Weihnachtsgrüsse Dezember 2010 (1)

Ich bin schon gespannt, welche Weihnachtskarten dieses Jahr im Trend liegen. Noch zeichnet sich nichts wirklich ab – ausser dass etliche Menschen plötzlich auf ihren normalen Briefbögen ´Frohes Fest´ wünschen. Ob aus Sparsamkeit oder weil niemand mehr in den Büros ist, der sich um die Weihnachtskarten-Bestellung kümmern könnte, ist nicht auszumachen. Möglich erscheint beides.

Nehmen Sie allen Mut zusammen: Schreiben Sie ein paar persönliche Worte

Aber was heisst schreiben in dem Zusammenhang? Ein bisschen sieht es so aus – Verzeihung – als seien Textblöcke zusammen gesetzt worden, als stehe im Text an mich dieses Jahr „Wirtschaftswoche“ statt im vergangenen Jahr noch „Handelsblatt“, aber virl mehr Persönliches kommt nicht vor. Oder es klingt so, als könne man es quasi den meisten schreiben. Oder – und das wäre traurig – die Menschen trauen sich gar nicht, persönlich zu werden. Aus Angst vor Fettnäpfchen.
Hin wie her: Auf gedruckte Karten oder Briefe gehört mindestens die persönliche Unterschrift, besser noch auch die Anrede mit dem eigenen Füller und am allerbesten ein handgeschriebener Satz, der nicht auf jeden Empfänger passt.

Ihre Unterschrift sollte lesbar sein – oder Sie legen eine Visitenkarte dazu

Nur bitte tun sie eins nicht: Krakeln Sie nicht eine unleserliche Unterschrift auf Ihre Karte – womöglich noch ohne jeden Firmenaufdruck. Der Empfänger hat dann keine Chance, sich zu revanchieren. Denn oft ist nicht mal am Briefumschlag erkennbar, woher die freundliche Weihnachtspost kommt. Wer unbedingt krakeln möchte, kann ja seine Visitenkarte zwecks Identifikation dazu legen – das hilft.

Jedenfalls sind Karten ganz ohne jede Unterschrift ein No Go, ebenso wie billige Mail-Grüsse von Briefmarken-Sparwütigen und Karten-Geizkragen oder Briefumschläge mit Karten, die Dreck machen und aus denen unvermutet irgend etwas Möchtegern-Witziges beim Öffnen rieselt. Und woran man dann tage- oder wochenlang ablesen kann, wieviel Kosteneinsparungen die eigene Firma beim Posten Putzkosten wohl erzielt haben mag.

Weihnachtsgrüße per Massenmail haben Flugblatt-Charakter

Ach, und was gar nicht geht: Mails mit vertonten Filmchen verschicken – denn wer im Großraumbüro sitzt und sie öffnet, schämt sich. Wer im Großraumbüro sitzt und die Blechmelodien auf anderen PC´s im Umkreis der nächsten zehn Meter überall mitanhört, ist genervt. Merke: In Zeiten der Arbeitsverdichtung und der geschrumpften Belegschaften haben auch die wenigsten die zeit, sich minutenlang solche späße auf dem PV anzuschauen und anzuhören. Ganz abgesehen davon, was vorbei kommende Chefs denken, wenn sie einen Blick auf den Bildschirm ihrer Mitarbeiter werfen.

Lieber eine Karte zuviel schreiben, als eine zu wenig

Aus all dem aber zu schließen, dass Weihnachtskarten ein – willkommener – Streichposten sind, wäre genau das verkehrte Fazit. Sie sind wichtig, eins der wenigen letzten menschelnden Signale im kalten Berufsleben. Sind sie doch Zeichen der Wertschätzung –  über die Unternehmensgrenzen hinaus.

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Alle Kommentare [2]

  1. Liebe Frau Tödtmann, wie recht Sie haben. Man kann hinter fast jeden Satz ein Ausführungszeichen setzen! Manchmal schämt man sich geradezu für die Karten, die man erhält, besonders wenn der Kasten für die Rubrik „nicht zuzuordnen“ überquillt, weil sich die „Unterschreiber“ nicht mal die Mühe machen, deutlich machen, wer da eine Sekunde an sie gedacht hat. Lieber sollten die Unterzeichner ein paar Karten weniger auf den Weg geben, dafür aber mehr Zeit darauf verwenden, und tatsächlich, wenn man es ihnen wert ist, persönlich werden. Die Unternehmenskommunikationsabteilungen sollten endlich erkennen, dass es nicht reicht, wohlklingende Unternehmenswerte zu formulieren, in denen der ganz persönliche Zugang zum Kunden ein Dauerbrenner ist, nein, sie sollten auch dazu beitragen, dass diese Werte nicht jede Weihnachten mit einer verschmierten, unleserlichen Standardkarte ad absurdum geführt werden!

  2. Ich hoffe dringend, die Absender meiner Weihnachtskarten lesen den Abschnitt mit den unleserlichen Unterschriften! Ich hätte micht bei ihnen letztes Jahr wirklich gerne bedankt, ehrlich! Hätte ich nur gewusst, von wem die Karte stammte!