„Kinder und Ehegatten sind die natürlichen Feinde des Vermögens“ – Wirtschaftswoche-Top-Kanzleien

Asset Protection:

Welche Anwälte auf den Schutz des  Familienvermögens spezialisiert sind bei Heirat und Scheidung.

(erschienen in WirtschaftsWoche 6/2012)

Raffinierte Rechtsanwälte helfen reichen Klienten, Unternehmen und Privatvermögen im Scheidungsfall zu schützen. Die besten Anwälte für Vermögensschutz, Ehevertrags- und Scheidungsrecht.

„Alles aus! Droht jetzt ein Scheidungskrieg um ihre vier Kinder, die Villen und die 50 Millionen Euro?“, titelte „Bild“, als TV-Model Heidi Klum und Sänger Seal vor einigen Wochen ihre Scheidungsabsicht kundtaten. Wer keinen Ehevertrag hat, riskiert Rosenkriege und sein Vermögen. So wie US-Schauspieler Mel Gibson, der gerade seiner Ex-Frau die Rekordsumme von über 400 Millionen US-Dollar zahlen muss. Wer reich abgefunden wird, kann auch ordentlich was ausgeben. So wie Heather Mills, die Ex von Paul McCartney, die binnen zwei Jahren die gesamte 30-Millionen-Euro-Abfindung des Ex-Beatles verprasst haben soll.

Täglich über 35.000 Euro, rechnete ihr das britische „Heat Magazine“ vor. Was schwerreiche Showstars noch verkraften können, kann so manches Familienvermögen durchaus zerstören. Damit zum Beispiel familieneigene Unternehmen wegen einer Scheidung nicht unter den Hammer kommen, bieten auch hierzulande etliche Anwälte Asset Protection an – am besten übersetzt mit „Vermögensschutz für Wohlhabende“.

Top-Kanzleien für Vermögensschutz und Ehevertragsrecht

Klicken Sie auf die Namen, um mehr über die Kanzleien und die Top-Anwälte zu erfahren. 1; 2
Kanzlei Sitz Name
Becker Becker Knatz Frankfurt/Main Knatz, Vera
Betz Dombek Rakete Berlin Rakete-Dombek, Ingeborg
Binz & Partner Stuttgart Binz, Mark
Braune & Heinzel Nürnberg Braune, Hans-Peter
Cavada Lüth & Kollegen Bietigheim Cavada, Klaus
Clausen, Doll & Partner Nürnberg Nachtweh, Andrea
Fabricius-Brand Hannover Fabricius-Brand, Margarete
Flick Gocke Schaumburg Bonn Oertzen, Christian von
Piltz, Prof. Detlev–Jürgen
Hinrichs, Caroline
Haibach Giessen Haibach, Rudolf
Hecker Werner Himmelreich Köln Völlings, Udo
Hennerkes, Kirchdörfer & Lorz Stuttgart Lorz, Rainer
Heuser und Mannel Rechtsanwälte Frankfurt/Main Mannel, Jörg
Koch & Börsch Köln Roessink, Uta
Kuther & Partner Frankfurt/Main Müller-Raemisch, Barbara
Liebl Schöfer-Liebl & Kollegen München Schöfer-Liebl, Nicola
Meyer-Götz + Meyer-Götz Dresden Meyer-Götz, Karin
Meyer-Köring Bonn Bosch, Rainer
P+P Pöllath + Partners München Philipp, Christoph
Richter, Andreas
Raue LLP Berlin Braeuer, Max
Redeker Sellner Dahs Bonn Börger, Ulrike
Schlatter Und Kollegen Heidelberg Stiehl, Corinna
Herzberger, Wolf
Schwackenberg & Partner Oldenburg Schwackenberg, Wolfgang
Tanck Rechtsanwälte Mannheim Ritter, Heiko
Trautmann Mainz Trautmann, Christine
Wirtz & Kraneis Köln Fuchs, Jürgen
 Quelle: WirtschaftsWoche 2012; 1 in alphabetischer Reihenfolge; 2in Fettdruck: Wen die Juroren besonders empfehlen

 

Die Vorteile des Ehevertrags

Das Ziel der Anwaltsleistung: „Familienvermögen sollen generationsübergreifend erhalten und auf rechtlich zulässige Weise geschützt werden“, sagt Christian von Oertzen, Partner bei Flick Gocke Schaumburg in Bonn. „Ehegatten und Kinder sind die natürlichen Feinde jedes Vermögens“, meint von Oertzen. „In GmbH-Verträgen sollte für die Gesellschafter immer eine Pflicht zum Ehevertrag stehen, damit das Gesellschaftsvermögen vom Zugewinn ausgeschlossen bleibt“, rät Vermögensschutzspezialist Elmar Uricher, Anwalt in Konstanz.

Ohne Ehevertrag haben Ehepartner Anspruch auf Zugewinnausgleich, also auf die Hälfte dessen, was ein Vermögen während der Ehe an Wert gewonnen hat. Eine Firma mit zwei Inhabern, deren Wert binnen 20 Jahren von 0 auf 20 Millionen Euro gestiegen ist, kann so durch eine Scheidung in eine Liquiditätskrise geraten: Weil der eine Inhaber für den Zugewinnausgleich der Ex-Gattin fünf Millionen Euro auftreiben und dafür womöglich seinen Anteil verkaufen oder der Bank abtreten muss, sagt Uricher. Um solche Probleme von vorneherein auszuschließen, schreiben angelsächsische Großkanzleien in ihren Sozietätsverträgen ihren deutschen Partnern explizit vor, dass sie mit ihren Ehegatten Gütertrennung vereinbaren müssen.

 

„70 Prozent sind Rosenkriege“

Hilfreich sind zum Beispiel modifizierte Zugewinngemeinschaften. Uricher: „Dabei wird das Unternehmer- und Immobilienvermögen ausgeschlossen, stattdessen wird dem Ehepartner zum Ausgleich ein eigenes Vermögen aufgebaut zum Beispiel in Form einer Lebensversicherung.“

Einfach aufzuspüren sind die Vermögensschutzanwälte hierzulande nicht, geht es doch um ein verschwiegenes Geschäft. Meist sind es spezialisierte Einzelkämpfer oder kleinere Sozietäten – darunter auffällig viele Frauen. Die Spanne der Stundenhonorare liegt zwischen 250 und 800 Euro. Auch Großkanzleien nehmen dieses Geschäft gern mit, wenngleich sie es nicht eigens bewerben und um Himmels willen nicht das Feld Familienrecht besetzen wollen.

Kampf mit harten Bandagen

Sie mögen mit den üblichen Schlammschlachten bei Scheidungen oder Familienzwistigkeiten nichts zu tun haben. Denn „70 Prozent der Scheidungen sind Rosenkriege“, schätzt Uricher. Gekämpft wird mit harten Bandagen. Ein beliebtes Muster: Dem wirtschaftlich schwächeren oder verlassenen Partner fällt plötzlich ein, dass der andere Konten im Ausland hat, die dem Fiskus nicht bekannt sind. Asset Protection ist eine Herausforderung für Juristen, weil verschiedene Rechtsgebiete ineinandergreifen: „Nicht nur gesellschafts- und steuerrechtliche Aspekte spielen ein Rolle, sondern auch erb- und familienrechtliche Fragen – und vor allem das Verständnis für familiendynamische Prozesse“, gibt Tom Rüsen, Leiter des Instituts für Familienunternehmen von der Uni Witten-Herdecke, zu bedenken.

 

Ihm fallen immer wieder zwei Anwalts-Typen auf: „Einmal die Weitblickenden und dann diejenigen, die ausschließlich kurzfristige Interessen vertreten – ohne Rücksicht auf das Unternehmen.“ Rüsen findet: Anwälte dürften nicht nur ein einzelnes Problem lösen, sondern müssen auch über den Tellerrand schauen und erkennen, dass durch allzu harte Interessenvertretung einer Seite auch Unternehmen gefährdet werden können. Heikel wird es für Vermögende, wenn abtrünnige oder verlassene Ehepartner mit ausländischem Recht taktieren: Briten erkennen nämlich voreheliche Eheverträge nach deutschem Muster nicht an, berichtet Rainer Lorz von Hennerkes, Kirchdörfer & Lorz in Stuttgart. Er vergleicht: „Britische Richter machen Bestandsaufnahme und gehen über Eheverträge stets glatt hinweg.“

„Es ist nichts mehr da“

Sie teilten einfach auf, was da sei – egal, woher es komme. Er erzählt vom Fall einer vermögenden Deutschen, die mit ihrem Mann, einem Investmentbanker, Gütertrennung vereinbart hatte und nach London zog. Als er aber nach der Trennung plötzlich lieber Kunst studierte und vorm britischen Gericht auf Unterhalt klagte, guckten die Richter erst in oberster Instanz den Ehevertrag an.

Neben Scheidungen können auch Firmenpleiten große Familienvermögen gefährden. So wie im Fall der Drogistenfamilie Schlecker. „Es ist nichts mehr da“, machte Tochter Meike klar, nachdem die Familie aus ihrem Privatvermögen angeblich einen dreistelligen Millionenbetrag in die Rettung der Firma gepumpt hat.

Eine neue Kundengruppe

Der Fall ist typisch, findet von Oertzen: „Immer wieder haben Firmeninhaber auch private wirtschaftliche Schwierigkeiten, weil sie um keinen Preis ihre Jahresabschlüsse offenlegen wollen und deshalb für ihre Firma keine haftungsbegrenzenden Rechtsformen wie eine GmbH oder GmbH & Co. KG wählen.“

Hinzugewonnen haben die Asset-Protection-Juristen in den letzten Jahren eine neue Kundengruppe: Vorstände und Geschäftsführer, die Heim und Hof sowie das Familienvermögen rechtzeitig auf Frau und Kinder übertragen – bevor ihr Arbeitgeber versucht, sie für Managementfehler in Millionenhöhe zur Kasse zu bitten

 

Und hier gehts zur Bildergalerie der teuersten Scheidungen und den zehn miesesten Scheidungstricks:

http://www.wiwo.de/finanzen/steuern-recht/top-kanzleien-anwaelte-fuer-die-perfekte-scheidung/6348780.html

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