Riesige Esel fürs Foyer – Mitarbeiterkunst

Ganz schön schräg“ heißt die Kunstausstellung, die ab 21. Oktober 2010 in der Lobby des Commerzbank-Hochhauses in Frankfurt zu sehen ist. Großer Auftritt für 50 Bilder auf Stellwänden, denn hier kommen täglich Tausende von Mitarbeitern und Gästen vorbei. Schräg ist auch, dass sich die Großbank nicht mit renommierten und wiedererkennbaren Malerstars schmückt. Die Künstler sind Commerzbank-Mitarbeiter. Rund 20 Hobby-Maler beteiligen sich an der jährlich veranstalteten Ausstellung mit drei Bildern.

Doch leicht macht es die Commerzbank den Hobbykünstlern in ihrer Belegschaft nicht. Im Gegenteil, sie müssen sich richtig ins Zeug legen: 15 Prozent des Verkaufserlöses gehen an karitative Einrichtungen, diesmal an eine Sprachheilschule.Für den Fall, dass ein Aussteller kein Bild, fließen seine 35 Euro Teilnahmegebühr dem guten Zweck zu. Darüber hinaus müssen die Mitarbeiter extra für diese Ausstellung kreativ werden. Bedingung: Die Bilder dürfen noch nirgends gezeigt worden sein. Und die Hobby-Künstler müssen sich zuerst einer Jury stellen.

Verantwortlich für die Ausstellung der Mitarbeiter-Kunstwerke ist aber nicht etwa das Personalressort oder ein Schlaumeier von der Abteilung Corporate Cultural Responsibility, sondern das Frauennetzwerk der Bank namens Courage. „Daher stammt auch die Idee, alle Beteiligten arbeiten ehrenamtlich mit und nach Dienstschluss“, schildert die zuständige Kuratorin, Astrid Kießling-Taskin. Sie findet es besonders mutig, daran teilzunehmen. „Immerhin macht man etwas öffentlich in seinem Arbeitsumfeld und setzt sich der Kritik aus“.

Die Commerzbank trägt zwar die Kosten für die Vernissage mit dem Buffet und die Ausstellung samt Plakaten und Flyern. Die Organisation und die Technik leisten aber die Teilnehmer ehrenamtlich und nach Dienstsschluss. Traditionell übernimmt ein Vorstand die Eröffnung der Ausstellung. Dieses Mal ist es Michael Reuther: „Wir wünschen uns engagierte Mitarbeiter und diese Kunstausstellung ist ein erfolgreiches Beispiel. Die Förderung dieses Engagements ist ein wichtiger Bestandteil unserer Unternehmenskultur.“ Die Gemälde bleiben vier Wochen hängen, ihre Preise liegen zwischen 100 und 3 000 Euro. Die Teilnehmer kommen aus allen möglichen Arbeitsbereichen von der IT bis zur Telefon-Hotline.

Und dass die ausgestellte Kunst durchaus ernst zu nehmen ist, zeigt das Beispiel von Robert Haubrich. http://www.haubrich-photo.de/Robert_Haubrich_Photography/Starting_Point.html Er arbeitet im Investment Banking und stellte seine vielschichtig komponierten, vom Motiv her nie ganz eindeutigen Farbfotografien schon früher bei einem der Courage-Projekte aus. Haubrich gewann vor sechs Jahren mit seinem Foto vom Commerzbank-Tradingraum den ersten Preis des Handelsblatt-Wettbewerbs „Das beste Wirtschaftsfoto“ – und dürfte 5 000 Euro Preisgeld kassieren. http://www.photokina.de/aussteller/aussteller_pressefaecher.php?aktion=pfach&p1id=kmpk244&format=html&base=&tp=km3&search=v&pmid=km.kmpk244_1096303751&start=0&anzahl=10&channel=pk&language=d&archiv=1

Die Großbank ist nicht das einzige Unternehmen, das die Kreativität seine Mitarbeiter fördert. Auch im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf gab es bereits vier Ausstellungen mit Kunstobjekten der eigenen Mitarbeiter – vom Gärtner bis zum Arzt. Im vergangenen Oktober etwa zeigten 38 von 6500 Klinikum-Mitarbeitern Aquarelle, Fotografien, Collagen und Skulpturen, aber auch Schmuck und kunstgewerbliche Arbeiten aus Stoff. Wer alle Werke im ehemaligen Schwesternwohnheim Erika ansehen wollte, war gut und gern 90 Minuten beschäftigt. Nach drei Tagen aber war die Veranstaltung, die von dem emeritierten Professor Adolf-Friedrich Holstein initiiert und organisiert wurde, schon wieder vorbei. Ob etwas verkauft wird, spielt hier keine Rolle.

In Hamburg stellt auch die Unternehmensberatung Steria Mummert im Foyer in der Hamburger Zentrale Mitarbeiterkunst aus – und zwar ständig. Die Kollegen müssen sich darum bewerben. Der Andrang ist so groß, dass die nächsten zwei Jahre stets schon verplant sind – wobei auch Externe mal zum Zuge kommen. Eine Ausstellung dauert drei Monate und umfasst 20 bis 40 Exponate, je nach Größe. Erst kürzlich hingen dort mehrere Esel-Bilder. Jeweils drei Quadratmeter realistische Malerei, die möglicherweise augenzwinkend nach unseren alltäglichen Eseleien fragt. Im Schnitt werden zwei bis fünf Werke verkauft, sie zwischen 200 und 4000 Euro. Zu den Vernissagen mit Sekt und Häppchen kommen meist zwischen 40 und 100 Gästen.

Das neue Projekt bei Steria Mummert ist ein Fotowettbewerb für die Belegschaft. Am Ende sollen die besten zwölf Bilder in einem Kalender abgedruckt werden, der auch für die Kunden gedacht ist.

Bei Electrolux dagegen blieb dieser Marketing-Aspekt außen vor: Dem Haushaltgeräte-Hersteller ging es um die Mitarbeiterbindung. Die Pressestelle hatte alle 2000 Mitarbeiter in Deutschland aufgerufen, Fotos ihrer Gemälde, Bildhauer-Arbeiten, Grafik oder Fotografien einzureichen, um sie erst firmenintern auszustellen und danach mit den besten zwölf Werken einen Kalender für 2009 zu bestücken. Ein Motto gab es nicht, die Künstler konnten einreichen, was sie wollten. Eine von ihnen war Christine Spitzbart, von der das Februar-Blatt stammt und die „am liebsten den ganzen Kalender“ alleine bestritten hätte. Normalerweise betreut die 41-Jährige bei Electrolux im Innendienst des Vertriebs die Großkunden. Und „mit dem Gedanken, hauptberuflich Künstlerin zu sein“, habe sie nie gespielt, erzählt sie. Aber das hält sie nicht davon ab, sich bei der Londoner Academy of Arts zu bewerben. Denn da könne sich jeder bewerben, auch ohne künstlerische Vita.

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