Gesetzliche Frauenquote in Deutschland – die neue Mission von Ursula von der Leyen

Wie schon gesagt, wer jetzt noch diskutieren will, wie und ob eine Frauenquote für Top-Positionen tauglich oder gar erforderlich ist, den überholt die Realität gerade von allen Seiten. Zuletzt heute mit Ursula von der Leyen, der Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Sie drohte heute via „ManagerMagazin“ den deutschen Unternehmen mit der Frauenquote – per Gesetz.

Fortschritte bei diesem Thema seien „in den vergangenen zehn Jahren nur mit der Lupe erkennbar“. Von der Leyen schwebt eine Quote von „25 bis 30 Prozent Frauenanteil in Führungspositionen“ vor – darunter will sie gar nicht anfangen zu verhandeln. Und zwar in weniger als fünf Jahren.

Das war zu erwarten, nachdem Frankreich vor sechs Tagen eine gesetzliche Frauenquote beschlossen hatte. http://www.wiwo.de/blogs/management/2011/01/14/die-franzosen-fuhren-die-verbindliche-frauenquote-auf-der-fuhrungsebene-ein/

Indien und Deutschland sind das Schlusslicht

Daraufhin meldete sich nicht nur das Deutsche Institut für Wirtschaftsförderung (DIW) zu Worte mit den neuesten Horror-Zahlen: Dass in den Dax30-Vorständen 182 Männer, aber nur 4 Frauen sitzen. und dass der Frauenanteil speziell in den deutschen Chefetagen so mager ist, dass er zwei Prozent beträgt – ebensoviel wie in Indien. Die beiden länderteilen sich den unrühmlichen letzten Platz nach Schweden an der Spitze mit 17 Prozent, gefolgt von USA und Großbritannien mit 14 Prozent, Norwegen 12, Russland 11, China 8, Frankreich 7, Spanien und Brasilien 6 Prozent.

Unternehmerinnen werfen Konzernchefs „Mentalitätsprobleme“ vor

Und promt meldeten sich als nächste gestern die Unternehmerinnen – konkret der Verband deutscher Unternehmerinnen,VdU – und warfen den Konzernchefs gegenüber der Nachrichtenagentur AP „Mentalitätsprobleme“ vor.  Verbandschefin Charlotta Köster-Brons – selbst Mutter von drei Kindern – wurde deutlich: „Eine Frau in die Riege der Führungskräfte zu holen, heißt für viele Männer noch immer, ihr eigenes Lebensmodell in Frage zu stellen.“ Denn deren Frauen organisieren den Familienalltag und das gesellschaftliche Leben dieser Top-Leute.

Das kann ich nur bestätigen, auch ein Top-Anwalt belehrte mich erst kürzlich darüber, dass ja wohl alle Ehefrauen von Männern auf seiner Ebene zuhause blieben. http://www.wiwo.de/blogs/management/2011/01/17/weibliche-fuhrungskrafte-konnen-ja-ruhig-die-bahn-nehmen/

Und weiter: In Deutschland rede man den Müttern immer noch Gewissensbisse ein, wenn sie arbeiten gehen. Das Gesamtbewusstsein der Deutschen müsse sich ändern.

http://www.bild.de/BILD/politik/2011/01/19/schroeder/familienministerin-schwanger.html

Ultimatum für Macho-Firmen: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,740316,00.html

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Alle Kommentare [5]

  1. „bedroht die Unternehmen offensiv“ — was ist das eigentlich für eine Wortwahl? Sind wir im Krieg?

  2. Liebe Claudia Tödtmann,
    ich denke, das musste so kommen. Die Frauenquote in der Wirtschaft lag einfach „in der Luft“, sie ist politischer Mainstream und vielleicht auch ein passendes Signal für ignorante Führungskräfte. Die Frage bleibt, ob den Frauen damit gedient ist oder ob es sie eher disqualifiziert.
    Als junger Mensch in einem Dax-Konzern hatte ich eine Kollegin, die vehement für ihre Rechte „als Frau“ eintrat. Darunter verstand sie einen Parkplatz in Büronähe (wegen der Gefahr, auf dem Fußweg zu einem weiter entfernten Parkplatz angegriffen zu werden), bessere Fußwege (wegen ihrer Pumps) und Rücksichtnahme bei der Terminplanung auf familiäre Verpflichtungen. Das hieß damals im Umkehrschluß, Männer könnten ruhig unsichere Wege gehen, sich die Schuhe dreckig machen und ihre Abende in drittklassigen Hotels verbringen – kurz: Man fordert nicht bessere Bedingungen für Arbeitnehmer, sondern für „die Frauen“ – und diskriminiert damit automatisch die Männer, die das alles ja hinnehmen können. Damit stellt man – leider – die Frauen auf ein vergleichbares Niveau wie Schwerbehinderte und Betriebsräte.

    Eigentlich würde andersherum ein Schuh daraus. Wir alle müssten uns fragen, ob unsere heutige Art, Firmen zu führen, noch zeitgemäß ist. Wie lange noch werden Unternehmen überleben, die mit männerzentrierten Kungelrunden bei schwerem Rotwein und Zigarren geführt werden (vgl. DBAG unter „Banjeff“ Mehdorn)? Und wo sind die Frauen, die den Mut und die Kraft haben, den Marsch durch die Institutionen anzutreten und die maskulinen Kungelrunden von innen durch eigene Netzwerke sprengen? So lange Frauen in Unternehmen nur versuchen, die männlicheren Männer zu sein, kann das nicht funktionieren.

    Szenenwechsel. Ein Freund, der es als Ingenieur an die Sputze eines in Deutschland ansässigen Konzerns gebracht hat, erzählte neulich, dass zu seiner Studienzeit vor rund 35 Jahren in seinem Studiengang von 240 Studenten nur eine Frau gewesen sei – eine Schwedin. Vor kurzem erst habe er aus Neugier seine Tochter an seine alte Uni begleitet und bei den Maschinenbauern hinein geschnuppert – und siehe da, rund die Hälfte der Studenten war weiblich. Unglücklicherweise waren das fast ausnahmslos Chinesinnen …

    Das Unternehmen, von dem ich eingangs schrieb, hat zwar inzwischen eine Direktorin fü Diversity und eine AR-Chefin, aber immer noch männlich geprägte Kungelrunden für die Führungspositionen und außerdem einen ausgeprägten Jugendwahn – so, als gäbe es keinen demografischen Wandel und keine Rente mit 67.

    Wollen wir wetten – das wird das nächste Quotenfeld?

    Schöne Grüße

    Joachim Bochberg

  3. Alle Frauen sollten endlich initiativ werden und im Sinne von gleichem Lohn für gleiche Arbeit und für eine Quote bei der Stellenbesetzung auf allen Ebenen mit allen demokratischen Möglichkeiten eintreten. Freiwillig gibt niemand seine Pfründe auf.

    Tenor des neuen Scheidungsrechtes ist, dass auch Mütter mit relativ kleinen Kindern zukünftig gehalten sind, für Ihren Lebensunterhalt selbst zu sorgen. Aber bezahlt werden wir, als würden wir ein bißchen für den Urlaub und sonstige Familienextras dazuverdienen. Unverschämt und mittelalterlich. Einer modernen
    Zivilgesellschaft wie unserer unwürdig. Frauen fordert „Wechsejahre“ !

  4. Richtig, wenn´s um die Scheidung geht, soll frau unbedingt arbeiten und auch, bitteschön, viel Geld verdienen.
    In Frankreich soll es übrigens eine Ausgleichszahlung des Mannes für die Frau im Scheidungsfall geben, wenn frau ihre Karriere abgebrochen hat für die gemeinsamen Kiddies.