McKinsey´s neuer Rat: Frauen hochieven und Fachleute halten

Kontinuität? Ach was. Frei nach dem Motto ´was schert mich mein Geschwätz von gestern´ wechseln die guten, teuren Ratschläge von der Unternehmensberatung McKinsey plötzlich wie die Oberhemden. Konnte man jahrelang darauf wetten, dass am Ende eines Beratungsauftrags fast immer Personalabbau der heisse Tipp war, so irritieren die Verlautbarungen aus dem Hause McKinsey plötzlich die Klienten:   Zuerst kommt die Meldung, dass Fimen mit Chefinnen an der Spitze wirtschaftlich bessere Ergebnisse haben als Unternehmen mit frauenfreien Führungsetagen. Dann kommt plötzlich der Rat, lieber auf Gewinn als auf qualifizierte Mitarbeiter zu verzichten.
Da fragt man sich: Haben die McKinsey-Klienten denn schon vorher den Rat erhalten, Frauen einzustellen und zu fördern, bis sie an die Spitze gehievt haben? Oder bekommen die Klienten diesen Rat dann zumindest jetzt quasi formularmässig mit auf den Weg? Müssten sie doch eigentlich.
Und damit nicht genug. Ganz plötzlich kommt die nächste erstaunliche Erkenntnis der Unternehmenberater: „McKinsey sieht Arbeitskräftemangel von 2015 an“ warnt man nunmehr die deutsche Wirtschaft vor einem massiven Arbeitskräftemangel in wenigen Jahren. Schon in fünf Jahren würden Unternehmen mehr Jobs anbieten, als sie dann noch besetzen können, berichtet die „Welt am Sonntag“ über eine McKinsey-Studie. Das aufgezeigte Horror-Szenario: Die Lücke werde bis 2020 auf rund zwei Millionen Arbeitskräfte anwachsen. Quelle suprise, als Grund für diese Entwicklung bemerkt das Beratungsunternehmen nun die demografische Entwicklung. Der gute öffentliche und gar nicht teure Rat lautet nunmehr: Unternehmen sollten kurzfristig lieber auf Gewinn statt auf Mitarbeiter verzichten. Firmen sollten ein großes Interesse daran haben, ihre qualifizierte Stammbelegschaft zu halten, rät McKinsey-Deutschland-Chef Frank Mattern plötzlich den Unternehmen.
Guter Rat – nur zu spät
Schade nur, dass der Rat für viele zu spät kommt. Weil sie einen gut Teil gerade ihrer erfahrenen Mitarbeiter schon in die Wüste geschickt haben. Diejenigen Firmen können kaum mehr ihren – oft wahllosen – Stellenabbau der vergangenen Jahre noch rückgängig machen. Hiess die Devise doch jahrelang, Hauptsache weniger Leute an Bord. Wer immer gehen will, kann – gegen Abfindung – gehen. Ob der Rest der Belegschaft oder gar die Kunden die geschassten Kollegen keineswegs entbehrlich fanden – ganz egal. Zurück geblieben sind arbeitsverdichtete Belegschaften, bei denen sich psychische Krankheiten häufen oder denen alle möglichen Drogen helfen, den Arbeitsalltag zu überstehen. Und völlig desillusionierte Mitarbeiter, die mit der Faust in der Tasche auf den Aufschwung warten. Um sich wegbewerben zu können.
Gar bedrohlich ist es bei Firmen geworden, in denen wichtige Funktionen einfach gar nicht mehr wahrgenommen werden. Unter dem Deckmantel des Kostensparens. Schien ja auch zu klappen, vordergründig. Die Berliner S-Bahn hat ihre Quittung schon bekommen.
Diesen Firmen als Unternehmensberater nun zu verkünden, dass sie bald auch gar nicht mehr die Mitarbeiter kriegen können, die sie bald so dringend brauchen – das klingt schon fast zynisch. Schon die erfahrenen Leute, die wenigstens ihr Wissen an junge Menschen weitergeben könnten, sind ja nach all den Entlassungsrunden der vergangenen Jahre längst weg.
Sind öffentliche Ratschläge andere als die in den Vorstands-Power-Point-Präsentationen?
Oder liegt es vielleicht daran, dass diese zwei überraschenden Ansagen via Presse geschehen und in die breite Öffentlichkeit gestreut werden – aber nicht via Power-Point-Präsentation nur für den Vorstand bestimmt sind? Führungskräfte, die höhere Prämien bekommen, je mehr Mitarbeiter sie abschütteln.
Liegt der Kurswechsel von McKinsey daran, dass es sich in der Öffentlichkeit einfach besser macht, Partei für Frauen und qualifizierte Facharbeiter zu ergreifen? Statt Rechnungen aufzumachen, wieviele Mitarbeiter dieses Mal wieder in die Wüste geschickt werden sollten? Man darf gespannt sein auf die nächste Initialzündung.  http://magazine.web.de/de/themen/finanzen/wirtschaft/10094642-Studie-Ab-2015-Arbeitskraeftemangel.html

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