Strafversetzung ins Großraumbüro

Jetzt ist es amtlich: Großraumbüros sind die 2b-Lagen. Darüber stehen Doppel- und darüber an der Spitze eben die Einzelzimmer.
Chefs, die glauben machen wollen, es herrsche einig Basisdemokratie in der Sitzordnung und Großraumbüros seien ganz wunderbar fürs effiziente, qualitätsorientierte Arbeiten, wurden jetzt vom Landesarbeitsgericht Köln Lügen gestraft.

Das Fazit des Urteils  der rheinischen Richter (Aktenzeichen 5 SaGa 10/10): Wer als Arbeitnehmer ins Großraumbüro muss, wird damit praktisch degradiert und strafversetzt. Entschieden wurde dies im Fall einer Arbeitnehmerin, die zur stellvertretenden Betriebsrätin gewählt und dafür mit einer Versetzung ins Großraumbüro abgestraft wurde.

Die Richter zogen den Schluss, dass die Frau ohne ihre Wahl in den Betriebsrat nicht in das Großraumbüro geschickt worden wäre. Einen organisatorischen, plausiblen Grund dafür gab es nämlich nicht – oder konnte jedenfalls vom Unternehmen nicht glaubhaft gemacht werden. Damit sei eine Versetzung ins Großraumbüro sachlich nicht gerechtfertigt, urteilten die Juristen.

Und was ist noch entwürdigender als ein Schreibtisch im Großraumbüro? Wenn man nicht mal einen festen Schreibtisch darin hat, sondern selbst als Akademiker mit kleinen Rollcontainern durch die Gegend schieben und sich laufend einen neuen Platz suchen muss.

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  1. „Es ist der Ausdruck einer ganz bestimmten wirtschaftlichen Ordnung, die mit der Globalisierung zusammenhängt. Einer Ordnung, in der die Menschen nur für kurze Zeit zusammenarbeiten und sehr oberflächliche Beziehungen pflegen. Es ist eine Ordnung, in der die Firmen keine Loyalitäten mehr gegenüber den Angestellten aufbauen können, weil sie ständig verkauft werden oder ihre Form verändern. Es geht um schnell abgeräumte Märkte, und entsprechend sehen die Räume aus, in denen gearbeitet wird.“
    Richard Sennet

    „Wenn die ersten guten, jungen Mitarbeiter gehen, glauben die Chefs, dass man ihnen woanders einfach mehr Geld geboten hat. Fragt man die Leute aber, warum sie gegangen sind, dann ist es meist wegen dieser ganzen kulturellen Geschichten. Dazu gehört auch die Bürogestaltung.
    Prof. Michael Kastner