Luxuslabels als Spendensammler

 

Der Textilhändler H&M probiert wieder mal einen neuen Marketing-Dreh, um seinen Absatz anzukurbeln: Wer etwas aus der Kollektion „Fashion against Aids“ kauft, von dessen Kaufpreis „gehen 25 Prozent an HIV/Aids-Präventionsprojekte“ verspricht der Filialist. Muss dass ein? Reicht es nicht, wenn diese – wirtschaftlich nicht ganz erfolglose – Kette einfach einen Betrag X spendet und das meinetwegen ohne Ende kommuniziert: auf Plakaten, in der TV-Werbung, im Newsletter, auf den Plastiktüten – wo auch immer. Aber die Kunden mit ihrem Gewissen kapern und zum Kauf irgendwelcher Fähnchen verleiten – im Tausch gegen ein gutes Gefühl zur Plüdde -, das ist impertinent. https://www.hm.com/de/faa?cm_mmc=Newsletter-_-20120426-_-faa-_-DE#inspiration

Luxuslabels als Spenden-Sammler

Ebenso impertinent ist es, wenn ein Luxuslabel wie Stuart Weitzmann – das ist der Designer mit den hohen Absätzen, der behauptete, auf seinen Pumps könnten seine Kundinnen auch gut laufen und nicht nur dekorativ auf dem Sofa sitzen – seine gesammte Kundendatei anschreibt. Und um Spenden für irgendein Projekt bittet. Auch das ist komplett daneben. Fast schon so etwas wie verlogen. Entweder der Luxusproduzent hängt sein Herz an ein Projekt, dann soll er gefälligst dafür persönlich oder als Unternehmer spenden und drüber reden – oder nicht. Aber seine Kundenliste zweckentfremden und die Konsumenten einspannen wollen – das geht gar nicht. Denn welches Gefühl stellt sich bei denen ein? Richtig, dass ausgerechnet der Luxuslabel-Unternehmer seine Kunden für Melkkühe hält. Und sogar solche, deren Namen er nicht hütet wie einen wertvollen Schatz, sondern freigiebig für irgendwelche Projekte hergibt. Und sie belästigt und ihnen vielleicht sogar ein schlechtes Gewissen verursacht.

Traumlabel mit Klingelbeutel

Zumal: Warum kaufen Frauen so sündhaft teuere Schuhe? Um sich zu belohnen, sich zu trösten, sich etwas zu gönnen oder vielleicht, um etwas still zu geniessen – was auch immer. Aber nicht, um sich outen und anzapfen zu lassen als – vermeintlich oder tatsächlich – zahlungskräftige Kundin mit Spendenpotenzial.

Und es gibt auch Menschen, die lange Jahre auf einen bestimmten Gegenstand sparen – das kann der Füllfederhalter, die Armbanduhr oder das heissersehnte Kleid von Dior sein. Wie müssen die sich fühlen, wenn sie diese Spendenaufforderung ihres Traumlabels erhalten? Vorgeführt, zum Beispiel.

Vor knapp 20 Jahren gab es eine Studie von der EBS, der European Business School im Rheingau, über die weihnachtlichen Spendenprojekte der Unternehmen: Ein Großteil der Spenden, die die Unternehmen auf ihren Weihnachtskarten an Geschäftspartner und Kunden undsoweiter erwähnten, fanden danach in Wahrheit gar nicht statt. Und damals war die Ära der Controller und Entlasser noch gar nicht in Sicht.

 

 

 

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Alle Kommentare [2]

  1. Aber die Kunden mit ihrem Gewissen kapern und zum Kauf irgendwelcher Fähnchen verleiten – im Tausch gegen ein gutes Gefühl zur Plüdde -, das ist impertinent.

    Eine solche Aussage zeugt von Impertinenz, und Unwissenheit zum und über das Thema HIV wie sie 30 Jahre nach HIV leider immer noch oder wieder in der Gesellschaft anzuteiffen ist.

  2. Lieber Alivenkickn – wie erwähnt, kämpfen Sie doch mit offenem Visier und verwenden Klarnamen – vom Verwendungszweck der Spende war überhaupt nicht die Rede. Um den geht es auch gar nicht.
    Es geht allein um die Frage, warum H&M nicht direkt dorthin spendet.