Das Nummernschild – Serie: Aussterbende Insignien der Macht

 
 
 

 
Serie „Aussterbende Insignien der Macht“ von Frank Dopheide von Deutsche Markenarbeit
9. Teil: Das Nummernschild 
 
 

Frank Dopheide, Gründer und Chef von Deutsche Markenarbeit

Von allen Markenkontaktpunkten, die das Image eines Managers formen, ist sein Auto das Entscheidende. Nichts prägt die Wahrnehmung mehr. Am Fuhrpark vor dem Haupteingang scheiden sich die Geister. Das Auto wurde zum Risikofaktor. Folglich erfanden die Top Manager eine allgemeingültige Kleiderordnung – eine große Limousine in schwarz. Hochmotorisiert. War es in der Generation Adenauer noch die schwarze Mercedes Limousine, die das Maß aller Dinge war – fährt heute, wer Rang und Namen hat, im schwarzen Audi A8 vor. Natürlich in der L-Version – schließlich lassen sich die 100.000 Euro leichter rechtfertigen, wenn der Wagen ein sichtbar rollendes Büro ist, in dem der Chef hinten arbeitet, während sein Fahrer ihn mit 200 Kilometern pro Stunde ins Büro fliegt. Vorsprung durch Technik hat sich durch- und abgesetzt.  Die schwarze Limousine ist geblieben. Nur Paradiesvögel unter den Wirtschaftskapitänen erlauben sich sein dunkles grün oder frisches dunkelblau.

 

Ganz wichtiges Nummernschild - Foto: Andre Paetzel

So blieb nur eins, um klar zu machen, wer hier auf der Rückbank sitzt. Das Nummernschild. Je kleiner, die Nummer, desto größer die Macht im Fond. Es wurde viel Geld und viel Zeit investiert, um die Nummer der Wahl zu bekommen. Ein System, das in Amerika und Asien heute immer noch  wunderbar funktioniert und oft mehr Wertzuwachs verspricht, als so manche Aktieninvestition.

 

In unseren Breitengraden hält sich der CEO heute auch bei der Wahl seines Nummernschilds eher bedeckt. Diese moderne Haltung wirkt doppelt. Erstens dokumentiert es ein kleines Ego in höchster Position und zweitens verspricht es Sicherheit. Denn das Auto kann nicht so leicht identifiziert werden. Ein Aspekt, der so manchem Wagen eines britischen Bankenchefs den Flammentod gebracht hat, entzündet am Zorn enttäuschter Kunden.

 

Weniger ist heute mehr – auch in Punkte Sicherheit.

 

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