Keine Benachteiligung mehr von Nichtrauchern

Die Kollegen, die nicht rauchen, hat es immer schon geärgert: Dass sich die Qualmer unten den Kollegen das Recht nehmen, weniger zu arbeiten – um ihrer Lust und ihrem Laster zu fröhnen, kurz: Dass jene dauernd Zigarettenpausen einlegen und die anderen für sie mitarbeiten müssen. Das Oberverwaltungsgericht Köln machte jetzt mit dieser Ungerechtigkeit Schluss. Die Beschäftigten der Stadt Köln haben weder einen Anspruch auf einen Raucherraum noch auf Zigarettenpausen in der Arbeitzeit, urteilten die Richter in Münster.

 

Eine Raucherpause ist demnach keine zulässige Arbeitsunterbrechung – und sie wiesen eine entsprechende Klage eines rauchenden Mitarbeiters der Stadt Köln zurück, der bereits in erster Instanz verloren hatte (Verwaltungsgericht Köln Aktenzeichen 1 A 812/08). Weder hat er das Recht auf die Einrichtung eines Raucherraums. Noch hat er den Anspruch, während der Kernarbeitszeit Raucherpausen einzulegen. Eine Raucherpause ist keine zulässige Arbeitsunterbrechung, wie der Gang zur Toilette, der Kaffee im Büro oder das schnelle private Gespräch auf dem Flur, konstatierten die Richter.

 

Kein Recht auf Rauchpausen in der Arbeitszeit – Gleichbehandlung ist angesagt

 

Das Fazit der Kölner Juristen: Ein Verbot einer zusätzlichen Zigarettenpause ist keineswegs einseitig raucherunfreundlich, sondern vielmehr eine Frage der Gleichbehandlung – mit den Nichtrauchern.

Die mussten ja bisher stets die Faust in der Tasche machen und am Schreibtisch weiterarbeiten, wenn die Raucher – meist im vergnüglichen Trüppchen – an ihnen vorbei zu Rauchpausen aufbrechen. Sie durften in der Zeit deren Telefone mitbedienen und im Zweifelsfall auch für sie mitarbeiten.

Und vor allem: Irgendwo auf dem Geländer der Stadt zu qualmen, zählt nicht als Arbeit. Auch Nichtraucher müssten während der Kernarbeitszeit in ihrem Büro anwesend sein. Dazu genüge es eben nicht, «dass sich der Beamte irgendwo auf dem Gelände des Verwaltungsgebäudes befindet». Zudem: In den regulären Pausen und ausserhalb des Verwaltungsgebäudes dürfen die Raucher ja durchaus weiterhin paffen.

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Alle Kommentare [1]

  1. Darauf stecke ich mir erst mal eine an. Direkt am Schreibtisch natürlich. Denn noch erhebt niemand Anspruch darauf, mir das Rauchen in meinem eigenen Büro in Räumlichkeiten, die mein persönliches Eigentum sind, zu verbieten.

    Ich erinnere mich noch gut an meinen Einstieg ins Berufsleben im öffentlichen Dienst. Damals gab es dort kein Rauchverbot, trotzdem wurde in fast keinem der Büros mehr geraucht, und bei den wenigen Ausnahmen beschränkte sich das Rauchen im Büro auf die Pausenzeiten. Freiwillige Vereinbarungen funktionieren nicht? Doch, dort taten sie es. Zum Rauchen gingen die meisten Raucher in die Cafeteria. Man wollte ja Rücksicht nehmen. Man wollte doch niemanden belästigen. Nett sein zu den nichtrauchenden Kollegen wollte man.

    Die Nichtraucher haben es gedankt, indem sie praktisch sofort damit anfingen, über die „Rauchpausen“ zu zetern. Dabei waren diese Pausen noch nicht einmal wirklich unproduktiv. Wir Raucher aller Abteilungen haben in der Cafeteria im Lauf der Zeit nicht wenige jahrelang gut funktioniernde abteilungsübergreifende Vereinbarungen getroffen. Wir waren die geheimen Hintertüren, die auch noch funktionierten, wenn die Abteilungen heillos zerstritten waren und einander nur noch angifteten oder anschwiegen.

    Die armen nichtrauchenden Kollegen müssen dauernd für die Raucher mitarbeiten? Daß ich nicht lache. Bei uns haben die Raucher auf dem kleinen Dienstweg mühelos in Ordnung gebracht, was die nichtrauchende Mehrheit so alles an Flurschaden angerichtet hat. Tempi passati. Ich bin jetzt schon etliche Jahre dort weg. Vielleicht ist es jetzt ja anders. Es wäre kein Wunder, denn in der Cafeteria rauchen darf man dort ja nicht mehr …

    Aber den Nichtrauchern werden jetzt sicherlich auch bald die Augen übergehen. Denn die Raucherpausen waren für sie ja auch immer ein ausgezeichneter Vorwand, warum ihre Privatgespräche auf dem Flur (_kurze_ Flurgespräche? Gibt’s so was auch in echt oder nur in der Phantasie des Richters?) oder in den Büros ihnen auch zustünden.

    Manchmal war es das Büro, in dem ich gerade zu arbeiten versuchte, das sie mit Passivtratsch kontaminierten. Das beste Gegenmittel war dann, wenn sie gar nicht mehr aufhören wollten – richtig, eine Rauchpause. Nicht selten standen die Schwatzbasen immer noch da, wenn ich nach dem Durchziehen meiner Fluppe wieder am Arbeitsplatz erschien. Wenn ich mir DAS wieder ins Gedächtnis rufe – doch, dann freue ich mich wirklich darauf, das Geheule zu hören, wenn es die Pausen der Nichtraucher sind, die aufs Korn genommen werden. Das ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, denn es liegt im Trend, Pausen nur noch als Zeit zu definieren, die man als Arbeitnehmer seinem Arbeitgeber unberechtigterweise wegnimmt. Bildet euch bloß nicht ein, daß ich euch dann dafür bedauern werde.

    Aber natürlich ist die Kalkulation mit den Pausenminuten eine Milchmädchenrechnung. Ich rauche, wie gesagt, während der Arbeit direkt am Schreibtisch, aber Pausen muß ich daneben natürlich auch noch machen. Denn bei mir kommt es darauf an, daß das _Ergebnis_ meiner Arbeit was taugt, und das beste Arbeitsergebnis erziele ich, wenn ich mindestens alle ca. 90 Minuten eine Pause einlege.

    Aber auf Ergebnisse kommt’s im öffentlichen Dienst vermutlich auch heute noch den meisten nicht so richtig an.