Ein Teller Taglierini Tartufati mit Kartellrechtlerin Daniela Seeliger

Daniela Seeliger, Kartellrecht-Profi und Partnerin bei Linklaters

Sonst nimmt Daniela Seeliger – sie ist Anwältin und Partnerin bei Linklaters – ja im „Casa Luigi“ in Düsseldorf immer gerne das Thunfischsteak – so wie kürzlich – hier im Management-Blog nachzulesen – auch der Bundesliga-Schiedsrichter Tobias Stieler von Hogan Lovells. Doch heute ließ sie sich vom Chef des Haues überzeugen, etwas anderes zu probieren: seinen Klassiker, die Taglierini Tartufati, deren Soße er aus einem ausgehöhlten großen Käselaib schöpft. Bereut hat Seeliger es nicht, seinen Rat zu befolgen. Sie fand die Nudeln mit der Trüffel-Sahnesoße ausgesprochen lecker.

Vom Gentleman zum Kronzeugen

Daniela Seeliger ist Expertin für Kartellrecht und wir landen im Handumdrehen bei den komischen, drolligen Seiten ihres Jobs.  Man wundert sich direkt, es gibt Kollegen ihres Fachs, mit denen redet man Stunden und Stunden über Kartellrecht, aber keiner erlebt offenbar so Urkomisches  – oder sie erkennen die Komik gar nicht, wenn ihnen diese oder ähnliche Erlebnisse begegnen: Seeliger erzählt zum Beispiel von dem Fall mit sechs Kartellsündern, die zwar alle Mann hoch von den Rabatten für Kronzeugen – sprich den Petzen – profitieren oder gar straffrei ausgehen wollen. Doch bitteschön zusammen. Alle sechs wollten gerne gemeinsam zum Bundeskartellamt gehen und die Karten auf den Tisch legen. Sie würden sich dann besser fühlen, lautete die Begründung.“Sie wollten alle gemeinsam straffrei davon kommen oder alle mit einer jeweils geringeren Strafe belegt werden.“ Immerhin sei „Kronzeuge eine schwierige Rolle, wenn so ein Gentleman-Agreement über Jahre reibungslos lief.“

Wie….Windhundrennen?

Den Sinn des Windhundrennens beim Kronzeugen-Spiel hatten sie total verkannt: Dass nur der erste straffrei ausgehen kann und der zweite oder dritte nur die Chance hat, einen Rabatt auf seine Millionenstrafe zu bekommen. Wenn dem Kartellamt die jeweils offen gelegten Infos nicht vollständig erschienen oder nicht weiterhalfen, weil sie sie vielleicht schon kannten. Und dass der Witz der Sache ist, dass keiner der Sünder vom anderen weiß, ob einer von ihnen auspacken will. Dass jeder, der Rabatt oder Straflosigkeit ergattern will,  deshalb versuchen muss, schneller als die anderen zu sein. Ohne von den anderen zu wissen, ob sie singen wollen und ob sie auch schon unterwegs sind.

„Schließlich soll ja eigentlich gerade das Windhundrennen Instabilität in das kartellrechtswidrige System bringen“ ist Seeligers Fazit.

Und Seeliger wartet mit einem weiteren Fall auf: Sie erzählt, wie sie zu einer aisatischen Firma gerufen wurde, weil die EU-Kommission dort durchsuchte. „Ich raste los zum Kunden“, erinnert sich die Wahl-Kölnerin und wurde begrüßt wie immer bei Durchsuchungen: Die Mandanten freuen sich, wenn sie da ist und beteuern „Es war nix.“ Denn das Unrechtsbewusstsein in Deutschland sei im Hinblick auf Kartelle noch nicht so hoch.

Doch das war ein klarer Fall von „denkste“. Die Herrschaften von der EU-Kommission brauchten nicht mal suchen, denn der Beweis lag offen auf dem Schreibtisch des asiatischen Chefs, der des Deutschen leider noch nicht so mächtig war. Deshalb war eine ganze Rede schön ausformuliert, in der ein klarer Schuldbeweis stand. „Meine Herren, ich freue mich, jetzt neu an Ihrem Kreis teilnehmen zu können. Die Zusammenarbeit hat bisher so wunderbar funktioniert…undsoweiterundsoweiter.“  Sie habe nur gedacht, „Autsch“.

Wenn die Durchsuchung  mit der Beichte verwechselt wird

Was ganz viele Leute falsch machen, wenn ihre Räume durchsucht werden? „Sie reden drauf los wie ein Wasserfall. So als folgen sie einem Instinkt, möglichst viel zu sprechen – statt nur zu schweigen“, schildert Seeliger. Und manche „fangen sogar an zu volontieren und schlagen den Durchsuchenden vor, doch noch diese oder jene Ordner mitzunehmen“.

Das dürfte die Arbeit der Anwälte kaum erleichtern.

 

 

Taglierini Tartufati - der Klassiker im "Casa Luigi" in Düsseldorf

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Alle Kommentare [1]

  1. diese Art ist Lesegenuss
    Warum können nicht mehr Anwaltsgeschichten (mehr Anwälte) das komische, aber auch menschliche zeigen? Warum immer aalglatt oder streng formal? Das Leben hat doch so viel mehr zu bieten.
    Wenn Taglierini Tartufati diese Wirkung hat, sollte man denen das Rezept irgendwie entlocken…