Das Monogramm-Hemd. Gastbeitrag Frank Dopheide (2) zur Serie „Aussterbende Symbole der Macht“

Aussterbende Symbole der Macht
 
Teil 2: Das Monogramm-Hemd

 
Stellen Sie sich vor, Sie sind wichtig und keiner sieht es. Dagegen hilft vor allem eins: das persönliche Monogramm. Am besten mitten aufs Hemd, gut lesbar und genau aufs Herz. Die stilgerechte Anleitung rät zu dem Platz zwischen dem 5 oder 6 Knopf, oder für jeden sichtbar unten auf der Manschette. Das Monogramm wird heute gerne in Komplementärfarbe in den Stoff gestickt, denn das hinterlässt einen tieferen Eindruck.

Frank Dopheide, Deutsche Markenarbeit

Einschlägige Ratgeber erklären die Motivation für dieses Handeln wie folgt: man individualisiert seine Kleidung und damit sich selbst. Der Träger verlässt demonstrativ die soziale Gruppe in der er sich bis dato bewegte. Er hebt sich ab von der Masse. Das ist nachvollziehbar, gerade wenn man den entscheidenden und lange erarbeiteten Karriereschritt nach oben macht.
  
Allerdings wirken die Buchstaben auf dem Hemd für den aufgestiegenen Manager schnell kontraproduktiv. Selbstbewusst wie umworbene Fachkräfte und High Potentials sind folgen sie einem Vorgesetzen nicht mehr auf Wort, sondern sie schließen sich ihm an – wenn er für Werte und Themen steht, mit denen sich die Mitarbeiter selbst identifizieren. Der leistungsfähige Mitarbeiter unserer Tage blickt nicht mehr zum Chef auf, viel lieber blickt er ihm in die Augen. Das Verbindende wird zum Wettbewerbsvorteil. Das eingestickte Monogramm wird zur Identifikationshürde. Ein willkommener Anlass für uralte Witze: „Dein Hemd hat einen Fleck“.
 
 
 
 
Der Stilberater weiß um die Gefahr und warnt: Vielfach wird das Tragen eines Monogramms als spießig oder abgehoben betrachtet. Wie machen es die wirklich Wichtigen unserer Welt? Sie freuen sich, wenn sie so normal wie möglich erscheinen und genießen die Unscheinbarkeit. Das Selbstverständliche gewinnt an Glanz. Steve Jobs. der Vater aller Managervorbilder unserer neuen Jahrtausends, trug nicht mal mehr Hemden. Blue Jeans und der schwarze Pullover wurden zu Markenzeichen für jemanden, der lieber Pirat als Marineoffizier sein wollte. Und mit ihm wurde der Pullover „1990“ von St. Croix für 175 Dollar zum begehrten Kultartikel – auf den man, ebenso wie auf das neue iPad warten muss.
Wir lernen daraus, je wichtiger der Manager, desto wirkungsvoller ist der Verzicht auf die Insignien der Macht. Weniger stiftet mehr Identifikation. Auch wenn das eine eher beunruhigende Nachricht für Monogrammsticker ist. 

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Alle Kommentare [1]

  1. Guten Tag, zu ihrer „beunruhigen Nachricht“ möchte ich folgendes beitragen. Die Nachricht ist überhaupt nicht beunruhigend da 1.) es gar nicht so viele Manager gibt die zum Beispiel alle Stickbetriebe mit ihren Aufträgen ernähren könnten. 2.) Gerade Manager und vermögende Menschen kleiden sich doch gerne mit Insignien der Macht um ihren Stand klar zu machen. Dies fängt doch schon in ihrem Beispiel von Steve Jobs an, da dieser nun nicht den billigsten Pullover trug und seine Nachahmer nun doch genau diesen tragen, um sich auch ein wenig „Erfolg“ des Steve Jobs über zu stülpen. Die Insignien beinhalten nun ja nicht nur Monogramme, sondern ganz stark MARKEN der Luxusgüterbranche, also Kleidung, Uhren, Autos, Schmuck (Manschettenknöpfe) bis über die Geschäftsaussattung hinweg. Oder haben Sie schon mal einen Manager z.B. mit einem VW Golf zu einer Konferenz vorfahren sehen. Ich denke das sich Personalisierungsdienstleister da keine Sorgen machen müssen

    Mit freundlichen Grüßen aus Hamburg
    Andreas Margenfeld