Warum Unternehmen twittern – und was sie davon haben

Unternehmen nutzen den Kurnachrichtendienst Twitter für Stellenangebote, Werbung, Services – und für Entschuldigungen.
„BP hat bereits 100 Millionen US-Dollar Schadensersatz gezahlt“ verkündete BP Deutschland am 20.Juni über den Kurznachrichtenkanal
www.twitter.com. Und wer auf den angegebenen Link darin klickt, kommt zu der Pressemitteilung, dass der Konzern in den vergangenen sieben Wochen Fischern, Krabbenfischer, Ferienwohnungen-Vermietern und anderen Kleingewerbetreibenden, die wegen des Unglücks nicht mehr ihren Lebensunterhalt verdienen können, 31 000 Schecks ausgestellt hätte. Wer diese Twittermeldungen liest? Zum Beispiel die Redaktionen, die bp_energie, der Twitter- Adresse von BP folgen und dessen Meldungen erhalten: Online-Redaktionen wie „DerWesten“, die Fachredaktion „Kress“ aber auch Printredaktionen wie die „Aargauer Zeitung“ aus der Schweiz. Medien also, von denen BP sich erhofft, dass sie diese imagefördernde Nachricht verbreitet oder wenigstens registriert. Doch vor allem auch Konsumenten und andere Unternehmen oder Organisationen lesen die sogenannten Tweets.
BP hat rund 600 Follower – ein Klacks gegen Lufthansa mit mehr als 27 100 Followern, Kinobetreiber Cinemaxx mit mehr als 15 600 Followern oder den Versender Otto mit über 12 100 Followern (Siehe Tabelle). So wie sie haben etliche Unternehmen Twitter für sich als kostengünstigen PR-oder Vertriebs-Zusatzkanal entdeckt – und eine Menge mehr: Twitter ist ein Entschuldigungskanal. Und ein Werbekanal. Und ein Veröffentlichungskanal auch. Sogar ein Kanal für Stellenangebote, für Wettbewerbsaufrufe oder für Technik-Tipps. Die meisten dieser Tweets beeinhalten einen Link, der zu weiteren Infos führt. Ist der Link zu lang, wird er verkürzt auf Webseiten wie bit.ly.

So entschuldigte sich das ZDF bei den TV-Zuschauern per Twitter für den Ausrutscher der Sportmoderatorin Katrin Müller-Hohenstein, als sie beim WM-Fußballspiel Australien gegen Deutschland davon sprach, das 2:0 müsse für Miroslav Klose ein „innerer Reichsparteitag“ sein. Dass diese Entschuldigung erst mal nur einen Bruchteil der Zuschauer erreicht, stört offenbar nicht. Auch nicht, dass die Botschaft maximal 140 Zeichen lang sein kann – ebenso lang wie eine SMS. Warum auch? Nachrichtenagenturen und Internet- Suchdienste wie Google finden auch einzelne Tweets und zitieren sie. Schneeballeffekt inklusive, die Kette funktioniert. Gerade Redaktionen wie der „Stern“ oder Lokalsender wie „Antenne Düsseldorf“ sind sehr aktiv und umwerben mit einem ständigen Strom von Lesehinweisen oder Infos über die die Verkerhslage ihre Leser.
Wie öffentlichkeitsstark Twitter schon ist, erfuhr leidvoll auch der zurückgetretene Bundespräsident Horst Köhler: Die Äußerungen über den Bundeswehreinsatz in Afghanistan, die man ihm vorgeworfen hatte, war zunächst übersehen worden – bis ein aufmerksamer Politikstudent und Twitterer den Finger in die Wunde legte. Und sich wunderte, warum niemand von der Journaille diesen Ausrutscher bemerkt hatte. Der Rest ist Geschichte.
Das Thema Twittern – Stichwort: Social Media und Web2.0-Kommunikation – beschäftigt die Unternehmen immer mehr. Bei PR-Agenturen ist es seit einigen Monaten das meist-nachgefragte Thema, ergab eine Untersuchung von News Aktuell, ein Unternehmen der Nachrichtenagentur DPA, und der Kommunikationsagentur Faktenkontor aus Hamburg. Nicht nur das ZDF hat neun Twitter-Adressen für neun verschiedene Themen – mitsamt Shop. Allein der Sport-Twitter hat über 3 500 Follower, die die Entschuldigung in Sachen Australien-Spiel lesen konnten. Und diese Follower können die Entschuldigung mit einem Klick weiterleiten – retweeten – an ihre eigenen Follower – also multiplizieren wie im Schneeballverfahren.
Wie kreativ sich Twitter nutzen lässt, zeigen Beispiele wie diese: So offeriert das Tiefkühlkostunternehmen Bofrost in den Niederlanden freie Stellen für Controller oder Niederlassungsleiter. Ebenso wie der Autobauer Daimler reihenweise Praktikanten, Trainees oder Werkstudenten sucht – und gelegentlich auch eine Sachbearbeiterstelle anbietet. Das Foto-Unternehmen Cewe Photobook offeriert Preisausschreiben und verlost Produkte. Für die Telekom gibt ein ganzes Team Techniktipps unter der Twitteradresse Telekom_hilft. Dasselbe macht der Provider 1&1 aus Montabauer, um direkt an der Konsumentenfront an seinem Imagezu feilen. In den Vereinigten Staaten informiert die Airline JetBlue über sogar Verspätungen oder Wetternachrichten via Twitter und beantwortet indiviuelle Anfragen zu Gepäck.
Oder: British Airways entschuldigte sich für eine Bordkarte, die in der Mitarbeiterzeitschrift abgebildet war und den Namen von El-Kaida-Chef Osama bin Laden trug. Und zu allem Überfluss hatte bin Laden nicht nur eine Vielfliegernummer, sondern auch noch einen Sitzplatz in der ersten Klasse. Dabei sollte eigentlich nur das Einchecken mit dem i-phone beworben werden.

Hier ein Ranking „Deutsche Marken auf Twitter“:

http://www.talkabout.de/twitter/deutsche-marken-auf-twitter

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