Wenn Deutsche Deutschen auf englisch schreiben

Bekommen Sie auch so gerne von anderen Deutschen Post auf englisch? Gestern erst wieder bekam ich eine komplette Studie von einem Deutschen aus der Schweiz – auf englisch. Ein Arbeitskollege hat eine Mail von einem deutschen Unternehmen kürzlich auf Französich pariert – und bekam dann keine Antwort mehr. Was man dagegen haben kann, wenn man doch ach so modern ist. Schließlich ist heute fast jeder arbeitsverdichtet und muss zusehen, wie er sein Pensum bewältigt. Auch ohne zusätzliche zeitraubende Stolpersteine in den Weg gerollt zu bekommen – weil der Absender eigenes Geld und Ressourcen spart oder eben doch nur halbherzig auf den deutschen Markt Fuss fassen will. Und der das dann als Internationalität verkauft, was tatsächlich in erster Linie unhöflich ist.

Kein geringerer als der Bestseller-Autor und Management-Profi Reinhard Sprenger hat sich mit diesem unpopulären Standpunkt schon mal mit einem Wortlaut-Interview ins „Handelsblatt“ gewagt – mit durchaus positiver Resonanz.  http://blog.handelsblatt.com/management/2010/03/06/der-irrsinn-mit-dem-englisch-eine-wiederholung/

Bei dieser Gelegenheit – oder „btw“ *auf neudeutsch: Kanzleibroschüren von Großkanzleien kommen auch gerne mal auf Englisch daher. Aber bei denen ist das egal, weil sie ohenhin nicht viel aussagen wollen. PR-Expertin Eva Engelken, Autorin eines Sprachratgebers für Juristen („Klartext für Anwälte“, gerade erschienen beim Linde Verlag), erzählte mir gestern: „In allen Imagebroschüren der Top-50-Kanzleien finden sich die Anwälte exzellent, teamorientiert und haben den Mandanten im Fokus.“ Man könne sie nachts um drei Uhr wecken und sie würde sofort eine solche Broschüre verfassen können. Wenn diese Inhaltslosigkeit dann noch auf Englisch daherkommt, ist es eigentlich auch egal. http://www.klartext-anwalt.de/tellerrand-blog/

Hin wie her: Wer spricht denn schon Fremdsprachen, wenn er nicht muss? Sicher gibts so manchen, der englische Bücher in der Frezeit liest oder amerikanische Filme in der Originalfassung ansieht, – aber sprechen und sich dem Risiko der Lächerlichkeit aussetzen, das ist eben doch eine andere Nummer. So weit so menschlich. Die Umfrage des Internet-Jobportals Monster.de überrascht deshalb wahrscheinlich nur den Umfragenden selbst: 41 Prozent der Deutschen sind „mit ihren Englischkenntnissen unzufrieden“. Und weiter: „30 Prozent der Deutschen fühlen sich nicht wohl, wenn sie Englisch sprechen müssen“ – und noch weniger vermutlich, wenn andere ihnen dabei zuhören. Vor allem Arbeitskollegen oder gar der Chef. Laut Umfrage stufen sich 23 Prozent der Antwortgeber selbst als fliessend englisch sprechend ein.

Messerscharf zieht Monster.de nun den Schluß, „dass nur sechs Prozent der Befragten aus Deutschland angeben, dass sie bei der Arbeit ganz ohne englisch auskommen.“ Den Schluss finde ich gewagt, dürften es doch ohnehin tendenziell eher die Arbeitnehmer aus Büros sein, die an ihren PC´s die Online-Umfrage von Monster.de absolvieren. Und keineswegs die Heerscharen anderer Berufstätiger, die ganz normale Jobs – ohne PC´s – ausüben vom Bofrost-Fahrer über die Krankenschwester bis hin zum Tierarzt. Dass die mal ausnahmsweise einen Kunden oder Patienten auf englisch ansprechen müssen, kommt vor – aber so oft, dass sie ihren Beruf ohne Englisch gar nicht ausüben können, ist es eben doch nicht.

* by the way

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Alle Kommentare [1]

  1. >Und der das dann als Internationalität verkauft, was tatsächlich in >erster Linie unhöflich ist.

    Ein Beispiel sind die Websites vieler großer Kanzleien, die teilweise ausschließlich auf englisch daher kommen.
    Angeblich tun sie das, weil sie ja sooo international sind.
    De facto sagen sie damit aber: „Hey, wir sind so arrogant, es interessiert uns nicht die Bohne, dass hierzulande eigentlich deutsch gesprochen wird…“