Das Top-Manager-Gefühl, über dem Gesetz zu stehen – auch über Zeugnisfälschungen

Seit Jahren melden sich immer mal wieder Detekteien mit Pressemitteilungen zu Worte, in denen sie vor einer relativ hohen Quote von gefälschten Zeugnissen warnen. Einer der wenigen Fälle, die dann auch mal bekannt wurden, war zuletzt der Fall des Arbeitsrechtlers in einer Düsseldorfer Großkanzlei auf der Königsallee, der seine Noten verfälscht hatte. Das, nachdem er wohl mehr als hundert Bewerbungen geschrieben hatte – und anscheinend nirgends unterkam mit seinem durchschnittlichen Examen.

Im Falle von Scott Thompson, dem Yahoo-Chef, liegt der Fall ein klein wenig anders. Er hatte keine Probleme einen Job zu bekommen. Aber irgendwann – und wohl schon zu Zeiten seiner früheren Tätigkeit für PayPal – stand plötzlich ein Bachelorabschluss in Computerwissenschaften in seiner Vita, den es tatsächlich nicht gab. Fakt ist wohl, dass er einen Bachelor in Finanzbuchhaltung hatte, aber eben nicht diesen zweiten Abschluss. Aufgedeckt wurde dies vom Manager eines Hedgefonds, Daniel Loeb von Third Point, einem Großaktionär, der wohl nicht gerade Thompsons Verbündeter war. Dass das alles ein unbeabsichtigter Fehler war, versuchte das Internetunternehmen Yahoo zwar in der vergangenen Woche noch Glauben zu machen – doch vergebens. Dass er sich bei den Yahoo-Mitarbeitern entschuldigte, half ihm auch nicht mehr. Jetzt musste der 54-jährige Thompson von seinem Posten zurücktreten.

Man kann es sich vorstellen, dass durch irgendeinen Verwaltungsfehler, eine Fahrlässigkeit oder ein Unterlassungsfehler aus einem zwei Abschlüsse wurden. Was man sich nicht vorstellen kann: Warum jemand, der es bereits an die Spitze geschafft hat, den Fehler nicht berichtigen lässt. Nötig hat er den zweiten Abschluss nicht mehr. Für nichts.

Anders als der Anwalt, der auf der Strasse stand und um einen Job kämpfte, hätte Thompson nichts verloren, hätte er nur rechtzeitig eingegriffen.Der zweite, falsche Titel verbesserte seine Situation kaum und beförderte vermutlich seine Karriere ebensowenig. Oder ist es einfach diese Top-Manager-Gefühl von „ich entscheide selbst, welche Gesetze für mich gelten“?

Dumm nur, dass dieses Nicht-Berichtigen am Ende für Thompson persönlich die vermutlich nicht nur größte Niederlage seiner Karriere bereitete. Es war gefundenes Fressen für seinen Gegenspieler. So schreibt die Nachrichtenagentur dpa: „Für Großaktionär Loeb war diese Entdeckung der Hebel, um den Firmenchef zu stürzen, der seinen eigenen Machtplänen im Weg stand. Loeb hält über seinen Hedgefonds Third Point 5,8 Prozent an Yahoo und fordert schon lange, dass er in das oberste Konzerngremium einziehen kann, in den Verwaltungsrat. Nach dem Sturz Thompsons wird Loeb nun insgesamt drei Sitze in dem Gremium bekommen, einen davon besetzt er selbst, die beiden anderen bekleiden Vertraute.“

 

 

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