Orientierungslose Top-Manager

 

Kommt jetzt die Arbeitsverdichtung, unter der die Belegschafter schon seit einigen Jahren und immer stärker leiden, in den Chefetagen an? Führungskräfte in Deutschland fühlen sich permanent überfodert durch das ständig wachsende Arbeitspensum, berichtet das Technik-Magazin „CIO“ über eine Studie mit dem beziehungsreichen Titel „Jeder für sich und keiner fürs Ganze?“, die das Wissenschaftliche Zentrum Berlin für Sozialforschung, die Stiftung neue Verantwortung und die Personalberatungsfirma Egon Zehnder International auf die Beine stellte. http://www.cio.de/2878846

Befragt wurden laut Studie „30 Spitzenvertreter aus Staat, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Wissenschaft in Deutschland in Interviews über Aspekte der Führungskultur. Zu den Befragten zählen Minister, Staatssekretäre, Verfassungsrichter, Vorstandsmitglieder führender deutscher Unternehmen, Unternehmensgründer, Präsidenten von Forschungseinrichtungen, Vorsitzende großer zivilgesellschaftlicher Organisationen wie auch hochrangige Vertreter von Kirchen, Medien und Militär.“

 

Permanente Überforderung

Die dumme Folge der permanenten Überforderung: Für langfristige Strategien fehlt den Top-Managern schlicht die Zeit, weil das Tagesgeschäft sie überrollt. Mehr noch: Das Führungshandeln sei orientierungslos und unkoordiniert.

 

Da wäre etwa der Informationsfluss, der so enorm viel schneller geworden ist. Er hat unberechenbare Veränderungen zur Folge und vor allem – was die Entscheider am schlimmsten finden – ist er für sie unkontrollierbar, so „CIO“. Des weiteren seien die Entscheidungszyklen „durch die gefühlte und tatsächliche Beschleunigung in einer globalisierten und vernetzten Welt radikal verkürzt“. Dass sie nicht einfach alleine durchentscheiden können, sondern „diverse Anspruchsgruppen mehr Teilhabe an Entscheidungsprofzessen fordern“, verkompliziert das Ganze.

 

Die globale Vernetzung durch moderne IT setzt auch Top-Managern zu

Dass nichts mehr Bestand hat, sondern sich täglich vieles ändert und Chefs auch permanent erreichbar sein müssen, setzt die Spitzenleute enorme unter Druck laut dieser Studie. Was ist die Folge? Dieselbe wie bei ihren Mitarbeitern schon seit Jahren. Die Work-Life-Balance gerät aus den Fugen.  Auch die Top-Leute arbeiten mehr – wie ein Hamster im Rad – , so dass sich Arbeitsalltag und Privatleben immer mehr vermischen. So „geraten sie körperlich und mental an die Grenzen ihrer Belastbarkeit und fühlen sich ständig ausgelaugt“, laut „CIO“.

 

Die Lösung: Wegdelegieren?

Als Ausweg schlägt die Studie jedoch leider nur wenig Originelles vor: Dass die Top-Kräfte Aufgaben und Verantwortung wegdelegieren.

Nach weiter unten wohl. Wo die anderen schon länger arbeitsverdichtet sind und wo die Burn-Out-Quoten seit Jahren steigen.

 

Welche Unternehmen die meisten Burn-Out-Kranken haben, zeigt das Ranking im „ManagerMagazin“: http://www.wiwo.de/erfolg/beruf/gesundheit-in-welchen-unternehmen-burn-out-am-haeufigsten-auftritt/6675034.html#image

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Alle Kommentare [1]

  1. Das ist genau das, was ich seit Jahren feststelle und nun ausgebrochen ist. Alles ist mehr und mehr vernetzt und somit steigt auch die Komplexität. Daraus entsteht a) eine grössere Informationsflut und ein viel schnellerer Informationsfluss und was erfahrungsgemäss den Managern am meisten zu schaffen macht b) es wird schwieriger, die richtigen Informationen zu kanalisieren, zu extrahieren und die richtigen Massnahmen einzuleiten.

    Wie ich immer wieder feststelle, hängt dies auch mit den Denkmustern zusammen. An Business Schools oder Unis werden die angehenden Manager in ein lineares Denksystem gepresst, dass vollkommen auf rationalen Kriterien basiert und alles fass- und messbar macht. Das führt dazu, dass die Manager nur in eine Richtung denken d.h. alles was sonst noch um sie oder das Problem herum geschieht, wird ausgeblendet. So kann das grosse Ganze nie erfasst werden und das aktuelle Problem in den Kontext des grossen Ganzen gebracht werden. Wenn die Projekte dann abgeschlossen sind, merken die Beteiligten dann, dass die eingeleiteten nicht auf allen Ebenen greifen und dann fängt das Gebastel an. Man versucht zu korrigieren und ist gezwungen, etwas hinterher zu rennen. Die Komplexität ist immer ein paar Schritte voraus und man kommt gar nicht mehr hinterher. Die Luft geht einem aus, man ist ausgelaugt, frustriert und demotiviert. Dies führt unweigerlich zu chronischer Überforderung, Müdigkeit, Stress und gesundheitlichen Ausfällen.

    Dies darf nicht sein und dafür gibt es mehr als nur eine Lösung. Das Wegdelegieren ist jedoch definitiv keine. Sondern nur ein umschichten der Problematik. Wie Sie geschrieben haben Frau Tödtmann.

    Es gibt Lösungen, die es Organisationen erlaubt, sich so zu strukturieren und zu organisieren, dass die immer steigende Komplexität zum Nutzen aller, besser gemeistert werden kann. Dazu braucht es primär ein umdenken auf allen Ebenen und den Willen, sich zu transformieren. Darauf bin ich spezialisiert.