Großraumbüros lösen Tinnitus aus

Sie wollen die Krankenquote in Ihrem Unternehmen senken? Dann sollten Sie als erstes den Mitarbeitern Großraumbüros ersparen. Denn Geräte und Gespräche anderer Mitarbeiter sind in Büros die größten Lärmquellen – und stellen damit den Stress dar, der oft Tinnitus auslöst. Vor allem: Chronischer Tinnitus kann sich zu einer „ernsthaften seelischen Belastung entwickeln und sogar zu Arbeitsunfähigkeit führen“, vermeldet der TÜV Süd, der Unternehmen beim Gesundheitsmanagement unterstützt.

Und die Experten erklären: „Bürotätigkeiten erfordern meist große Aufmerksamkeit und Konzentration. Geräusche sind dabei sehr störend, da der Versuch, sie aus dem Bewusstsein zu verdrängen, die Leistungsfähigkeit deutlich senkt.“

Immerhin hatte laut Deutscher Tinnitus-Liga  jeder Vierte in Deutschland schon einmal Tinnitus. Zwar ist der bei den meisten nach kurzer Zeit von alleine verschwunden oder konnte mit ärztlicher Hilfe bekämpft werden. In rund 70 Prozent der Fälle ist das Geräusch im Ohr behandelbar.

Der TÜV Süd empfiehlt geräuscharme Geräte, schallabsorbierende Materialien. Laute Drucker oder Kopierer gehören in separaten Räume.

Mehr Infos: Studie „Betriebliches Gesundheitsmanagement 2010“ und Corporate Health Award; Weitere Informationen zum Thema gibt es in der eben veröffentlichten Studie von EuPD Research, TÜV SÜD Life Service und Handelsblatt „Betriebliches Gesundheitsmanagement 2010“ http://www.handelsblatt-shop.com/83/pid/1179/Gesundheitsmanagement_2010.htm und im Internet unter www.tuev-sued.de/presse/BGM.

Handelsblatt, TÜV SÜD Life Service und EuPD Research suchen das gesündeste Unternehmen Deutschlands: Informationen und die Bewerbungsunterlagen zum Corporate Health Award 2010 können unter www.corporate-health-award.com angefordert werden.

Checkliste des TÜV Süd

Lärm wird individuell unterschiedlich wahrgenommen. Was den einen stört, nimmt ein anderer kaum wahr. Doch anhand des Schalldruckpegels lässt sich ein objektiver Wert einer Geräuschkulisse ermitteln. Um die Leistungsfähigkeit an Büroarbeitsplätzen nicht zu senken, sollten 55 Dezibel nicht überschritten werden. Ideal wären jedoch 35 bis 45 Dezibel. Denn eine ständige Lärmbelastung ist ein Stressfaktor, der Tinnitus auslösen kann.

Lärmschutzmaßnahmen

Geräte: Laute Geräte sollten in einem separaten Raum stehen. Ist dies nicht machbar, können Schallschutzhauben einen großen Teil des Lärms abhalten. Bei der Neuausstattung von Büros ist zu beachten, dass die Geräte nach dem derzeitigen Stand der Technik eine maximale Geräuschemission von nur 48 Dezibel erreichen.

Außenlärm: Gegen Lärm von außen helfen schallisolierte Türen, Fenster und Fassaden. Wenn das Raumklima dadurch nicht negativ beeinflusst wird, sollten die Fenster außerdem geschlossen bleiben – vor allem an größeren und stark befahrenen Straßen.

Raumgestaltung: Damit die Geräusche in einem Raum nicht verstärkt werden, sind Decken und Böden sowie bei größeren Büros Stellwände aus schallabsorbierendem Material sinnvoll. Nützlich sind auch Grünpflanzen. Sie sind nicht nur gut für das Klima, sondern nehmen außerdem einen Teil des Schalls auf. Laute und leise Arbeitsplätze sollten möglichst getrennt sein. Zusätzlich ist je nach Größe des Unternehmens mindestens ein Raum für Besprechungen sinnvoll, damit andere Mitarbeiter nicht gestört werden. Wichtig ist es auch, auf die richtige Einstellung von Klima-, Heizungs- und Belüftungsanlagen zu achten.

Gehörschutz: Ist der Lärm technisch unvermeidbar, weil man an Flughäfen, Baustellen oder lärmenden Maschinen arbeitet, ist auf sorgfältigen Gehörschutz zu achten. Gehörschützer sind persönliche Schutzausrüstungen, die die schädliche Einwirkung des Lärms auf das Gehör verringern – so verhindert man, dass eine Lärmschwerhörigkeit entsteht oder bestehende Hörprobleme zunehmen. Laut Gesetzgeber ist ab einem Tages-Lärmexpositionspegel von 85 Dezibel die Verwendung von Gehörschutz am Lärmarbeitsplatz vorgeschrieben, ab einem Tages-Lärmexpositionspegel von 80 Dezibel muss der Arbeitgeber Gehörschutz zur Verfügung stellen. Zur Reduzierung des Lärms gibt es verschiedene Möglichkeiten, von Kapselgehörschutz über die bekannten Ohrstöpsel bis hin zu individuell angefertigtem Gehörschutz (Otoplastik), die der Hörgeräteakustiker anfertigt. Bei der Auswahl des richtigen Gehörschutzes müssen neben der unterschiedlich starken Dämmwirkung auch der Tragekomfort und die Arbeitsbedingungen berücksichtigt werden. Die Schalldämmung eines Gehörschützers darf auch nicht wesentlich höher ausgewählt werden, als es zur Vermeidung einer Lärmschwerhörigkeit notwendig ist, denn sonst ist die Sprachverständigung und das Erkennen von Warnsignalen am Arbeitsplatz unnötig erschwert.

Umgang mit Tinnitus

Akuter Tinnitus: Bei Verdacht auf Tinnitus hilft es meist, Ruhe zu bewahren und für Entspannung zu sorgen. Ist das Pfeifen, Rauschen oder Summen auch am nächsten Tag noch da, sollte möglichst schnell ein HNO-Arzt aufgesucht werden. Bei etwa 70 Prozent der Betroffenen kann laut der Deutschen Tinnitus Liga das Ohrgeräusch in den ersten drei Monaten geheilt werden. Neben ärztlichen Maßnahmen fördern Ruhe und eine positive Einstellung den Heilungsprozess.

Chronischer Tinnitus: Nach drei Monaten ist es sehr unwahrscheinlich, dass das Ohrgeräusch noch einmal verschwindet. Die Mehrzahl der Betroffenen lernt jedoch mit dauerhaftem Tinnitus umzugehen und fühlt sich dadurch kaum gestört. Dennoch kann es zu Folgeerscheinungen wie Einschlafstörungen, Überempfindlichkeit und Depressionen kommen. Dann sollte unbedingt ein Facharzt aufgesucht und eventuell psychotherapeutische Hilfe in Anspruch genommen werden. Wer von chronischem Tinnitus betroffen ist, sollte versuchen, ihn nicht zum Lebensmittelpunkt zu machen, sondern ihn durch Therapien und Lebensfreude in den Hintergrund zu drängen. Selbsthilfegruppen können dabei förderlich sein.

TÜV SÜD ist ein international führender Dienstleistungskonzern mit den Strategischen Geschäftsfeldern INDUSTRIE, MOBILITÄT und MENSCH und rund 14000 Mitarbeitern an über 600 Standorten weltweit.

http://www.journalmed.de/newsview.php?id=29136 Hier gibt`s Selbsthilfe via internet für Tinnitus-Betroffene.

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Alle Kommentare [4]

  1. Gute Idee, diese Ohrstöpsel – nur wie will man dann noch das Telefon hören? Oder anderes Wichtige?

  2. @Claudia Tödtmann: Telefonieren ist mit den Stöpseln nicht so gut machbar (die dämmen sehr stark – sollen sie aber auch), das ist wohl wahr. Sie haben jedoch ein Verbindungsband. Nimmt man einen zum telefonieren kurz raus, dann bleibt er in Reichweite.
    Das Telefonklingeln ist deutlich leiser, aber noch entfernt wahrnehmbar.