicht werden, nachdem Wulffs Anwälte ihm eine Unterlassungserklärung in anderer Sache abverlangt haben – siehe unten.

Das wäre alleine noch nicht so ungewöhnlich, doch auch im Blätterwald rauscht es seit Tagen schon wegen Gerüchten oder einer Intrige über Frau Wulffs Vergangenheit: Da waren Artikel über eine Abmahnung von Günther Jauch oder  Google. Und die berichteten, dass es rund 40 Abmahnungen von Journalisten und Bloggern durch Bettina Wulffs Anwalt gegeben haben soll.

 

Merkwürdige Gleichzeitigkeiten

Dass dies alles zeitlich zusammenkommt, halten Profis nicht für einen Zufall: Im „Tagesspiegel“ und auch in der „Welt“  ist schon die Rede von einer „Inszenierungs-Kampagne“, oder einer „fein orchestrierten Medienkampagne“. Auch PR-Profi Klaus Kocks spricht von „PR-Kaspereien“.  Gemeint ist damit die Beförderung des Bücher-Absatzes – und die funktioniert offenbar: Laut „Tagesspiegel“ ist es im Internethandel auf Platz acht der Bestsellerliste, unter den Polit-Bücher sei es schon auf Platz eins.

Doch dann kamen erste wirklich überraschende Berichte. Dass sich Frau Wulff von Herrn Wulff distanziere und das schon bei seiner Rücktrittserklärung deutlich gemacht habe. Indem sie sich nicht an seine Seite gestellt habe, sondern einige Meter entfernt. Irgendwie komisch, denkt man im ersten Augenblick. Hatte es doch nicht gerade den Anschein bis dahin, als wolle sie mit dem Job ihre Gatten nichts zu tun haben und bliebe deshalb lieber stets im Hintergrund. Ich kann mich an keine Fotos von anderen Bundespräsidenten erinnern, die sich so frontal filmen ließen wie Wulffs, als sie nach dem Rücktritt nach Hause fuhren – und sie beherzt das Auto steuerte. Ich meine, in solch einer Situation.

Des weiteren erfuhr die geneigte Öffentlichkeit, dass Bettina Wulff bereit sei für einen neuen Job. Die Drogeriemarktkette Rossman hatte hierauf ja bereits reagiert und ihr die Rückkehr auf ihren alten PR-Posten angeboten. Das alleine ist ja nicht mal ungewöhnlich. Warum sollte sie auch nicht arbeiten?

 

PR als Trommelfeuer – aus allen Magazin-Rohren

Doch nun kommen die nächsten PR-Geschütze, quasi Trommelfeuer? http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bettina-wulff-spricht-in-interviews-ueber-eheleben-und-therapie-a-855209.html

„Spiegel online“ schreibt, dass Bettina Wulff gleich mit vier großen Magazinen gleichzeitig gesprochen hat: „Brigitte“, „Gala“, „Bunte“ und dem „Stern“. Man darf gespannt sein, ob sie allen vier dasselbe sagte oder jedem ein paar andere Informations-Häppchen zugeteilt hat.

Und schon taucht noch mehr wirklich Unerwartetes online auf – auf den Homepages der Zeitungen: dass sich Frau Wulff öffentlich beklagt, dass ihr Mann sich in seiner Job-Krise zu wenig um sie gekümmert habe. Und dass sie beide nun zur Paartherapie gingen.  Dass Normalos wie Du und ich standardmäßig bei Ehekrisen und vor Scheidungen diesen Gang absolvieren, kennen wir – schon um gut dazustehen, falls es zur Trennung kommt. Weil man dann ja alles probiert hat oder so.

Normalos wie gesagt. Denn vom Bundespräsidenten und seiner Gattin erwartet man solche Detailfreudigkeit weniger, schreibt Hajo Schumacher dazu in der „Morgenpost“ und dürfte damit so manchem aus der Seele sprechen. http://www.morgenpost.de/politik/article109157756/Bettina-Wulff-hat-keinen-eleganten-Weg-gewaehlt.html . Er schreibt: „Als Freund mittelguten Entertainments könnte man Sympathie hegen für die Wulff-Show, so wie man die Geissens für ihre Eindeutigkeit schätzt. Leider vergeben Autorin und ihr vermutlich korrekturlesender Gatte die Chance auf einen moralischen Pluspunkt. Denn die Wulffs werfen eben jene Sorte Stinkbomben zurück, von denen sie sich selbst getroffen fühlten. So wird im Buch geraunt, dass allerlei Indiskretionen aus der niedersächsischen CDU stammten. Gegen das Verbreiten eben jener Sorte Fiesheiten hat sich Frau Wulff juristisch völlig zu Recht gewehrt. Ein paar Namen und Belege hätten genügt, um einen Skandal auszulösen, der dieses Etikett auch verdient. Mit anonymen Andeutungen aber bleiben die Wulffs sich und ihrem Mikrokosmos auf gespenstische Weise treu.“

„Die Vermarkung des Privatlebens“, nennt es die „Frankfurter Rundschau“, der sich „als Bumerang“ erweist http://www.fr-online.de/bettina-wulff/bettina-wulff-weinerlich–aber-geschaeftstuechtig,17221048,17230812.html . Und dass es eben keiner der anderen Bundespräsidenten-Gattinnen eingefallen wäre, sich derart auszuweinen.

Man darf gespannt sein, welche Steigerungen die nächsten Tage für uns noch bereit halten. Wenn erst die Magazine erscheinen und die Talk-Shows über den Äther gehen.

Komisch nur, Christian Wulff  hat in diesen Tagen noch gar nichts gesagt. Nicht mal zu seiner Verteidigung.

 

Nachtrag: Inzwischen überbieten sich die Blätter mit angeblich exklusivem über Bettina Wulff, haben eine richtigen Wettlauf im Info-Verbreiten gestartet bis hin zu vorgezogenem erscheinungstermin des „Stern“. Alle sollen geglaubt haben, sie seien die einzigen oder nur einer von wenigen. Hat man sie zielstrebig ausgetrickst? Um sie vorzuführen? Aus Rache gar?    http://meedia.de/print/die-multiple-exklusivitaet-der-bettina-w/2012/09/12.html?utm_campaign=NEWSLETTER_SONDER&utm_source=newsletter&utm_medium=email

 

http://meedia.de/print/bettina-wulff-der-banale-bestseller/2012/09/10.html?utm_campaign=NEWSLETTER_SONDER&utm_source=newsletter&utm_medium=email

http://www.welt.de/vermischtes/prominente/article109143065/Christian-und-Bettina-Wulff-gehen-zum-Therapeuten.html

 

 

 

 

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Alle Kommentare [3]

  1. Ich muss sagen, wer sich derart den Medien hingibt, der sollte sich nicht wundern, wenns auch mal daneben geht. Es gibt ja den schönen Spruch: Wer mit dem Feuer spielt, darf sich nicht wundern, wenns auch mal heiß wird.