Wenn Datenschutz den Falschen schützt

Da heften sich die Unternehmen alle irgendwelchen Werte an, nach denen sie sich angeblich richten. jeder weiss natürlich, dass die nichts mit dem Firmenalltag zu tun haben oder etwa gelebt werden, sondern dass sich die irgendwer am grünen Tisch eigens ausgedacht hat, die Werbeagentur etwa oder jemand aus der Pressestelle oder sonstwer. Jedenfalls kommen die Werte nicht aus den Unternehmen und auf ihre Einhaltung pocht auch keiner. Aber sie machen sich eben gut auf den Broschüren, am Eingang oder der Homepage – und da ruhen sie in Frieden.

Vermutlich auch bei der Telekom. Welche Werte dieses Unternehmen ernst nimmt, frage ich mich schon lange – aber vor allem seit wir erfuhren, dass die Bonner jahrelang ihre vermeintlichen Erzfeinde, einige Journalisten abhörten.

Nebenbei bemerkt: Erst einer von denen, mein Ex-Kollege Reinhard Kowalewsky, hat inzwischen Schmerzensgeld dafür bekommen. Der Presse zufolge gut 30 000 Euro.

Zurück zur Telekom: Wenn sie selbst den Datenschutz einhalten soll, nimmt sie diese Pflicht nicht wirklich ernst. Anders dagegen, wenn es um Leben und Tod geht bei ihren eigenen Kunden – dann nimmt die Firma den Datenschutz ernst bis zum bitteren Ende, bis ein Selbstmordkandidat übern den Jordan ist und die Polizei zu spät kommt, um ihn zu retten. Richtig, der Polizei gegenüber verteidigt die Telekom den Datenschutz mit Inbrunst. Ich berichtete an dieser Stelle schon über mindestens einen konkreten, sehr tragischen Fall   http://www.wiwo.de/blogs/management/2010/03/01/telekom-dienstanweisungen-versus-zivilcourage/

Nun hat die Telekom noch ein weiteres Gut aufgetan, das sie dem Datenschutz unterordnet und sogar Rechtsbrecher auf diese Weise versucht zu schützen. Doch das Amtsgericht Bonn hat diesem irren Treiben jetzt ein Ende gemacht. Doch jetzt erst mal der Fall im Detail: Da hatte sich eine Frau mit einem Mann eingelassen, von dem sie nur den Vornamen und die Handynummer hatte. So weit so schusselig. Die Sache hatte Folgen: Doch nachdem sie den geheimnisvollen Unbekannten auf eben diesem Handy anrief und ihre Schwangerschaft mitteilte, handelte der flott. Der Mann verschwand komplett von der Bildfläche, war für die Frau unauffindbar – und meldete sein Handy ab.

Als die Frau dann die Telekom verklagte, um dessen Namen herauszufinden – und um vermutlich Unterhaltszahlungen einfordern zu können –  schaltete das Unternehmen auf stur. Ganz plötzlich fiel der Telekom der Datenschutz ein und verteidigte dieses Grundrecht heiss. Tatsächlich machte das Gericht mit, schildert die Nachrichtenagentur dpa. Die Mutter blitzte ab und musste langen Atem beweisen.

Was das Gericht dann im nächsten Anlauf dann nämlich doch nicht mehr mitmachte: Als der inzwischen 5-jährige Junge im nächsten Anlauf selbst gegen die Telekom klagte, um sein Recht auf Kenntnis der eigenen Abstammung durchzusetzen und auf dem Weg an den Namen seines Erzeugers zu kommen. Das zog, denn dieses Interesse überwiege gegenüber dem des Vaters auf Schutz seiner Daten. Das Urteil ist rechtskräftig (Amtsgericht Bonn, 104 C 593/10).

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Alle Kommentare [1]

  1. Telekom und Datenschutz – zwei Welten treffen aufeinander

    Der Telekom-Konzern zählt bedauerlicherweise zu den Unternehmen, die trotz diverser nachgewiesener Straftaten auch im Datenschutzrecht scheinbar unbelehrbar ist. Das verantwortliche Management veröffentlicht zwar großspurig Datenschutzberichte, stellt aber im sonstigen Geschäftsgebahren immer wieder deutlich zur Schau, dass die Prinzipien und Leitlinien von angemessenem Datenschutz bei der Telekom den sonstigen Geschäftsineressen untergeordnet werden.

    Vom Saulus zum Paulus?
    Leider nicht im Falle der Telekom.

    https://experts4dataprotection.wordpress.com